Stechpalme - Ilex aquifolium

Familie: Aquifoliáceae - Stechpalmengewächse

Ilex aquifolium
Bildquelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany
Kategorie: Heilpflanze Garten Giftpflanze Laubbaum winterhart immergrün Dornen-Stacheln Strauch

Ilex: keltischen Ursprungs ic, ac = Spitze oder vom lat. Na­men f. die Steineiche (Quercus ilex) (wg. der Blatt­form); "Stechpalme"
aquifolius: stecheichenblättrig, wie bei "Quercus ilex"

andere Namen: Gemeine Stechpalme, Holly, Ilex, Hülse, Hulst, Hulstbaum

Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) ist die einzige in Mitteleuropa heimische Vertreterin aus der Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae).

Die Stechpalme ist ein immergrüner, aufrechter ein- oder auch mehrstämmiger, bis zu einem Meter hoher Strauch oder ein 10 bis 15 Meter hoher, dicht verzweigter Baum mit kegelförmiger Krone. Junge Zweige sind grün und dicht behaart, verkahlen jedoch, wenn sie älter werden. Auch die Rinde des Stamms bleibt lange grün und bildet erst spät eine dünne schwarzgraue Borke. Die Stämme der Baumform können bis zu 50 cm Durchmesser erreichen. Die Sträucher werden bis zu 300 Jahre alt.

Die Blätter sind wechselständig angeordnet und haben einen 10 bis 15 Millimeter langen Stiel. Sie sind recht dick und ledrig, auf der Oberseite glänzend dunkelgrün und unterseits gelbgrün. Die Blattform ist elliptisch, beidseitig zugespitzt; der gezackte Blattrand ist auf beiden Seiten mit bis zu sieben Stachelzähnen besetzt, die alternierend aufwärts und abwärts geneigt sind. Im Bereich der Blütenstände kommen auch ungezähnte Blätter vor. Die Lebensdauer der Blätter beträgt etwa drei Jahre. Die Blattform variiert mit der Höhe des Astes, an dem sie wachsen. Niedrige Blätter sind stark stachlig, hohe Blätter dagegen nicht.
Stechpalmen sind zweihäusig, die unscheinbaren Blüten sind weiß, manchmal rötlich und etwa 8 Millimeter groß. Sie stehen in Dolden in den Achseln vorjähriger Blätter, als Bestäuber dienen Insekten, vor allem Bienen.

Die Früchte sind 8 bis 10 Millimeter große, erbsenförmige, rote, glänzende, saftige Steinfrüchte. Sie enthalten vier Steinkerne (Samen). Die Fruchtreife tritt ab Oktober ein.

Sie gilt in Winterhärtezone 7b als frosthart.


Verbreitung/Vorkommem

Die Art ist submediterran-subozeanisch verbreitet, sie findet sich also in Gebieten mit milden Wintern und nicht zu trockenen Sommern wie dem atlantisch beeinflussten Europa. Im Mittelmeerraum, Südosteuropa und Nordafrika kommt die Stechpalme nur in Hochlagen mit entsprechendem Klima vor, in Mitteleuropa im Flachland und im Alpenvorland bis 1800 Meter aufsteigend. Bevorzugt wächst die Stechpalme auf nährstoffreichen und kalkarmen, lockeren oder auch steinigen Lehmböden. In Mischwäldern wächst die Strauchform, da sie viel Schatten verträgt. Die Stechpalme bildet Wurzelsprosse und wächst deshalb oft in großen Beständen.

In Deutschland kommt sie im Bereich des Mittelgebirgsgürtels vor allem westlich des Rheins, im Schwarzwald, im nördlichen Tiefland und im Alpenvorland auch weiter östlich vor, in Österreich, wo sie sonst selten ist, finden sie sich zerstreut in Vorarlberg; in Wien, Kärnten und Osttirol fehlt sie. Im östlichen Alpengebiet ist sie stark gefährdet.

Außerhalb Europas kommt die Stechpalme auch in Nordafrika, im Kaukasus und im Nordiran vor.

In Mitteleuropa und anderen Gebieten der gemäßigten Breiten werden Stechpalmen gerne als Zierpflanzen in Gärten und Parks angepflanzt. Neben der Wildform sind mehrere Kulturformen im Handel, teils mit anderer Blattgestalt und anderen Blattfarben.

Man findet die Stechpalme zerstreut, aber meist gesellig vor allem in Buchen- und Buchen-Tannen-Wäldern, auch in frischen Eichen-Hainbuchen- oder Eichen-Birkenwäldern. Sie bevorzugt kalkfreien, gleichwohl nährstoffreichen, lockeren und daher sandigen Lehmboden. Sie scheut Licht und gedeiht am besten im Halbschatten oder Schatten.

Nach Ellenberg ist sie ein Mäßigwärmezeiger mit ozeanischem Verbreitungsgebiet, ein Frischezeiger, auf mäßig stickstoffreichen Standorten wachsend und eine Klassencharakterart der Sommerlaubwälder (Querco-Fagetea).

In Deutschland steht die Stechpalme nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz.

Giftigkeit

Die (roten) Beeren und Blätter sind stark giftig. 20 bis 30 rote Beeren gelten für Erwachsene als tödliche Dosis, bei Kindern entsprechend weniger.Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmussstörungen, Lähmungen, Nierenschäden, Durchfall, Magenentzündung, Schläfrigkeit.

Inhaltsstoffe

Die Stechpalmen enthalten das Nitril Menisdaurin, Rutin, Ursolsäure und Ilicin. In den Früchten sind Triterpene, in den Blättern Saponine enthalten.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die giftigen Früchte wurden früher gegen Verstopfung und Epilepsie verwendet. Die gerösteten Samen dienten als Kaffee-Ersatz. In ihnen sind nach neuen Untersuchungen Antioxidantien enthalten, Derivate der Phenylessigsäure. Stechpalmenzweige im Kälberstall beugen erfolgreich der Rinderflechte, einer Hauterkrankung beim Rindvieh, vor.

Wikipedia User LycaonWikipedia User LlezDeutschlands Flora in Abbildungen (1796)

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