Zitronen-Melisse - Melissa officinalis

Familie: Lamiáceae - Lippenblütler

Melissa officinalis
Bildquelle: Köhler's Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 1. (1887)
Kategorie: Heilpflanze Gewürzpflanze Ölpflanze Duftpflanze Teepflanze winterhart Mischkultur

officinalis: arzneilich, gebräuchlich

andere Namen: Herztrost, Honigblum, Mutterkraut, Nervenkräutel, Riechnessel

Die aromatisch duftende Zitronenmelisse war Heilpflanze des Jahres 2006.

Die Melisse oder Zitronenmelisse (botanisch Melissa officinalis) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler.
Die Zitronenmelisse ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die 25 bis 30 Jahre alt werden kann, Wuchshöhen von 20 bis 90, selten 120 cm erreicht und mehr oder weniger stark nach Zitronen duftet. Sie bildet ein Rhizom, von dem kurze, unterirdische Ausläufer abgehen.
Die Stängel stehen aufrecht bis aufsteigend, sind verzweigt und mit 0,5 mm langen Drüsenhaaren und 1 bis 2 mm langen, abstehenden drüsenlosen Haaren besetzt. Die Behaarung ist meist spärlich, die Pflanzen können auch fast kahl sein. Die Blätter haben 1,5 bis 3,5 cm lange Blattstiele, die Spreite ist 2 bis 6, selten 9 cm lang, 1,5 bis 5, selten 7 cm breit. Die Blattform ist breit eiförmig bis rhombisch oder länglich, am Ende stumpf oder kurz zugespitzt, am Grund gestutzt oder keilförmig, der Blattrand ist grob und ziemlich regelmäßig kerbig gesägt.


Verbreitung/Vorkommem

Die Zitronen-Melisse ist im Östlichen Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet. Das natürliche Areal reicht von Anatolien über den Kaukasus, Irak und Iran bis Pakistan. Heute wird sie weltweit in den gemäßigten und warmen Zonen kultiviert und verwildert regelmäßig.

Heimat

östliches Mittelmeergebiet

Inhaltsstoffe

Melissenblätter enthalten 4 bis 7 % Hydroxyzimtsäure-Derivate, vor allem Rosmarinsäure (die sogenannten Labiatengerbstoffe), aber auch Chlorogensäure, Kaffeesäure u.a. Ätherisches Öl ist zu 0,05 bis 0,3 %, in Zuchtsorten bis zu 0,8 % enthalten. Die wichtigsten Komponenten sind Citral (mit 40 bis 70 %, als Gemisch aus Geranial und Neral), Citronellal (1 bis 20 %) und ?-Caryophyllen (5 bis 15 %). Weitere Bestandteile sind Caryophyllenepoxid, Germacren D, Methylcitronellal, 6-Methyl-5-hepten-2-on, Geranylacetat, ?-Copaen und Nerol.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öls ist von der Herkunft und den Klimabedingungen, vom Erntezeitpunkt und dem Alter der Pflanze abhängig.
Melisse enthält ätherisches Öl (Hauptbestandteile Citral und Citronellal, Linalool, Geraniol und Aldehyde) aber auch Gerbstoffe (hauptsächlich Rosmarinsäure), Bitterstoffe, Harz, Schleimstoffe, Glykoside, Saponine und Thymol. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze pro 100 Gramm Frischgewicht beträgt 253,0 Milligramm.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Zitronenmelisse wird seit mehr als 2000 Jahren in der Heilkunde hochgeschätzt. Plinius (23 bis 79 n. Chr.) bezeichnet Melisse in seiner „Naturalis historia“ als Mittel gegen Hysterie. Arabische Ärzte haben sie bei Angstzuständen, nervös bedingten Kopfschmerzen und Herzproblemen eingesetzt, sie waren es auch, die die Melisse zur Iberischen Halbinsel brachten.
Karl der Große (748 - 814 n.Chr.) ordnete in seiner Verordnung „Capitulare de villis“ an, dass die Melisse in den Staatsgütern anzubauen sei.
Hildegard von Bingen (1098-1179) soll geschrieben haben, eine Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen getrunken bringe gute Träume. Auch Paracelsus (1493-1541 n.Chr.) schätzte sie und nannte Melisse „das beste Kräutlein für das Herz“, die Melisse war aufgrund der Signaturenlehre allgemein anerkannt.
1611 wurde der Melissengeist, der von Angehörigen des Karmeliter-Ordens zusammengestellt worden war, in Paris eingeführt. Der Klosterfrau-Melissengeist wurde 1775 von der Nonne Maria Clementine zusammengestellt und ist heute noch sehr beliebt. Melissengeist enthält Alkohol und eine Mischung verschiedener ätherischer Öle, darunter auch das ätherische Öl der Melisse.
Die Anwendung als Kompresse bei Augenleiden, geht auf die Entwicklung des Grafen Wieser als Leiter der „Landes- Augenheilanstalt Herzogin Charlotte“ in Bad Liebenstein um 1900 zurück.

Wissenschaftlich anerkannt ist die heilende Wirkung von Melisse bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen. Besonders empfehlenswert ist eine Anwendung zusammen mit Hopfen und Baldrian.
Bei der Behandlung von Herpes labialis ist unbedingt darauf zu achten, dass keine Verwechslung mit ätherischem Citronellaöl vorliegt, das im Handel hauptsächlich als Melissenöl verkauft wird. Denn Citronellaöl hat komplett andere Eigenschaften als Melissenöl und wirkt hier sehr hautreizend. Melissenöl wird bei Herpes labialis im Anfangsstadium verwendet und lässt die Infektion gut abklingen.
Ätherisches Melissenöl hat starke antivirale, entzündungshemmende, schlaffördernde und beruhigende Eigenschaften.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis gehört zu den Anwendungsgebieten die Harmonisierung der Empfindungsorganisation, besonders bei Krämpfen im Magen-Darm-Bereich und im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane.

Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany

Literatur

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