Jungfer im Grünen - Nigella damascena

Familie: Ranunculáceae - Hahnenfußgewächse
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Gewürzpflanze Garten Bauerngarten Garten-Tip Bienenblume Schnittblume mediterrane Pflanze verwildernde Zierpflanze

Jungfer im Grünen - Nigella damascena
Jungfer im Grünen - Nigella damascena
Bildquelle: Wildfeuer; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Nigella: Deminutiv zu lat. niger = schwarz (Samen); "Schwarz­küm­mel"
damascenus: aus Damaskus

andere Namen: Syn. Nigella sativa L. Braut in Haaren, Gretchen im Busch, Gretel in der Heck, Venushaarige, Damaszener Schwarzkümmel, Damaszener Kümmel, Garten-Schwarzkümmel,

In der Symbolsprache ist die Jungfer im Grünen eine der klassischen Blumen der verschmähten Liebe. Junge Frauen gaben nicht erwünschten Freiern ihre Ablehnung durch diese Blume zu verstehen. Die Form, in der dies geschah, war regional unterschiedlich. Im Kanton Zürich war bereits die Übersendung einer Jungfer im Grünen ein eindeutiges Signal der Abweisung eines Bewerbers. In anderen Regionen war es üblich, dem Bewerber ein Körbchen zu senden, in dem sich neben der Jungfer im Grünen auch andere Abweisung signalisierende Blumen und Kräuter wie etwa Schafgarbe, Kornblume, Augentrost und Wegwarte befanden.

Jungfer im Grünen - Nigella damascena; Bildquelle: © <a href="http://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Bönisch 2008">Bönisch 2008</a> - <b>All rights reserved</b>Jungfer im Grünen - Nigella damascena; Bildquelle: <a href="http://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User JLPC">Wikipedia User JLPC</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nigella_damascena_1_habitus_2012.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nigella_damascena_1_habitus_2012.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nigella_damascena_1_habitus_2012.jpg</a>Jungfer im Grünen - Nigella damascena; Bildquelle: <a href="http://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User RaboKarbakian">Wikipedia User RaboKarbakian</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nigella_damascena_1787.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nigella_damascena_1787.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nigella_damascena_1787.jpg</a>

Die Jungfer im Grünen (Nigella damascena) ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).
Sie bildet einen aufrechten, bis etwa 45 Zentimeter hohen und verzweigten Stängel aus. Die Laubblätter sind fiederteilig und sehr stark reduziert.

Die Blüten, die sich zahlreich an den verzweigten Stängeln bilden, sind von einem Kranz haarförmig zerschlitzter Hochblätter umgeben. Blütezeit ist Juni bis August.

Die zwittrige Blüte ist fünfzählig. Das Perigon besteht aus großen, meist blau, gelegentlich aber auch rosa oder weiß gefärbten Tepalen. Nach innen folgen fünf kleine, zweilippige Honigblätter. Es folgen die zahlreichen Staubblätter. Die fünf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen und walzenförmigen Fruchtknoten verwachsen, der dadurch fünffächrig ist. Lediglich die Griffel sind frei.

Das Fehlen der Aufteilung in Kelch- und Kronblätter ist charakteristisch für viele Vertreter der Familie der Hahnenfußgewächse. Es gibt auch Ziersorten mit gefüllten Blüten, bei denen Honigblätter und/oder Staubblätter zu Perigonblättern umgewandelt sind.

Bestäubung

Die Jungfer im Grünen zählt zu den vormännlichen Pflanzen, bei der zuerst die Staubblätter reifen. Mit dieser sogenannten Proterandrie verhindert die Pflanze die Selbstbestäubung. Reife Staubbeutel sind dabei nach unten gebeugt und haben geöffnete Beutel. Ein Insekt, das an den Nektarien Nektar aufnimmt, wird an seinem Rücken durch die nach unten geöffneten Staubbeutel mit Pollen eingestäubt. Die Griffel des Fruchtknotens stehen bei Blüten im männlichen Stadium dagegen noch aufrecht. Sie krümmen sich erst während der Blütezeit durch eine Wachstumsbewegung der Pflanze nach unten. Im weiblichen Stadium der Blüte, wenn alle Staubbeutel entleert sind, sind die Griffel so weit nach unten gebeugt, dass besuchende Insekten die auf ihrem Rücken mitgebrachten Pollen an die herabhängenden Narben der Griffel abstreichen. Als bestäubende Insekten kommen vor allem Hummeln und Bienen in Frage, die aufgrund ihrer langen Saugröhren an den Nektar gelangen. Schwebfliegen sind gelegentlich gleichfalls an den Blüten zu beobachten. Sie lecken jedoch lediglich den Pollen ab und spielen bei der Bestäubung keine Rolle.

Frucht und Samen

Voll ausgereifte Samenkapsel
Bei bestäubten Blüten entwickelt sich der Fruchtknoten zu einer etwa drei Zentimeter langen Kapselfrucht. Mit zunehmender Reife trocknen die Fruchtwände immer mehr aus, bis sie pergamentartig sind. Fast reife Kapseln haben breite, violette Längsstreifen. Voll ausgereifte Kapseln sind dagegen hell bräunlich und öffnen sich im Spätsommer in Folge der Austrocknung an ihrer Spitze mit meist fünf Spalten, die jeweils etwa sieben Millimeter lang sind. Die in der Fruchtkapsel enthaltenen querrunzeligen Samen sind schwarz gefärbt, wie es für diese Gattung typisch ist.

Zur Ausbreitung der Samen nutzt die Pflanze die Bewegung durch Wind oder vorbeistreifende Tiere; sie wird deshalb als auch Wind- und Tierstreuer bezeichnet, diese Ausbreitungsmechanismen werden zusammenfassend als Semachorie bezeichnet. Verschiedene Gestaltmerkmale unterstützen diese Ausbreitungsmechanismen. So sind die Blütenstängel zum Zeitpunkt der Kapselreife etwas länger als während der Blütezeit und sehr elastisch. Die blasig aufgetriebene und leichte Kapsel dient als Windfang, so dass die gesamte Pflanze auch schon von schwachem Wind hin und her bewegt wird. Die Kapsel selber hat an ihrer Spitze abgeknickte, verlängerte und hakige Griffel, die sich leicht im Fell eines vorbeistreifenden Tieres so verhaken, dass die Pflanze mitgezogen wird und beim Lösen zurückschnellt. Durch die Bewegung sowohl durch Wind als auch durch Tiere werden die Samen aus den schmalen Spalten herausgeschleudert.



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Standort

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet wächst sie auf Kultur- und Brachland.
Durch Handel und Aussaat gelangte sie bereits in der frühen Neuzeit als Zierpflanze in die Bauerngärten Mitteleuropas. Von diesen Gärten aus ist sie an einigen wenigen mitteleuropäischen Standorten als sogenannter Gartenflüchtling verwildert und tritt dann in Schutt-Unkrautgesellschaften auf.

Verbreitung/Vorkommen

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Jungfer im Grünen ist der Mittelmeerraum; die Art kommt dementsprechend in Südeuropa, Kleinasien und Nordafrika vor. Auch auf den Kanarischen Inseln ist sie heimisch.
Verwilderte Bestände gibt es in Österreich, Schweiz, Belgien, den Niederlanden, Polen und der Tschechischen Republik. In Deutschland sind solche neophytischen Bestände dagegen unbekannt.

Heimat

Mittelmeerraum

Verwendung in der Küche

Fein gemahlene Samen haben einen sehr intensiven Waldmeistergeschmack. Sie können in der Küche zur Verfeinerung von Süßspeisen verwendet werden. Wegen des enthaltenen Alkaloids Damascenin, das bei Überdosierung giftig wirkt, ist eine Verwendung in der Küche jedoch ungebräuchlich geworden, finden sich die Samen jedoch häufig z. B. auf türkischem Fladenbrot.

Giftigkeit

Protoanemonin (auch Anemonol oder Ranunculol) ist ein Lacton der Hydroxy-penta-2,4-diensäure, welches in unterschiedlicher Konzentration als Toxin in allen Hahnenfußgewächsen vorkommt.

Es wird bei Verletzung der Pflanzen freigesetzt und bei Kontakt mit der Haut oder Schleimhaut kommt es zu Vergiftungserscheinungen wie Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung auf der Haut (Hahnenfußdermatitis). Bei der inneren Aufnahme beeinflusst es das Nervensystem: Es kommt zu Erbrechen, Durchfall und Schwindelanfällen, aber auch zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen.

Es ist wirksam gegenüber Pilzen.

Beim Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin in das ungiftige Anemonin übergeführt.

Inhaltsstoffe

Aus den Samen der Jungfer im Grünen können bis zu 10 Prozent ätherisches Öl gewonnen werden. In diesem Öl sind mit einem Anteil von einem Zehntel Alkaloide enthalten, insbesondere das in höherer Dosierung giftige Damascenin.
Der Pharmazeut und Mediziner Ernst Mutschler habilitierte sich 1964 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit dem Thema Chemie und Pharmakologie der Alkaloide Damascenin und Arecolin.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Jungfer im Grünen wird in der Naturheilkunde als harntreibendes, wurmtreibendes, schleimlösendes Mittel und gegen Blähungen verwendet. Wirkungsnachweise durch anerkannte klinische Studien gibt es bislang nicht.


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Jungfer im Grünen - Garten/Anbau

Ausaat von 3 bis 5
Saatort: Direktsaat
Saattiefe: 0,5cm
Lichtanspruch: Halbschatten; Licht;
Boden Beschaffenheit: lehmiger Boden / Lehmboden; sandiger Boden / Sandboden; steiniger Boden / Kies / Grus;

Sonstige Verwendung

Das Öl aus den Samen der Jungfer im Grünen wird zur Herstellung von Parfüms und Lippenstiften verwendet.

Sonstiges

Die älteste bekannte Abbildung findet sich in einer italienischen Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die sich heute im British Museum in London befindet. Als Gartenpflanze wurde sie jedoch erst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erwähnt. Die erste Erwähnung im deutschen Sprachraum stammt von Hieronymus Bock 1539. Leonhart Fuchs bezeichnete die Art in seinem „New Kreüterbuch“ von 1543 als „Schwarz Coriander“ und stellte sie zu den „Nigellen“. Die Bezeichnung damascena oder aus Damaskus stammend wurde bereits vom Zürcher Arzt und Botaniker Conrad Gesner verwendet, der die Pflanze 1561 so nannte. Johannes Franke gab ihr 1594 den Namen Melanthium Damascenum oder „Frembder Schwarzkümmel“. Carl von Linné griff 1753 in seiner Systematik die Bezeichnung damascenum als Artnamen auf, stellte die Art aber in die Gattung Nigella.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Pflanze, die sehr genügsam ist, in deutschen Gärten weit verbreitet. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts gab es eine Form mit gefüllten Blüten, die Sorten mit weißen oder rosa Blüten entwickelten sich in den Jahrzehnten danach. Die blaublütige Form blieb jedoch die am weitesten verbreitete, von der Johann Christian Gottlob Baumgarten in seiner Flora Lipsiensis schrieb, dass sie überall in den Küchengärten wachse. Besonders häufig werde sie jedoch in den Gärten der Vorstädter und der Landbevölkerung gezogen.

Mit der Einführung farbenprächtigerer und auffälligerer Sommerblumen kam die Jungfer im Grünen allerdings zunehmend aus der Mode. Im Jahre 1900 bezeichnete Carl August Bolle diese Blume als altmodisch. Beliebtheit hat die Pflanze heute wieder als typische Bauerngartenblume gefunden. Sie lässt sich wegen der langen Haltbarkeit gut für Blumensträuße verwenden. Die Samenkapseln eignen sich für Trockensträuße.

Literatur




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