Gewöhnliche Berberitze - Berberis vulgaris

Familie: Berberidáceae - Berberitzengewächse

Berberis vulgaris
Bildquelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany
Kategorie: Heilpflanze Garten Giftpflanze Heckenpflanze winterhart Dornen-Stacheln Färbepflanze Beerenpflanze Staude

Berberis: arab. berberi = Muschel (Form der Blütenblätter); "Sau­er­dorn"
vulgaris: allgemein, gewöhnlich

andere Namen: Sauerdorn, Essigbeere, Echte Berberitze

Die Berberitze (Berberis) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Berberitzengewächse (Berberidaceae). Bei manchen Autoren werden auch die Arten der Gattung Mahonien (Mahonia) zur Gattung Berberis gezählt. Berberitzen gehören mit 400 bis 600 Arten zu den artenreichsten Gehölzgattungen überhaupt.
Berberis-Arten sind immergrüne oder laubabwerfende Sträucher, selten kleine Bäume.
Die Innenseite der Rinde und das Holz sind gelb. Die Zweige sind stielrund, kantig oder gefurcht. Berberitzen sind dornig, die Dornen sind ein- bis fünfteilig. Die Dornen an den Langtrieben sind umgewandelte Blätter (Blattdornen), in deren Achseln sich an Kurztrieben die büschelig angeordneten eigentlichen Laubblätter entwickeln. Die wechselständigen und einfachen Laubblätter sind oft mit wachsartigem Reif überzogen, an den Rändern gezähnt und meist gestielt.
Die Blütenstände sind sehr unterschiedlich aufgebaut, selten stehen die Blüten einzeln. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig, hellgelb bis gelborange. Kelchblätter sind meist sechs, selten drei oder neun vorhanden. Kronblätter und Staubblätter gibt es sechs in jeder Blüte, die Kronblätter sind manchmal kleiner als die kronblattähnlichen Kelchblätter. Am Grund der Kronblätter stehen je zwei Nektarien. Bei einer Berührung der Staubblatt-Innenseiten klappen die Staubblätter nach innen zur Narbe und bedecken die Blütenbesucher mit Pollen. Der Fruchtknoten ist oberständig, die Narbe sitzend oder auf einem kurzen Griffel.
Immergrüne Berberitzen haben zumeist schwarze, sommergrüne (laubabwerfende) Arten hingegen eher rote Beeren. Alle Pflanzenteile, bis auf die reifen Beeren, sind mehr oder weniger giftig. Der Hauptwirkstoff ist dabei das Alkaloid Berberin, das in der Volksmedizin als Heilmittel verwendet wird.


Verbreitung/Vorkommem

Die Gattung Berberis besitzt ein disjunktes Areal. Die meisten Arten sind im gemäßigten Ostasien und im Himalaya verbreitet. Auch in den südamerikanischen Anden gibt es zahlreiche Arten. In Europa sind nur zwei bis vier Arten heimisch.

Inhaltsstoffe

Die Berberitze ist eine Heil- und Giftpflanze. Die Hauptwirkstoffe sind Berberin (ein Isochinolin-Alkaloid) und Berbamin (ein Bisbenzylisochinolin), die in allen Pflanzenteilen, bis auf ihre Früchte und Samen enthalten sind. Sie können bei Verzehr, beispielsweise durch Essen der Rinde, eine leichte Vergiftung hervorrufen. Eine Einnahme von mehr als 0,5 g Berberin, was etwa 4 g Berberitzenwurzelrinde entspricht, kann zu Nasenbluten, Benommenheit und Atembeschwerden führen. Eine Reizung der Haut, Augen und Nieren sowie Magen- und Darmbeschwerden sind möglich. Hohe Dosen können nach starker Atemnot und unter Krämpfen prinzipiell zum tödlichen Atemstillstand führen.

Verwendung in der Küche

Die Beeren sind sehr vitaminreich und schmecken säuerlich. Traditionell werden sie in Europa zur Konfitürenbereitung genutzt. Getrocknet werden sie wie Rosinen z.B. in Müsli gegessen. Die Beeren der Berberitze werden in orientalischen Ländern, vor allem im Iran zum Kochen verwendet. Dort werden sie vor allem zur Würzung (süß-sauer) von Reis (z. B. Sereschk Polo), aber auch von Fisch und Braten verwendet.

Im Handel gibt es getrocknete Berberitzen-Früchte (Beeren) zum Verzehr, die über einen sehr hohen Vitamin-C-Gehalt verfügen.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die roten Früchte der Berberitze sind weitgehend frei von Berberin und Berbamin und daher essbar. In der Volksheilkunde wird die Berberitzenwurzel unter anderem bei Leberfunktionsstörungen, Gallenleiden, Gelbsucht und Verdauungsstörungen angewendet.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Kommission C* (S. Quellen): Berberitzenrinde: ... Anregung und Strukturierung von Stoffwechselprozessen bei Neigung zu Ablagerung und Verhärtung, z.B. Steinbildungen, rezidivierende Entzündungen der ableitenden Harnwege und der Nebenhöhlen.
Kommission C* (S. Quellen):... Zur Harmonisierung des Zusammenwirkens von Empfindungs- und Lebensorganisation im aufbauenden Stoffwechsel, z.B. bei Entzündungen der oberen Luftwege und der ableitenden Harnorgane; bei Adenoiden, Lymphatismus und Polypen. Bei akuter Rhinitis (Schnupfen) mit eingeschränkter Luftpassage durch geschwollene Schleimhaut, bei Subakuter und chronischer Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), Pansinusitis (Schnupfen mit gleichzeitiger Entzündung sämtlicher Nasennebenhöhlen), Lochialstauungen.
In der Frauenheilkunde auch bei Mastopathie (schmerzhafte Veränderungen der Bustwarzen). Bei beginnender Endomyometritis (Entzündung von Schleimhaut und Muskulatur der Gebärmutter).
Der Sauerdorn hat eine tonisierend-zusammenziehende Wir-
kung. Aufgrund dieser Eigenschaft wird Bereberis auch bei Missed Abortion eingesetzt um die Ausstoßung der Frucht in Gang zu bringen. Auch zur Förderung der Kontraktion und der Blutstillung bei der Nachbehandlung nach Abrasio und im Zusammenhang mit durch zu starker Periodenblutung verursachten hysterischen oder depressiven Verstimmungen.
Auch bei Myombildung (gutartiges Geschwulst des Muskelgewebes).
Arzneimittel: Berberis, Fructus 10 % Salbe (WELEDA AT)
Berberis e fructibus WALA.

Verwendung als Baustoff

Das harte Holz wird für Einlege- und Drechsel-Arbeiten verwendet.

Sonstige Verwendung

Die Rinde und Wurzeln wurden früher zum Gelb-Färben von Textilien, Leder und Holz verwendet.

Deutschlands Flora in Abbildungen (1796)Carl Axel Magnus Lindman: Bilder ur Nordens Flora (1901-1905)

Literatur

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