Echte Kamille - Matricaria recutita

Familie: Asteráceae - Korbblütler

Matricaria recutita
Bildquelle: Wikipedia User Rob Hille
Kategorie: Heilpflanze Teepflanze Bauerngarten Archäophyt Mischkultur

Matricaria: lat. matrix = Gebärmutter (Heilpflanze bei Frau­en­lei­den); "Kamille" (von gr. chamai = auf der Erde, melon = Apfel, wg. des Ap­fel­ge­ruchs der Blüten)

andere Namen: Chamomilla recutita, Matricaria chamomilla

Im Jahre 1987 war die Echte Kamille Arzneipflanze des Jahres.

Die Echte Kamille ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 50 cm. Die ganze Pflanze besitzt einen starken, charakteristischen Kamillengeruch. Die Stängel stehen aufrecht oder aufsteigend und kahl, im oberen Bereich sind sie stark verzweigt.

Die Blätter sind 4 bis 7 cm lang und zwei- bis dreifach fiederteilig. Die einzelnen Zipfel sind schmal linealisch, knapp 0,5 mm breit, und tragen eine Stachelspitze.

Eine Einzelpflanze bildet 8 bis 120 (selten 1 bis 900) Blütenköpfchen. Diese sind 18 bis 25 mm breit und stehen an einem 3 bis 10 cm langen Blütenstandsstiel. Die 20 bis 30 Hüllblätter stehen annähernd einreihig. Sie sind länglich, stumpf und haben einen hellen Hautrand. Der Köpfchenboden ist zu Beginn der Blüte flach, wird später kegelförmig und hohl. Zungenblüten sind meist vorhanden. Sie sind weiß, zum Ende der Blüte zurückgeschlagen, 6 bis 9 mm lang und 2 bis 3 mm breit. Die Röhrenblüten sind goldgelb und fünfzähnig. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten: meist Dipteren, seltener durch Käfer und Hymenopteren. Blütezeit ist von Mai bis September.

Die Achänen sind 0,8 bis 1,5 mm lang, von hell graubrauner Farbe. Auf der Innenseite haben sie 4 bis 5 mit Schleimdrüsen besetzte Rippen, auf der Außenseite sind sie spärlich drüsig punktiert. Der Pappus ist klein bis fehlend; selten ist er bei Früchten der Zungenblüten deutlich vorhanden und gleich lang wie oder länger als die Frucht. Die Ausbreitung erfolgt auf verschiedenen Wegen: Verschiedene Tiere wie etwa Schafe, Esel und Pferde fressen die Fruchtstände und verbreiten die Achänen derart (Endozoochorie); die Früchte verschleimen und bleiben an Tieren kleben (Epizoochorie); und die Echte Kamille wird durch den Menschen weiterverbreitet (Hemerochorie).

Die Echte Kamille ist ein Lichtkeimer und eine Langtagpflanze. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.


Verbreitung/Vorkommem

Die ursprüngliche Heimat der Echten Kamille ist Süd- und Osteuropa, sowie Vorderasien. Heute ist sie in ganz Europa, Nordamerika und auch in Australien eingebürgert.

Inhaltsstoffe

Der für die Nutzung wesentlichste Bestandteil der Echten Kamille ist das ätherische Öl, das 0,3 bis 1,5 % der Pflanzenmasse ausmacht. Die quantitativ vorherrschenden Bestandteile sind (?)-?-Bisabolol (5–70 %), die Bisabololoxide A, B und C (5–60, 5–60 bzw. 0–8 %), ?-trans-Farnesen (7–45 %), cis-(Z)- und trans-(E)-En-In-Dicycloether (2–30%), sowie die Guaian-Derivate Spathulenol (rund 1 %) und Chamaviolin. Chamazulen, das zu 1 bis 35 % vorkommt, ist ein Artefakt, das durch Esterspaltung, Wasserabspaltung und Decarboxylierung aus dem nichtflüchtigen Matricin entsteht.

An Sesquiterpenlactonen (Guaianolide) kommen neben Matricin (0,03–0,2 %) noch Matricarin und Desacetylmatricarin vor. Der Gehalt an Flavonoiden beträgt bis zu 6 %, es wurden über 30 Verbindungen isoliert, darunter Apigenin, Apigenin-7-O-Glucosid, verschiedene Derivate davon, weiters Quercetin, Chrysoeriol, Lutein, Patuletin, Rutin, Hyperosid und Cosmosiin. Weitere Verbindungen sind Cumarine (Umbelliferon, Herniarin, Aesculetin, Cumarin, Scopoletin, Isoscopoletin), rund 2,5 % 2-Glucosyl-4-methoxyzimtsäure, Anissäure, Kaffeesäure, Vanillinsäure und Syringasäure. Der Schleimgehalt beträgt 3 bis 10 %.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Der pharmazeutische Name der Kamillenblüte ist Flos chamomillae oder Chamomillae flores (mit lat. Flos, „Blume“). Der getrocknete Blütenkorb der Echten Kamille, die sogenannte „Kamillenblüte“ (Flores Chamomillae) wird als Heilpflanze eingesetzt. Bei Beimischung der nah verwandten, ebenfalls pharmazeutischen Droge Strahlenlose Kamille (Matricaria matricarioides) wird die Teemischung Matricariae flos oder Flos Chamomillae vulgaris genannt. Man verwendet Kamille äußerlich bei Haut- und Schleimhautentzündungen. Der Kamillentee oder der alkoholische Auszug (Extrakt) in 3 %-iger Lösung wird für Spülungen bei Entzündungen des Zahnfleisches oder der Mundhöhle als Gurgelwasser verwendet. Außerdem wirkt Kamillentee lindernd bei entzündlichen oder krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Bei Erkrankungen der oberen Atemwege kann auch der Dampf des frisch aufgebrühten Tees inhaliert werden. In der alten Volksmedizin ist sie das klassische Therapeutikum gegen Frauenleiden, dem sie den Namen Frauenblume oder Mägdeblume verdankt, und gilt auch als sanftes Beruhigungsmittel ähnlich der Melisse.Allergien gegen Kamille und andere Korbblütler sind nicht selten, beruhen meistens aber auf Verfälschung der Droge mit Hundskamillen, insbesondere Anthemis cotula (Stinkende Hundskamille).Als mittlere Tagesdosis gilt 9 g Droge bzw. 36 mg ätherisches Öl (Berechnungsgrundlage). Insgesamt gilt die Kamille – reine Droge vorausgesetzt – als Heilmittel, das auch vom Laien in Maßen bedenkenlos eingesetzt werden kann. Vom Selberpflücken wird aber aufgrund der Verwechslungsgefahr mit einigen minderwertigen Kamillenverwandten und Anderen abgeraten. Die Droge sollte als geprüfte Ware vom Fachmann (Apotheken) bezogen werden und entstammt heute ausschließlich dem kontrollierten Anbau. Zubereitung von Tee: Einen gehäuften Esslöffel (etwa 2–3 g) Kamilleblüten mit kochendem Wasser aufgießen und 10 Minuten bedeckt ziehen lassen. Anschließend durch ein Teesieb gießen. Genossen werden 1 bis 2 Teelöffel in einer Tasse Wasser.Verbreitet ist die Behandlung von Bindehautentzündungen bei Katzen (Feline Konjuktivitis) mit einem Sud aus Kamillentee. Das ist allerdings umstritten, da Kamillentee die Bindehaut reizen kann und eventuell die Entzündung verschlimmert.Chamomilla ist auch ein Mittel in der Homöopathie (Chamomilla D2 bis D4 als niederpotente Dilution).Ätherisches Öl: Kamille blauDas ätherische Kamillenöl der echten Kamille enthält 50 % Sesquiterpene (darunter bis zu 10 % Chamazulen), Monoterpene, Sesquiterpenole und Ketone. Es wird auch als Kamille blau bezeichnet, da das ätherische Öl durch die Wasserdampfdestillation den Inhaltsstoff Azulen bildet, der die blaue Farbe des ätherischen Öles bewirkt.Neben dem Kamille blau der echten Kamille sind im Handel noch unterschiedliche Kamillenöle erhältlich, so die eigenartig-würzig duftende römische Kamille (Chamaemelum nobile) und die gemischten Wildkräuter als Kamille wild (Ormensis mixta). Sie haben sehr unterschiedliche Inhaltsstoffe und Wirkweisen.In der Aromatherapie wird die Kamille blau verwendet für ein besseres Hautbild (v.a. gegen Falten, Alterserscheinungen aber auch Pickel) und für die seelische Seite die römische Kamille. Ätherische Kamillenöl ist extrem intensiv und sollte nicht unverdünnt verwendet werden. Die Kamille wild ist kein sanftes ätherisches Öl, sondern sehr belebend und findet in der Aromatherapie keinerlei Anwendung.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis gehören zu den Anwendungsgebieten Magen-Darm- und Gallenbeschwerden bei funktionellen Störungen der Motilität und Sekretion (Störungen der Beweglichkeit und Ausscheidung). Hierbei wird die Wurzel verwendet.
Kommission C* (s. Quellen):... Anregung des harmonischen Zusammenwirkens von Empfindungs- und Lebens-Organisation bei funktionellen und entzündlichen Erkrankungen der Verdauungsorgane, z.B. Störungen der Motilität und Sekretion von Magen und Darm, Neigung zu Blähungen und Spasmen; Dysmenorrhoe; Zahnbildungsbeschwerden; Schlafstörungen bei Kleinkindern, Fieberzustände.
Kommission C* (s. Quellen):Chamomillae Radix (Wurzel)... Magen-Darm-und Gallenbeschwerden bei funktionellen Störungen der Motilität und Sekretion, Magen- und Duodenalulcera, Neigung zu Blähungen und Spasmen, Dysmenorrhoe, stoffwechselbezogene migräneartige Kopfschmerzen, Zahnungsbeschwerden, Blutdrucklabilität; Gesichtsneuralgien, Schlafstörungen bei Kleinkindern.

Sonstiges

Zur Bestimmung: Die Blütenköpfchen sind hohl. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten.

Franz Eugen Köhler, in Köhler's Medizinal-PflanzenWikipedia User Javier martinWikipedia User Rob HilleWikipedia User Rob Hille

Literatur

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