Buchenspargel - Monotropa hypopitys ssp. hypophegea

Familie: Ericáceae - Heidekrautgewächse

Monotropa hypopitys
Bildquelle: Wikipedia User BerndH
Kategorie: mykoheterotrophe Pflanze

Monotropa: gr. monos = ein, tropos = Richtung (einseitswendige Blü­ten­stände); "Fichtenspargel"
hypopitys: unter Fichten

andere Namen: Monotropa hypophegea

Im Gegensatz zu grünen, autotrophen Pflanzen kann der Buchenspargel die zu seiner Ernährung benötigten Kohlenstoffverbindungen nicht selbst aus anorganischen Stoffen aufbauen (assimilieren). Stattdessen bezieht er sie von Pilzen, die seine Wurzeln mit einem dichten Hyphengeflecht umspinnen (Mykorrhiza): er ist mykoheterotroph. Bei den Pilzen handelt es sich um Ritterlingsarten (Gattung Tricholoma).

Diese indirekte Form des Parasitismus konnte Björkmann bereits 1960 durch Versuche mit radioaktiv markierten Tracern nachweisen. Er prägte dafür die Bezeichnung „Epiparasitismus“. Im englischsprachigen Raum wird auch von einer „tripartite relationship“ oder „tripartite association“ gesprochen. Der Fichtenspargel ist also kein Saprophyt, wie bis in die jüngste Zeit fälschlicherweise immer wieder angegeben wird.
Schon seit langem ist die Art ein wichtiges Untersuchungsobjekt der Mykorrhizaforschung: Am Fichtenspargel allgemein wurden wesentliche Erkenntnisse über das Zusammenleben von Pflanzenwurzeln mit Pilzen gewonnen. Bidartondo (2005) bezeichnete Monotropa als „die Sphinx der Mykorrhiza-Forschung“ („the sphinx of mycorrhizal research“).


Der Buchenspargel (Monotropa hypopitys ssp. hypophegea ) gehört zur Unterfamilie Monotropoideae in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Er ist die einzige einheimische chlorophyllfreie Gefäßpflanzenart, die nicht parasitisch lebt und keine Orchidee ist.

Der Buchenspargel ist eine blattgrünlose, mehrjährige, krautige Pflanze, die ein Rhizom zur Überdauerung ausbildet. Die genaue Bezeichnung für eine solche Pflanze ist Geophyt. Diese Pflanzenart unterscheidet sich durch die blass gelblich-braune Farbe der fleischigen, wachsartigen Blütenstände von fast allen anderen heimischen Gefäßpflanzen. Verwechslungsgefahr besteht allenfalls mit dem Widerbart (Epipogium aphyllum) oder der Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis).

Die Laubblätter sind zu Schuppen reduziert. Am Ende des 10 bis 30 cm langen Stängels befinden sich in einer nickenden Traube die 2-15 (oder 1-30, je nach Art, siehe: Systematik) Blüten. Diese sind bis auf die Endblüte vierzählig, diese ist zumeist fünfzählig.


Für Europa wurden zwei Unterarten beschrieben (die von einigen Autoren auch als eigene Arten geführt werden):

* Monotropa hypopitys ssp. hypopitys („Fichtenspargel“): Griffel und Staubbeutel behaart, Blüten innen weichhaarig, Pflanzen 10 bis 15-blütig, Fruchtkapsel länger als breit; unter Fichten. Chromosomenzahl: 2n = 48.
Der Fichtenspargel bevorzugt gegenüber dem Buchenspargel eher Nadelwälder

* Monotropa hypopitys ssp. hypophegea („Buchenspargel“): Blüte innen kahl, Pflanze 3 bis 6(10)-blütig, Frucht kugelig; unter Buchen. Chromosomenzahl: 2n = 16.
Der Buchenspargel bevorzugt gegenüber dem Fichtenspargel eher Buchenwälder

Allerdings sind beide Sippen durch Übergangsformen miteinander verbunden, wachsen oft unmittelbar nebeneinander und lassen sich auch chorologisch und ökologisch-soziologisch nicht eindeutig trennen.

Für Japan und Ostasien wird die Unterart Monotropa hypopitys subsp. japonica angegeben, für Nordamerika subsp. lanuginosa.


Verbreitung/Vorkommem

Obwohl der Buchenspargel nur zerstreut vorkommt, ist er noch relativ weit verbreitet. Wie viele mykotrophe Pflanzenarten ist er jedoch möglicherweise im Rückgang begriffen. Ellenberg stufte ihn bereits 1991 als „schwindend“ ein.

Der Buchenspargel ist über die gemäßigten Zonen der gesamten Nordhalbkugel verbreitet (Arealformel: temperat(-boreal)/circumpolar). In Nordamerika geht die Art südlich bis Mexiko, in Asien bis zum Himalaya und Nord-Thailand. In Europa kommt sie vor allem im gemäßigten Bereich vor: nordwärts erreicht sie das mittlere Skandinavien, der Polarkreis wird nur ganz vereinzelt überschritten. Nach Süden erreicht sie mit Italien und Griechenland das Mittelmeergebiet, wo sie vor allem in den Gebirgen vorkommt.

Die Pflanzen besiedeln ein weites Spektrum von Habitaten, von Weidengebüschen in Küstendünen bis hin zu Gebirgsnadelwäldern. Typischer Lebensraum sind feucht-schattige Laub-, Nadel- und Mischwälder, wobei aufgrund der heterotrophen Ernährungsweise (s. u.) auch lichtärmste Biotope noch besiedelt werden können. Auch das Wärmebedürfnis des Buchenspargels ist gering, wie die extreme Vertikalverbreitung von der planaren bis in die subalpine Höhenstufe sowie die Vorkommen jenseits des Polarkreises zeigen. Fast immer sind die Fundorte der Art aber durch eine hohe Luftfeuchtigkeit gekennzeichnet, die u. U. auch durch eine hohe Gesamtniederschlagsmenge ersetzt werden kann.

Sonstiges

Die Blüten werden von Insekten bestäubt (Hummeln), denen Nektar als Belohnung angeboten wird. Daneben sind die Blüten aber wahrscheinlich auch zur Selbstbestäubung (Autogamie) fähig, wie nicht zuletzt der sehr hohe, fast immer vollständige Fruchtansatz zeigt.

Der ausdauernde, trockene Stängel ist elastisch, die zahlreichen Samen sind extrem klein und leicht. Der Fichtenspargel gehört somit zu den semachoren Pflanzenarten (Wind- und Tierstreuer).

Literatur

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