Rundblättriger Sonnentau - Drosera rotundifolia

Familie: Droseráceae - Sonnentaugewächse

Drosera rotundifolia
Bildquelle: Wikipedia User AxelStrauss
Kategorie: Heilpflanze Färbepflanze fleischfressende Pflanze

Drosera: gr. droseros = betaut (wg. der Exkretionstropfen an den Ten­ta­keln der Blätter); "Sonnentau"
rotundifolius: rundblättrig

andere Namen: Himmelstau, Herrgottslöffel, Himmelslöffelkraut, Spölkrut, Widdertod

1860 stieß Charles Darwin auf einer Heide in Sussex auf Vorkommen des Rundblättrigen Sonnentau und war über die große Anzahl der gefangenen Insekten erstaunt. Darwin begann daraufhin, die Pflanze in Hinsicht auf eine mögliche Karnivorie näher zu untersuchen und führte über Jahre ausgiebige Versuchsreihen an ihr durch. Zwar war die Idee der Karnivorie von Pflanzen nicht neu, wurde aber von den Botanikern der Zeit einhellig abgelehnt.

Mit dem 1875 in englisch und bereits im folgenden Jahr in deutsch vorliegenden Werk "Insectivorous Plants" ("Insectenfressende Pflanzen") bewies er die Existenz der Karnivorie für den Rundblättrigen Sonnentau und zugleich für zahlreiche weitere Gattungen und Arten. So durchbrach er das von Carl von Linné aufgestellte Dogma, dass die Karnivorie "wider die gottgewollte Ordnung der Natur" sei.


Der karnivore Rundblättrige Sonnentau ist wie alle in Deutschland vorkommenden Sonnentauarten durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt. Der Rundblättrige Sonnentau ist eine mehrjährige krautige Pflanze. Die Pflanze erscheint aus einer Winterknospe, dem so genannten Hibernakel und bildet eine bodenständige Rosette mit einer Wuchshöhe von 5 bis 20 Zentimetern. Nach der Blüte setzt bereits im frühen Herbst die Winterruhe der Pflanze ein, indem sie erneut eine Winterknospe bildet und ihre Blätter komplett einzieht. Das weniger auf Nährstoffversorgung als auf Verankerung ausgerichtete Wurzelsystem der Pflanze ist schwach ausgeprägt und reicht nur wenige Zentimeter tief.
Die Pflanzen tragen an 1 bis 7 cm langen Blattstielen stehende rundliche, horizontal ausgestreckte Fangblätter mit einem Durchmesser von 0,5 bis 1,8 Zentimeter. Die Blätter sind jeweils mit rund 200 haarfeinen rötlichen Drüsenhaaren besetzt, die an ihrem Ende ein klebriges Sekret ausscheiden, das zum Fang der Insekten dient. Mit diesen Blättern fängt der Rundblättrige Sonnentau zumeist kleine Insekten wie z. B. Mücken oder Fliegen, gelegentlich aber auch größere Insekten wie Schmetterlinge oder Libellen, letztere mittels mehrerer Blätter zugleich. Der Rundblättrige Sonnentau blüht von Juni bis August an ein bis zwei, bis zu 30 cm hohen, einseitigen Traube mit bis zu 25 weißen, knapp 1 cm großen, an 2 Millimeter langen Blütenstielen sitzenden Blüten, die sich nur bei ausreichendem Sonnenschein öffnen. Häufig werden vom Rundblättrigen Sonnentau durch Fremdbestäubung (Selbstbefruchtung ist aber möglich) in ungefurchten Kapseln große Mengen an etwa 1,5 mm langen, spindelförmigen, braun-schwarzen Samen produziert. Da die Samen sehr klein und leicht sind, werden sie zumeist durch den Wind an neue Standorte verbracht.


Verbreitung/Vorkommem

Der Rundblättrige Sonnentau kommt fast überall auf der nördlichen Halbkugel vor, von Europa über Asien bis Nordamerika, selbst in Alaska und Grönland ist die Pflanze beheimatet. Die Pflanze bedarf vollsonniger Standorte auf nassen, nährstoffarmen und kalkfreien Böden mit einem pH-Wert zwischen neutralen 7 und sauren 3, dementsprechend wächst sie in der Regel in Mooren oder Feuchtgebieten, wo sie sich in Torfmoosteppichen der Moorschlenken oder als Pionierpflanzen auf regelmäßig freigelegten Torf- und Tonböden finden. Bedingt durch die Trockenlegung von Moorgebieten sowie den Torfabbau schwindet der Lebensraum des Rundblättrigen Sonnentaus immer mehr.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Noch vor der Erkenntnis, dass der Rundblättrige Sonnentau karnivor ist, wurde die Pflanze im 12. Jahrhundert von Matthaeus Platearius, einem italienischen Arzt aus der Schule von Salerno, unter dem Namen „herba sole“ als Heilkraut gegen Reizhusten beschrieben. Später fand er auch Verwendung gegen jede Art von Lungenleiden, Schwindsucht, Epilepsie oder Geisteskrankheit.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Die Sekrete der Drosera-Arten sind schleimlösend. Noch heute wird in der Homöopathie und Anthroposophie Sonnentau gegen Husten verwendet, allerdings ist die Verwendung des Rundblättrigen Sonnentaus wegen seines Status als geschützte Art zugunsten importiertem Drosera madagascariensis und Sonnentauarten aus Zuchten zurückgegangen.

Sonstiges

Der Rundblättrige Sonnentau ist eine der wenigen fleischfressenden Pflanzen in Deutschland. Die Art ist wie alle in Deutschland vorkommenden Sonnentauarten durch das Bundesartenschutzgesetz geschützt.

Der Rundblättrige Sonnentau war als “lus-na-feàrnaich” in den schottischen Highlands ein traditioneller Farbstoff für die Farbe Purpur.

Der Rundblättrige Sonnentau wurde zur Blume des Jahres 1992 gewählt.

Carl Axel Magnus Lindman: Bilder ur Nordens Flora (1901-1905)Wikipedia User Rkitko

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