Tollkirsche - Atropa bella-donna

Familie: Solanáceae - Nachtschattengewächse

Atropa bella-donna
Bildquelle: Wikipedia User Bilou
Kategorie: Heilpflanze Giftpflanze Drogenpflanze Bauerngarten Staude

Atropa: gr. Atropos = die Schicksalsgöttin, die den Lebens­fa­den ab­schnei­det (Giftpflanze); "Toll­kir­sche"

andere Namen: Schwindelkirsche, Schlafkirsche, Teufelskirsche, Walkerbeere, Irrbeere, Wutbeere, Wolfsbeere, Tollkraut

Die Wahnzustände, die bei höherer Dosis auftreten, brachten (in der frühen Neuzeit) oft die erwünschte Bestätigung des Hexenverdachts, außerdem nimmt man an, dass auch die Tollkirsche ein Bestandteil der Hexensalben gewesen sein könnte.

Bei der Schwarzen Tollkirsche handelt es sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze, die gewöhnlich Wuchshöhen zwischen 50 cm und 1,50 m erreicht. Sind die Standortbedingungen günstig, können auch 2 Meter hohe Exemplare beobachtet werden. Die reich verzweigte Pflanze zeigt ein kräftiges Erscheinungsbild. Der stumpfkantige Stängel wächst aufrecht und weist eine feine Behaarung auf. Sein ästiges Aussehen ist auf die Art der Verzweigung zurückzuführen. Bei ungefähr einem Meter Höhe werden erstmals Zweige gebildet, welche waagrecht abstehend zum Stängel wachsen.

Die sommergrünen, ganzrandigen und ungeteilten Laubblätter können eine Länge von bis zu 15 cm und eine Breite bis etwa 8 cm entwickeln. Sie sind oval geformt und laufen lanzettlich zugespitzt aus. Ebenso wie der Stängel zeigen auch die Blätter eine flaumige Behaarung. Obwohl die Blätter in Paaren stehen, sind sie nicht gegenständig angeordnet.

Als charakteristisch für die Tollkirsche kann die Paarbildung der Blätter im Bereich des Blütenstandes bezeichnet werden. Grundsätzlich steht hier ein kleineres Blatt mit einem größeren zusammen, oft violett überlaufene grün-violette, zwittrige Blüten.

Der Aufbau der Frucht gleicht einer Tomate – auch wenn sie viel kleiner ist und durch einen hohen Gehalt an Anthocyanen dunkel gefärbt ist. Die kugeligen Beeren zeigen eine schwarze, lackartig glänzende Oberfläche. Der Geschmack der reifen und saftigen Tollkirschenfrucht ist nur leicht süß, etwas bitter und stark adstringierend (hinterlässt ein pelziges Gefühl im Mund). Die Beeren reifen von August bis Oktober.


Verbreitung/Vorkommem

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Skandinavien, West- und Südeuropa und den Balkan über Kleinasien bis nach Nordafrika und den Iran. Die Tollkirsche bevorzugt Kalk-, Porphyr- und Gneisböden. Man findet sie häufig auf Waldlichtungen von Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern und auf Brachflächen bis in Höhenlagen von 1700 m Seehöhe. Die Schwarze Tollkirsche gilt als Kennart der Assoziation Tollkirschen-Schlaggesellschaft (Atropetum belladonnae), die dem Verband der Walderdbeer-Schlaggesellschaften (Fragarion Vescae) in der Klasse der Weidenröschen-Schlaggesellschaften (Epilobietea angustofolii) angehört. Diese Gesellschaft besiedelt auf kalkhaltigen Böden Kahlschlagflächen in Wäldern. Neben der Schwarzen Tollkirsche bestimmen Walderdbeeren, Hain-Kletten, die Späte Wald-Trespe, die Lanzett-Kratzdistel, die Kleinblütige Königskerze, Himbeeren, Roter Holunder, Waldweidenröschen und Große Brennessel das Bild dieser artenreichen Assoziation

Giftigkeit

Bei Kindern führen bereits drei bis fünf Beeren, bei Erwachsenen 10 Beeren aufwärts, innerhalb von 14 Stunden zum Tod durch Atemlähmung. Die Dauer der Hauptwirkung beträgt 3 bis 4 Stunden, am Auge kann sie 3 bis 4 Tage anhalten. Vergiftungen durch die Blätter treten ab 0,3 g auf.

Inhaltsstoffe

In der Frucht sind Hyoscyamin (Atropin), Scopolamin, Apoatropin, Belladonnin und Scopoletin enthalten (siehe auch Alkaloid). In den Blättern befinden sich zwischen 0,5 % und 1,5 %, in den Wurzeln 0,85 %, im Samen 0,8 %, in den Früchten 0,65 % und in der Blüte 0,4 % Tropan-Alkaloide.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die Schwarze Tollkirsche wird seit der Antike medizinisch genutzt, unter anderem als Schmerzmittel. Im 19. Jahrhundert wurden Wurzel- und Krautextrakte zur Behandlung von Gelbsucht, Wassersucht, Keuchhusten, Nervenkrankheiten, Scharlach und Epilepsie verwendet.

Die Tollkirsche wurde zur Abtreibung, gegen Gicht, gegen Tollwut, als Aphrodisiakum und zur Pupillenerweiterung verwendet. In Rumänien ist der Glaube, dass die Tollkirsche im Garten der Sitz des Hausgeistes ist, noch heute verbreitet. Aus der Wurzel der Pflanze wird ein Medikament gegen die Parkinson-Krankheit hergestellt, dieses ist jedoch in Europa nicht zugelassen.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Atropa belladonna wird in der Homöopathie und in Atropa belladon-
na ex herba der Firma WALA ohne Wurzelanteil verwendet. Die Tollkirsche besitzt einen eindrucksvollen, mehrköpfigen, walzenförmigen, mehrjährig ausdauernden, braungelb-rötlichen Wurzelstock aus, der 0,5 % Alkaloide enthält. Belladonna planta tota (Präparat von WELEDA) in potenzierter Form stellt damit ein Spezifikum der anthroposophischen Therapierichtung dar! – Dagegen gibt es ein Präparat aus der potenzierten Wurzel ( Belladonna, Radix, WELEDA , Atropa belladonna e radice WALA für die Therapie u.a. bei akut-entzündlichen Reizzuständen des Nerven-Sinnes-Systems.
Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis gehören zu den Anwendungsgebieten: Störungen des Verhältnisses von Aufbau und Abbau, die mit Stauungen, Verhärtungen und Ablagerungen einhergehen oder zu entzündlichen und fieberhaften Reaktionen führen, z.B. krampfartige Zustände der glattmuskulären Hohlorgane. Sklerotische Prozesse; seelische Veränderungen auf sklerotischer Basis; Wundrose (Erysipel), Angina, Scharlach. Als Begleittherapie bei labilem Bluthochdruck, Anfallsleiden (konstitutionelle Behandlung).
Kommission C* (S. Quellen):... Störungen des Verhältnisses von Aufbau und Abbau, die mit Stauungen, Verhärtungen und Ablagerungen einhergehen oder zu entzündlichen und fieberhaften Reaktionen führen, z.B. spastische Zustände der glattmuskulären Hohlorgane; sklerotische Prozesse, labile Hypertonie, psychoorganisches Syndrom auf sklerotischer Basis; Anfallsleiden (konstitutionelle Behandlung ); Erysipel, Angina, Scharlach.
Die Frucht, als Droge "Atropa belladonna e fructibus" genannt, wird v.a. im Zusammenhang mit Augenerkrankungen angewandt bei Akkomodationsschwäche und Katarakt.
Zubereitungen der Wurzel finden Anwendung bei Tremor (Zittern) und Vertigo (Schwindel) bei verminderter Bodensicherheit unklarer Ursache bei älteren Menschen.
Auch bei Parkinsonsyndrom und verwandten Krankheitsbildern und bei akuter arterieller Bluthochdruckkrise.
Arzneimittel: Belladonna, Radix (WELEDA)
Belladonna D6 Augentropfen (WELEDA)
Atropa belladonna ex herba WALA

Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, GermanyWikipedia User TopjabotWikipedia User Topjabot

Literatur

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