Steckbrief
Blütenfarbe: weiß;Höhe/Länge von 50cm bis 1,5m
Blütezeit von 6 bis 8
Lebensdauer: ausdauerndes Kraut (Staude);
Systematik
Abteilung:Spermatóphyta - Samenpflanzen
Unterabteilung:
Angiospérmae - Bedecktsamer
Klasse:
Monocotyledóneae (Liliópsida) - Einkeimblättrige
Unterklasse:
Liliiflórae (Liliidae) - Lilienähnliche
Ordnung:
Liliáles - Lilienartige
Familie:
Liliáceae - Liliengewächse (incl. Acoraceae, Convallariaceae, Nartheciaceae, Veratraceae)
Gattung: Veratrum
Weitere Pflanzen der Gattung Veratrum
| Grüner Germer Veratrum album subsp. lobelianum |
>> Alle Pflanzen der Gattung Veratrum
Weißer Germer - Veratrum album
Familie: Liliáceae - Liliengewächse (incl. Acoraceae, Convallariaceae, Nartheciaceae, Veratraceae)![]() Bildquelle: Köhler's Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 2. (1887) |
Veratrum: lat. verare = wahr reden (Riechen an der Wurzel verursacht Niesen; beniest = wahr); "Germer"
albatus: weiß gekleidet
andere Namen: Nieswurz, Hemmer(t)wurzn, Lauskraut, Lauswurz
In der Antike wurde die Pflanze als Mord- sowie als Pfeilgift genutzt. Medizinisch fand der Weiße Germer als Mittel gegen Bluthochdruck Verwendung. Wegen der sehr hohen Giftigkeit wird die Pflanze heute nur noch in der homöopathischen Medizin als Heilpflanze genutzt.
Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimeter. Die Wurzel ist innen weiß. Die kräftige Staude hat einen einfachen Stängel, der wechselständig beblättert ist. Die Blätter selbst sind schraubig, fast dreizeilig angeordnet. Die untersten sind breit oval und werden bis 20 Zentimeter lang, die oberen sind lanzettartig. Alle Blätter sind tief gefurcht und den Stängel umfassend.
Entlang der etwa 50 Zentimeter langen Rispe sitzen sehr viele 12 bis 15 Millimeter große weiße, grünliche oder gelbliche Trichterblüten. Besonders bei Sonnenschein duftet die Pflanze sehr aufdringlich.
Der Weiße Germer blüht erst nach einigen Jahren vegetativen Wachstums. Blütezeit ist von Juni bis August.
Verbreitung/Vorkommem
Das Verbreitungsgebiet umfasst die Alpen und deren Vorland, den Apennin und Osteuropa.Standort
Als Standort werden feuchte Wiesen, Weiden, Lager, Hochstaudenflure und Flachmoore von der Tallage bis in eine Höhe von etwa 2.700 Meter bevorzugt.Giftigkeit
Auch wurden medizinale Vergiftungen aufgrund der Verwechslung von Galgantwurzel (Rhizoma Galangae) mit Germerwurzel (Rhizoma Veratri) berichtet.Die Symptome äußern sich in Erbrechen, heftigem Durchfall, Kältegefühl, Muskelkrämpfe, Halluzinationen, Atemnot und Kollapszuständen. Der Tod kann zwischen drei und zwölf Stunden nach der Giftaufnahme eintreten. Bei auftretenden Vergiftungserscheinungen sollte unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht bzw. der Notarzt verständigt werden. Als Gegenmaßnahmen werden die Gabe von Aktivkohle und wiederholte Magenspülungen mit Kaliumpermanganat empfohlen. Bei drohender Atemlähmung hat sich lang anhaltende künstliche Beatmung bewährt. Ansonsten symptomatische Behandlung durch Wärmezufuhr, Kreislaufstabilisation und Gabe von Schmerzmitteln.
Inhaltsstoffe
Die Pflanze ist stark giftig. Sie enthält in allen Teilen, besonders jedoch im Wurzelstock, giftige Alkaloide wie Protoveratrin und Germerin. Der Alkaloidgehalt nimmt mit steigender Höhe des Pflanzenstandorts ab. So beträgt er auf etwa 700 m ü. NN rund 1,5 Prozent und sinkt bei Pflanzen in den höchsten Lagen (etwa 2.500 Meter NN) auf 0,2 Prozent.Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie
Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: z.B. vorwiegend stoffwechselbedingte akute Kreislaufschwäche mit Tendenz zur Kreislaufzentralisation und Nierenunterfunktion, besonders im Zusammenhang mit akuten Magen-Darmstörungen, Vergiftungen und Infektionskrankheiten.Sonstiges
Die Pflanze kann in nicht blühendem Zustand mit dem Gelben Enzian (Gentiana lutea) verwechselt werden, dessen Blätter aber kreuzweise gegenständig angeordnet sind.Die Pflanze ist auch für Insekten giftig und wurde früher zur Lausbekämpfung bei Mensch und Tier benutzt. Das erfahrene Großvieh rührt es nicht an, doch gehen an ihm immer wieder Kälber, Schafe und Ziegen zugrunde.
Literatur
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