Vogelnestwurz - Neottia nidus-avis

Familie: Orchidáceae - Knabenkrautgewächse (Orchideen)

Neottia nidus-avis
Bildquelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany
Kategorie: mykoheterotrophe Pflanze

Neottia: gr. neottia = Vogelnest (Rhizomform); "Nestwurz"
nidus-avis: (Vogel)nest-

Um auf die besondere Gefährdung dieser Art aufmerksam zu machen, wurde die Vogel-Nestwurz vom Arbeitskreis Heimische Orchideen zur Orchidee des Jahres 2002 gewählt.

Die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Nestwurzen (Neottia) in der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Der Name geht auf die vogelnestartige Form des Wurzelstocks zurück.

Die ganze Pflanze wirkt recht ungewohnt, da die Blüten, Stängel und die schuppenförmigen Blätter die gleiche Farbe, ein helles Braun, besitzen. Die Wuchshöhe beträgt etwa 20 bis 40 Zentimeter.
Im Gegensatz zu grünen, autotrophen Pflanzen kann die Vogel-Nestwurz die zu seiner Ernährung benötigten Kohlenstoffverbindungen nicht selbst aus anorganischen Stoffen aufbauen (assimilieren). Stattdessen bezieht er sie von Pilzen, die seine Wurzeln mit einem dichten Hyphengeflecht umspinnen (Mykorrhiza): er ist mykoheterotroph. Bei den Pilzen handelt es sich um Ektomykorrhizapartner von Bäumen. Von diesen erhalten sie organische C-Verbindungen, im Gegenzug versorgen die Pilze ihre Baumpartner mit Wasser und mineralischen Nährstoffen. Somit sind Bäume die Quelle des über das gemeinsame Hyphennetzwerk an den Fichtenspargel weitergeleiteten Kohlenstoffs.

Diese indirekte Form des Parasitismus konnte Björkmann bereits 1960 durch Versuche mit radioaktiv markierten Tracern nachweisen. Er prägte dafür die Bezeichnung „Epiparasitismus“. Im englischsprachigen Raum wird auch von einer „tripartite relationship“ oder „tripartite association“ gesprochen.

Die spornlosen Blüten duften stark nach Honig und wachsen in reichblütigen Ähren. Die Blütezeit ist Mai bis Juli.


Verbreitung/Vorkommem

Als Standort werden schattige, nährstoff- und basenreiche Laub- und Nadelwälder bevorzugt.

Sonstiges

Die Pflanze lebt mykoheterotroph und betreibt keine Photosynthese. Sie blüht gelegentlich auch unterirdisch und ist dann selbstbestäubend.

Die Pflanzen blühen in der Regel nur wenige Male und sterben dann zum Teil ab. Zuvor schnüren sich einzelne Wurzelspitzen ab und wachsen zu einer eigenständigen Pflanze heran.

Die vertrockneten Triebe sind sehr widerstandsfähig und oft noch nach mehreren Jahren zu sehen.

Bönisch 2009Bönisch 2009

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