![]() | ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten! Diese Pflanze ist geschützt und steht auf der Roten Liste Bayern! Kategorie V (Arten der Vorwarnliste) |
Steckbrief
Blütenfarbe: gelb; grün, braun oder unscheinbar; weiß;Höhe/Länge von 1,2m bis 2m
Blütezeit von 6 bis 8
Lebensraum: Auen; Ufer/Dämme; Wälder, Waldränder, Gebüsche, Lichtungen;
Lebensdauer: mehrjährig, nur einmal blühend (hapaxanth);
Blattstellung: Blätter wechselständig
Blattform: gefiedert, doppelt gefiedert; unpaarig gefiedert (Endfieder vorhanden ggf. als Ranke ausgebildet);
Besonderheiten Blatt/Pflanze: Blätter stengelumfassend;
Blattrand: gesägt; gezähnt;
Blütenform: dorsiventral (zygomorph): mit nur einer Symmetrieachse
Blütenstand: einfache Dolde
Verholzungsgrad: Stängel krautig
Trockenfrüchte: Achäne
Garten/Anbau
Lichtanspruch: Halbschatten; Sonne;Boden Beschaffenheit: humoser Boden (leicht); sandiger Boden; toniger Boden (schwer);
Boden Feuchte: 1 nass;
Boden Nährstoffgehalt: Nährstoffreich (Starkzehrer);
Die Ernte erfolgt in der Regel im Oktober und November des zweiten Anbaujahres nach Eintritt der Vegetationsruhe. Die Erträge liegen zwischen 2,5 und 4 Tonnen pro Hektar.
Systematik
Abteilung:Spermatóphyta - Samenpflanzen
Unterabteilung:
Angiospérmae - Bedecktsamer
Klasse:
Dicotyledóneae (Magnoliópsida) - Zweikeimblättrige
Unterklasse:
Rósidae - Rosenähnliche
Ordnungsgruppe:
Umbelliflórae - Doldenblütige
Ordnung:
Apiáles - Doldenblütlerartige (Araliáles)
Familie:
Apiáceae - Doldenblütler
Gattung: Angelica
Arznei-Engelwurz - Angelica archangelica
Familie: Apiáceae - Doldenblütler![]() Bildquelle: Wikipedia User Meneerke bloem |
Angelica: lat. angelus = Engel (Rhizom mit Heilkraft), evtl. auch in Anlehnung an die abtreibende Wirkung des Rhizoms (Engelmacherin); "Engelwurz"
andere Namen: Echter Engelwurz
Vegetative Merkmale
Die Arznei-Engelwurz ist eine zwei- bis vierjährige, nur einmal blühende Pflanze (hapaxanth) und erreicht Wuchshöhen von 1,2 bis 3 m, selten nur 0,5 m. Sie besitzt ein dickes Rhizom, das bei Wildpflanzen rübenförmig ausgebildet ist, bei Kulturpflanzen meist kurz und mit vielen Adventivwurzeln besetzt ist.
Die Stängel stehen aufrecht und sind zumindest an der Basis stielrund. Sie sind schwach gerillt, innen markig-hohl, oben verzweigt und schmecken würzig. Selten sind sie rotbraun überlaufen.
Die grundständigen Blätter sind lang gestielt, die oberen Stängelblätter sitzen auf den Blattscheiden und haben eine weniger stark zerteilte Spreite. Die meisten Blätter sind zwei- bis dreifach gefiedert, ihre Spreite ist hellgrün und oft 60 bis 90 cm lang. Die einzelnen Fiederabschnitte sind 5 bis 8 cm lang und lang stachelspitzig, am Rand leicht rau und auf den Unterseiten kahl. Die Blattstiele sind rund und hohl. Die Blattscheiden sind sehr groß und stark aufgeblasen.
Blüten und Früchte
Die Blütenstände sind endständige, halbkugelige Dolden. Die Doldenstiele sind nur in den obersten Bereichen behaart. Es gibt 20 bis 40 Doldenstrahlen, sie sind mindestens an den Innenseiten rau-flaumig. Eine Doldenhülle ist meist nicht vorhanden. Die Hüllchenblätter sind zahlreich, von lineal-pfriemlicher Form und kürzer als bis gleich lang wie das Döldchen. Die Kelchzähne sind undeutlich ausgebildet. Die Kronblätter sind grünlichweiß bis gelblich und nicht genagelt. Sie sind 1 bis 1,5 mm lang, 0,75 bis 1,25 mm breit, von elliptischer Form und oben in eine eingebogene Spitze verschmälert. Die Griffel sind zur Blütezeit kurz. Die Blüten duften nach Honig und werden durch Insekten bestäubt. Blütezeit ist Juni bis August.
Die Früchte sind 5 bis 8 mm lang und 3,5 bis 5 mm breit, blassgelb und breit-elliptisch. Die rückenständigen Hauptrippen sind fädlich bis leicht gekielt und leicht vorspringend. Die Randrippen sind flügelig ausgebildet und relativ dick. Die Ölstriemen sind zahlreich, klein und umgeben das Nährgewebe ringförmig. Die Griffel sind zur Reife zurückgebogen, bis 2 mm lang, dabei doppelt so lang wie das Griffelpolster.
Verbreitung/Vorkommem
Die Arznei-Engelwurz ist in Nord- und Osteuropa sowie Sibirien, Himalaya und Nordamerika verbreitet.Die Pflanze wächst in feuchten Wiesen, an Ufern und wird auch kultiviert. Sie kommt bevorzugt auf nassen, zeitweise überschwemmten, nährstoffreichen Tonböden vor.
Giftigkeit
In größeren Mengen ist das ätherische Öl toxisch.Sehr empfindliche Menschen können bei Hautkontakt mit frischem Pflanzensaft gegen Sonnenlicht sensibilisiert werden (Angelicadermitis).
Inhaltsstoffe
Der Wurzelstock enthält 0,35 bis 1,3 % ätherisches Öl, das sich vorwiegend aus Monoterpenen zusammensetzt. Die wichtigsten Bestandteile sind ?-Phellandren (13 bis 28 %), ?-Phellandren (2 bis 14 %) und ?-Pinen (14 bis 31 %). Daneben wurden über 60 weitere Komponenten identifiziert. Ein kleiner Teil des ätherischen Öls besteht aus Sesquiterpenen, etwa ?-Bisabolen, Bisabolol, ?-Caryophyllen, und aus macrocyclischen Lactonen. Weitere Bestandteile sind rund 20 photosensibilisierende Furanocumarine, darunter Bergapten, Imperatorin, Xanthotoxin, Angelicin, Archangelicin, oder die C-prenylierten Cumarine Osthenol und Osthol, Umbelliferon.Außerdem enthalten die Wurzeln Angelica- und Fumarsäure, Chlorogen- und Kaffeesäure, Harze und Flavanone.
Verwendung in der Pflanzenheilkunde
Verwendung findet vor allem die Wurzel (als Droge Angelicae radix), die Bitterstoffe und ätherische Öle enthält, also zu den Amara-Drogen gehört. Alkoholische Auszüge oder Tees werden gegen Appetitlosigkeit, leichte Magen- und Darmkrämpfe, Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Engelwurz wirkt karminativ, antimikrobiell und regt die Magensaft- und Pankreas-Sekretion an.In der Volksmedizin wird das ätherische Öl (als Droge Angelicae aetheroleum) aus den Wurzeln innerlich gegen Schlaflosigkeit und äußerlich gegen Rheuma und Neuralgien angewendet.
Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie
gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis gehören zu den Anwendungsgebieten: Schmerzhafte umschriebene Lymphstauungen, z.B. Lymphknotenentzündung (Lymphadenitis); Begleittherapie bei Entzündung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis).Kommission C... Subakute bis chronische Lymphadenitis, kindlicher adenoider Habitus (Lymphatismus); Begleitbehandlung bei Parotitis.
Arzneimittel: Archangelica 10 % Salbe (WELEDA)
Sonstiges
Das Öl aus Wurzeln und Samen ist Bestandteil von Kräuterlikören und Bitterschnäpsen, wie Boonekamp, Bénédictine und Chartreuse. In Frankreich werden kandierte Stängel angeboten. Bestandteil des Schneeberger Schnupftabaks.Bei Wildsammlungen besteht eine Gefahr der Verwechslung mit dem giftigen Gefleckten Schierling (Conium maculatum). Der kommerzielle Anbau erfolgt vorwiegend in Polen, den Niederlanden und Deutschland, in geringerem Ausmaß auch in Belgien, Frankreich, Italien, Schweiz und Tschechien. Es gibt keine kommerziellen Sorten, angebaut werden vornehmlich Landrassen, die der Varietät sativa der Unterart archangelica zugerechnet werden und die manchmal als eigene Art Angelica sativa bezeichnet wird.
Literatur
- *Kommission C: Anthroposophische Aufbereitungsmonographien der Kommission C der Gesellschaft anthroposophischer Ärzte in Deutschland. - 1999 - Im Auftrag der medizinischen. Sektion am Goetheanum Dornach/Schweiz
- Bärtels, A.: Farbatlas Tropenpflanzen-Zier und Nutzpflanzen - 1996 - Stuttgart; ISBN: 978-3800134809
- Buttler, K. P.: Steinbachs Naturführer: Orchideen - Die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas.
- 1986 - München; ISBN: 978-3576105591
- Finkenzeller X. & Grau J.; Steinbachs Naturführer ,Alpenblumen - 1985 - 1. Auflage, München
- Fintelmann V. & Weiss R.-F. Lehrbuch der Phytotherapie - 2005 - 11. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3830453451
- Franke, W. - Nutzpflanzenkunde - 1992 - 5. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3135304052
- Genaust H. -etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen - 1996 - 3. Auflage, Hamburg; ISBN: 978-3764323905
- Harz K. -Bäume und Sträucher: Blätter, Blüten, Früchte der heimischen Arten - 1990 - 6. Auflage, München; ISBN: 978-3835404793
- Holzer S. Permakultur: Praktische Anwendung in Garten, Obst- und Landwirtschaft - 2004 - 3 Auflage, Graz; ISBN: 978-3702010379
- Kremer B.: Bäume (Laub-und Nadelbäume) - 1992 - 1. Auflage, Stuttgart
; ISBN: 978-3440064078
- Kreuter M.-L. Kräuter und Gewürze aus dem eigenen Garten - 2009 - 8. Auflage, München; ISBN: 978-3835403246
- Kreuter M.-L.: Biologischer Pflanzenschutz - 2001 - 08. Auflage, München; ISBN: 978-3405160562
- Kreuter M.-L.; Der Biogarten - 2007 - 23. Auflage, München; ISBN: 978-3835404847
- Oberdorfer E. - Pflanzensoziologische Exkursionsflora - 1994 - 7. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3800131310
- Raven Peter H.: Biologie der Pflanzen - 2006 - 4 Auflage ; ISBN: 978-3110185317
- Rothmaler W. - Exkursionsflora von Deutschland 2: Gefäßpflanzen. Grundband: BD 2 - 1996 - 16. Auflage, Jena, Stuttgart; ISBN: 978-3827416001
- Rothmaler W. - Exkursionsflora von Deutschland Band 3 - 1994 - 9. Auflage, Jena, Stuttgart; ISBN: 978-3827418425
- Schauer T. & Caspari C. - Der farbige BLV Pflanzenführer - 1990 - 2. Auflage, München; Wien; Zürich; ISBN: B002CZVT1A
- Schauer T. & Caspari C.: Der BLV Pflanzenführer für unterwegs - 2008 - 2 Auflage, München; ISBN: 978-3-8354-0354-3
- Schönfelder, B. & Fischer J. - Welche Heilpflanze ist das?: Heilpflanzen, Giftpflanzen, Wildgemüse - 1976 - 18 Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3440047804
- Senghas, K. & Seybold, S.: Schmeil - Fitschen. Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wildwachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen - 2000 - 91. Auflage, Wiebelsheim; ISBN: 978-3494014685
- Steinegger E.& Hänsel R.: Pharmakognosie - 1992 - 4. Auflage, Berlin-Heidelberg; ISBN: 978-3540342564
- Vademecum Anthroposophische Arzneimittel
Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland und der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, Dornach, Schweiz - 2010 - 2. Auflage
- WELEDA AG: Arzneimittelverzeichnis 2009 - 2009 - Schwäbisch Gmünd
- Wendelberger, E. - Heilpflanzen. Erkennen, sammeln, anwenden. - 2003 - München, Wien, Zürich; ISBN: 978-3835403703
- Wichtl M. - Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage - 2008 - 5. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3804723696






































