Riesen-Bärenklau - Heracleum mantegazzianum

Familie: Apiáceae - Doldenblütler

Heracleum mantegazzianum
Bildquelle: Wikipedia User Jean-Pol GRANDMONT
Kategorie: Garten Giftpflanze Neophyt Bauerngarten Allergie auslösende Pflanze Staude

Heracleum: n. Heracles (Herkules), der ihre Heilkraft erkannt ha­ben soll; "Bärenklau"

andere Namen: Herkulesstaude, Herkuleskraut, Kaukasischer Bärenklau,

Die Ausbreitung des Riesen-Bärenklau in Mitteleuropa geht auf den russischen Zaren Alexander I. zurück. Er schenkte dem Fürsten Metternich nach dem Wiener Kongress (1815) eine riesige Malachitvase voll Samen des Riesen-Bärenklaus.
Die Herkulesstaude wurde 2008 zur Giftpflanze des Jahres gewählt.


Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist eine zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler. Die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Pflanze ist in Europa und Nordamerika ein etablierter Neophyt.

Der Riesen-Bärenklau ist eine oft bis zu 3,4 Meter hohe krautige, zwei- bis mehrjährig-einmalblühende Pflanze mit sehr großen, dekorativen Blütendolden. Die Pflanze ist in der Lage, innerhalb weniger Wochen eine derartige Höhe auszubilden. Die größte bisher gemessene Pflanze, die ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen wurde, erreichte eine Höhe von 3,65 Meter. Die mäßig dicht behaarten und meist purpurn gefleckten Stängel der Pflanze sind an der Basis im Durchmesser 2 bis 10 Zentimeter dick. Sie besitzen oft zahlreiche große dunkle oder weinrote Flecken.

Die Blätter des Riesen-Bärenklaus erreichen normalerweise eine Länge von 1 Meter, können jedoch auch bis zu 3 Meter lang werden. Sie können dreiteilig oder fünf- bis neunteilig geteilt sein und sind somit gelappt fiedspaltig. Die seitlichen Blattabschnitte können über 1 Meter lang und mehr als 20 Zentimeter breit werden. Sie sind meist wiederum tief eingeschnitten.


Verbreitung/Vorkommem

Sie ist in Gärten, Parks, an Straßenrändern, in Bach- und Flusstälern sowie auf Brachen anzutreffen und kann dort die heimische Vegetation verdrängen. Sie besitzt dekorative Fruchtstände, die oft als Zierde verwendet werden. Die reifen Dolden werden zu diesem Zweck transportiert, wodurch der Mensch zur Ausbreitung beiträgt. Der Riesen-Bärenklau ist inzwischen in ganz Mitteleuropa und Teilen Nordamerikas verbreitet und zählt dort zu den Neophyten. Aufgrund seiner guten Aussamung wurde er schnell zu einer Plage und bildet in kürzester Zeit große Bestände, die sich nur sehr schwer entfernen lassen.

Heimat

Kaukasus

Giftigkeit

Beim Umgang mit der Pflanze ist größte Vorsicht geboten. Der Riesen-Bärenklau bildet photosensibilisierende Substanzen namens Furanocumarine, die in Kombination mit Sonnenlicht phototoxisch wirken. Bloße Berührungen und Tageslicht können bei Menschen zu schmerzhaften Quaddeln oder sogar schwer heilenden Verbrennungserscheinungen (Photodermatitis) führen. Es wird deshalb empfohlen, bei der Bekämpfung der Pflanze vollständige Schutzkleidung zu tragen, zu der auch ein Gesichtsschutz gehört.

Inhaltsstoffe

Der Riesen-Bärenklau enthält photosensibilisierende Substanzen sowie ätherische und fette Öle; letztere sind jedoch nur in den Früchten vorhanden. Zu den toxischen Komponenten zählen u. a. Xanthotoxin, Psoralen, Bergapten. Sie sind in allen Pflanzenbestandteilen enthalten. Giftfrei sind die Stängel erst dann, wenn sie vollständig abgestorben sind und nur noch das weiße Zellskelett steht.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

In der anthroposophischen Medizin wird Allergische Rhino-Konjunktivitis (Schnupfen verbunden mit Bindehautentzündung), Rhinitis vasomotorica (Schnupfen, bei dem die Regulation der Blutgefäße der Nasenschleimhaut gestört ist.) und bei Chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD eingesetzt.

Sonstiges

Der Riesen-Bärenklau wird als invasiver (= problematischer) Neophyt eingestuft und seine Ausbreitung häufig sehr emotional wahrgenommen oder reißerisch in der Presse kommentiert. Diese Reaktion ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die Pflanze erhebliche gesundheitliche Risiken in sich birgt und bereits bloße Berührungen ernsthafte gesundheitliche Schädigungen nach sich ziehen können.

Neben gesundheitlichen Gefährdungen, die durch den Riesen-Bärenklau verursacht werden, gibt es noch folgende:

* In Schweden kam es aufgrund hoher Riesen-Bärenklaustauden an Straßenrändern zu Sichtbeschränkungen im Straßenverkehr.
* Da die Wurzeln des Riesen-Bärenklaus keine böschungsbefestigende Wirkung haben, diese Pflanze jedoch häufig am Rand von Fließgewässern gedeiht, kann von ihnen eine erhöhte Erosionsgefahr ausgehen.
* Erosionsgefährdung trat auch an den Hängen von Hohlwegen auf.
* Zu Ertragsverlusten kann es kommen, wenn Riesen-Bärenklaustauden sich auf Äckern und Wiesen etablieren.
* Standorte, die von Riesen-Bärenklau dominiert werden, weisen im Vergleich zur benachbarten Vegetation ein geringeres Artenspektrum auf. Er breitet sich vorwiegend an solchen Standorten aus, die durch menschliche Eingriffe stark verändert sind – in der Botanik werden solche als „anthropogen gestörte Standorte“ bezeichnet. Arten, die sich wegen ihrer Gefährdung auf der Roten Liste befinden, sind auf solchen Standorten selten zu finden. Vereinzelt dringt der Riesen-Bärenklau in gefährdete Biotope ein und konkurriert mit seltenen Arten oder behindert Pflegemaßnahmen des Naturschutzes.

Der ökologische Schaden, der vom Riesen-Bärenklau ausgeht, ist verglichen mit anderen invasiven Neophyten wie beispielsweise der Späten Traubenkirsche oder der Gewöhnlichen Robinie eher gering. Die breite öffentliche Wahrnehmung des Riesen-Bärenklaus als problematischer Neophyt resultiert daher vor allem aus den Risiken für die menschliche Gesundheit.

Leo Michels, Untereisesheim

Literatur

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