Hänge-Birke - Betula pendula

Familie: Betuláceae - Birkengewächse

Betula pendula
Bildquelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany
Kategorie: Heilpflanze Garten Laubbaum winterhart

Betula: lat. Pflanzenname; "Birke"
pendulinus: lang herabhängend

Die Hängebirke war im Jahr 2000 Baum des Jahres.
Der Baum hat eine aggressive Technik entwickelt, um sich in der Konkurrenz um das Sonnenlicht gegen andere Baumarten durchzusetzen: Die durch den Korkwarzenbesatz wie Schleifpapier wirkenden schlaff hängenden Zweiglein schleifen bei Windeinwirkung stetig und effektiv regelrechte Schneisen in die Baumkronen dicht benachbart stehender Bäume anderer Arten.


Die Hängebirke erreicht Maximalhöhen von 30 Metern und maximale Stamm-Durchmesser von 0,9 Meter. Das Höchstalter beträgt 150 Jahre. Die Äste stehen spitzwinklig ab, die Zweigenden hängen über. Die Hängebirke hat eine weiße Glattrinde. Diese ist von einem Oberflächenperiderm gebildet, das allerdings nicht lebenslang aktiv ist. Es platzt borkig auf und wird dann von Teifenperiderm abgelöst. Die ältesten Schichten der weißen Glattrinde können sich mehr oder minder großflächig abringeln oder in schmalen Streifen ablösen. Die weiße Farbe der Rinde kommt durch eine Einlagerung von Betulin zustande. Dieses Reflektiert das Licht vollständig, wodurch die Rinde weiß erscheint.

Die Sandbirke bildet ein nicht sehr tiefgehendes, aber intensives Herzwurzelsystem. Die wechselständigen, gestielten Laubblätter sind 4 bis 7 Zentimeter lang. Sie sind rautenförmig, mit lang ausgezogener Spitze, ihr Rand ist doppelt gesägt.

Die Hängebirke ist einhäusig, weibliche und männliche Blüten sind getrennt in hängenden Kätzchen auf einer Pflanze. Die Samen reifen im August bis September. Die Samen sind etwa 3 Millimeter lange Nüsschen, die dünnhäutig geflügelt sind. Die leichten Samen werden durch den Wind verbreitet und keimen bei ausreichend Feuchtigkeit sofort.


Verbreitung/Vorkommem

Die Hängebirke ist eine ausgesprochene Lichtbaumart mit mehrschichtiger Krone und schraubiger Blattanordnung. In Mitteleuropa ist sie die wichtigtste Pionierbaumart, die als erste Brach-, Trümmer- und Kahlflächen besiedelt.

Hauptvorkommen ist in den borealen Nadelmischwäldern Sibiriens und Skandinaviens und auf nährstoffarmen, trockenen Sandböden mit Kiefer und Eiche. Die Hängebirke kommt in ganz Europa, mit Ausnahme von Nordskandinavien, in Nordamerika und Asien vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht im Osten bis zum Jenissei, Altaigebirge, Kaukasus und Nordpersien. In den Südalpen steigt sie bis auf 1.900 m ü. NN. Sie ist Mischbaumart in lichten Wäldern, kommt in allen Waldgesellschaften vor, besonders in Eichen-Birkenwäldern und Kiefern-Birkenwäldern, zusammen mit Fichten und kommt auch in Mooren und Heiden vor.

Inhaltsstoffe

Zwischen Mai und Juni befindet sich die Birke in ihrer stärksten vitalen Aufbauphase. Zu diesem Zeitpunkt enthalten die zarten Blätter besonders viele wertvolle Inhaltsstoffe. So unterstützen zum Beispiel Flavonoide den menschlichen Organismus beim Zellschutz und der natürlichen Entschlackung. Ihr hoher Gehalt an Vitamin C fördert zugleich die effektive Fettverbrennung des Körpers.
Die Rinde der Birke enthält als therapeutisch wirksame Bestandteile vor allem Terpene, die besonders wichtige Entzündungshemmer sind und tumorhemmend wie antiviral wirken, wie Betulin, Betulinsäure und Lupeol.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die Germanen tranken Birkensaft als Schönheits- und Stärkungstrunk. Nordische und slawische Volksstämme brauten Birkenmet und tranken gegorenen Birkenwein. Fieber und Magenleiden behandelten sie mit Birkensaft, Hauterkrankungen und Wunden mit Birkenlaubwasser. Die diätetische Wirkung des Birkensaftes zur Gewichtsreduktion durch Flüssigkeitsausschwemmung war in Nordeuropa und Russland als „Frühlingskur“ verbreitet.Zubereitungen aus den Blättern der Birke haben einen ausschwemmenden Effekt, indem sie den Flüssigkeitsorganismus und die Stoffwechselaktivitäten anregen. Aus den Birkenblättern wird ein hochwertiger Ölauszug für das Weleda Birken-Cellulite-Öl hergestellt. Die Blätter für die Weleda Birken-Aktiv-Kur werden in einem speziellen Verfahren gekocht. Dadurch bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe bei beiden Produkten erhalten.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Kommission C* (s. Quellen):Birkenblätter... Vorbeugung und Behandlung von Stoffwechselstörungen, die zu Ablagerungen und degenerativen Veränderungen führen, wie Gicht, Rheumatismus, Sklerose, Anregung der ausscheidenden Nierenfunktion; Ekzem.
Kommission C* (s. Quellen): Birkenrinde... Stoffwechselstörungen mit Ablagerungen, degenerative Veränderungen und reaktive Entzündungen vorzugsweise an Gelenken, Haut und Gefäßen, z.B. Gicht, Arthritis, Ekzeme (Psoriasis vulgaris bei Neurasthenie, Trockene Ekzeme) in diesem Zusammenhang auch bei Pruritus senilis (Altersjuckreiz der auf zu trockener Haut beruht).
Ferner Arteriosklerose.
Durch einen speziellen Verkohlungsprozess-Prozess wird das Birkenholz mineralischer gemacht und gleichzeitig in seiner Oberfläche stark vergrößert.
Birkenkohle wird bei akuten Verdauungsstörungen mit Blähungen und
Darmkrämpfen sowie bei Durchfällen eingesetzt.

Arzneimittel: Betula, Cortex ethanol. Decoct. (WELEDA)
Betula, Cortex D2 Amp. (WELEDA).
Carbo Betulae comp.(WELEDA)

Kommission C*( s. Quellen):Birkenkohle... Aktivierung der Atmungsorganisation, akute
Kreislaufschwäche, Verdauungsbeschwerden mit Meteorismus und/oder Durchfall; Nierenerkrankungen.

Sonstiges

Humuszehrer, Waldbodenbereiter, bis 120 Jahre alt

Literatur

- *Kommission C: Anthroposophische Aufbereitungsmonographien der Kommission C der Gesellschaft anthroposophischer Ärzte in Deutschland. - 1999 - Im Auftrag der medizinischen. Sektion am Goetheanum Dornach/Schweiz
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- Finkenzeller X. & Grau J.; Steinbachs Naturführer ,Alpenblumen - 1985 - 1. Auflage, München
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