Spitzlappiger Frauenmantel - Alchemilla vulgaris agg.

Familie: Rosaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Alpenpflanze

<b>Spitzlappiger Frauenmantel - <i>Alchemilla vulgaris agg.</i></b>
Spitzlappiger Frauenmantel - Alchemilla vulgaris agg.
Bildquelle: Wikipedia User Danny S.; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alchemilla_vulgaris_by_Danny_S._-_001.JPG


Alchemilla: arab. = kleine Alchemistin (Guttationstropfen zur ); "Frauen­mantel"

andere Namen: Syn. Alchemilla xanthochlora, Gemeiner Frauenmantel, Gewöhnlicher Frauenmantel

Die Gattung Alchemilla ist außerordentlich formen- und artenreich. Sie umfasst nach Oberdorfer momentan ca. 90 zum Teil schwer unterscheidbare Arten bzw. Unterarten und Übergangsformen mit einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt in der hochmontanen bis alpinen Stufe der Gebirge.

Spitzlappiger Frauenmantel - Alchemilla vulgaris agg.; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Prof. Dr. Otto Wilhelm Thome Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany">Prof. Dr. Otto Wilhelm Thome Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Spitzlappiger Frauenmantel - Alchemilla vulgaris agg.; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Reaperman">Wikipedia User Reaperman</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Spitzlappiger Frauenmantel - Alchemilla vulgaris agg.; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Aconcagua">Wikipedia User Aconcagua</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Spitzlappiger Frauenmantel - Alchemilla vulgaris agg.; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Llez">Wikipedia User Llez</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Der Spitzlappige Frauenmantel ist eine teilimmergrüne, mittelgroße bis sehr große und selten rot gefärbte Pflanze. Er ist ein ausdauernder, krautiger Halbrosetten-Hemikryptophyt mit einem Rhizom. Die Hauptachse ist 3 bis 15 Millimeter dick.

Die Primärblätter sind fünflappig. Die Grundblattspreiten sind 4 bis 22 Zentimeter breit, nierenförmig oder seltener kreisförmig und umfassen 240 bis 360° (selten bis 380°). Sie sind horizontal bis schwach trichterig, schwach faltig bis eben und selten wellig. Ihr Oberseite ist grasgrün und glänzend, die Unterseite hell graugrün. Die Grundblattspreite ist auf 22 bis 44 % ihres Radius unterteilt in 9 bis 13 Lappen. Diese sind dreieckig-trapezförmig bis lang dreieckig-parabelförmig, meistens abgerundet und 0,4- bis 1,1-mal so lang wie breit. Die größten Lappen umfassen 30 bis 45°. Es sind meist 15 bis 29, selten 13 oder 14 Zähne vorhanden. Am Grund sind die Lappen bis 2 Millimeter, was 10 bis 20 % entspricht, ungezähnt. Der Endzahn ist kleiner als die benachbarten Zähne. Die Zähne sind 1 bis 6 Millimeter breit, 1 bis 4 Millimeter lang was 2 bis 5 % des Spreitenradius entspricht und 0,3- bis 1,5-mal so lang wie breit. Sie sind lang dreieckig bis breit und krumm dreieckig, selten auch ei-warzenförmig, meist spitz, zur Lappenspitze hin neigend bis spreizend und in sich einwärts bis auswärts gekrümmt. Eine Behaarung ist auf der Blattoberseite am Rand und in den Falten vorhanden, in seltenen Fällen auch nur auf den Zähnen. Die ersten Blätter sind manchmal kahl, dagegen können die Blätter im Sommer oft überall behaart sein.

Die Nebenblätter sind 20 bis 55 Millimeter lang, was 5 bis 15 % der Stängellänge entspricht. Sie sind lange frisch, grünspitzig und besitzen 4 bis 10 Zähne. Die Öhrchen sind frei. Der Tuteneinschnitt ist 2 bis 4 Millimeter tief. Die Blattstiele sind ziemlich dicht mit steif waagerecht abstehenden Haaren bedeckt und 1,5 bis 4,5 Millimeter dick. Der Stängel ist kurz aufsteigend bis aufrecht und 15 bis 85 Zentimeter lang. Seine Länge entspricht dem 1- bis 2-fachen der Blattstiele. Er ist auf 60 bis 100 % seiner Länge wie die Blattstiele behaart. Die größten Stängelblätter sind 7- bis 9-lappig. Die Lappen der obersten sind meist lang und schmal 6- bis 10-zähnig.

Der Blütenstand ist 2 bis 20 Zentimeter breit. Er ist sehr locker und sparrig an großen Pflanzen. Die Blütenstiele sind kahl, 0,5 bis 1 (selten bis 3) Millimeter lang und stark spreizend. Die Blüten sind grün bis gelbgrün, 2 bis 4 Millimeter lang und 3 bis 4,5 Millimeter breit. Die Kelchbecher sind meist kahl, einzelne können eine spärliche Behaarung aufweisen. Reif sind sie kugelig bis kurzglockig, oben gleichbreit und unten meist abgerundet. Die Kelchblätter sind 0,8- bis 1-mal so lang wie der Kelchbecher, dreieckig bis halbeiförmig, spitz und nur sehr selten leicht behaart. Zuletzt sind sie aufrecht-spreizend bis aufrecht. Die Außenkelchblätter sind stärker spreizend und lanzettlich bis eiförmig. Sie sind 0,3- bis 0,8-mal so breit und 0,75- bis 1-mal (selten 1,1-mal) so lang wie die Kelchblätter und 0,55- bis 1-mal so lang wie der Kelchbecher. Die Staubfäden verschmälern sich aus dem breiteren Grund. Die Narbe ist linsenförmig bis halbkugelig. Ein Viertel bis ein Drittel der Nüsschenlänge ragt heraus.


Standort

Der Lebensraum des Spitzlappigen Frauenmantel sind frische bis sumpfige Wiesen, Ufer, Böschungen sowie überrieselte Felder, Gebüsche und Hochstaudenfluren. Wenn das Klima feucht ist wächst er auch in Ruderalfluren. Entlang von Eisenbahndämmen und in Straßengräben ist die Art oft in Reinbeständen zu finden. In den Alpen steigt sie selten bis in Höhenlagen von 2000 Meter, meist kommt sie hier in tieferen Lagen bis zu hochmontanen Stufe vor. Im Norden des Verbreitungsgebiet kommt sie auch in Meereshöhe vor.

Die Art wächst auf kalk- oder basenreichen, neutralen bis schwach sauren, frischen bis rieselnassen, lehmigen, humosen und nährstoffreichen Böden. Pflanzensoziologisch kommt sie in den Verbänden Adenostylion alliariae, Polygono-Trisetion, Arrhenatherion elatoris, Calthion, Cynosurion und Rumicion alpini vor.

Verbreitung/Vorkommen

Das Areal des Spitzlappigen Frauenmantel umfasst das temperierte Europa bis zum Ob in Sibirien. Nördlich kommt die Art bis Nordrussland und Mittel-Fennoskandien vor, im Westen verläuft die Verbreitungsgrenze durch Holland, am Rhein entlang und durch die südwestliche West-Schweiz. Die Art ist im Süden nur wenig über die Alpen hinaus verbreitet, auf dem Balkan reicht das Verbreitungsgebiet bis Bosnien, Bulgarien und Nordgriechenland. In Mitteleuropa ist der Spitzlappige Frauenmantel in den Mittelgebirgen häufig und verbreitet, in den Alpen und im Hügelland kommt er zerstreut vor und im Flachland ist er selten.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Das Leontopodium oder Pedeleonis des Dioskurides, des Plinius (beide 1. Jh.) und des Pseudo-Apuleius (4. Jh.) wurde von den Vätern der Botanik des 16. Jahrhunderts als Frauenmantel gedeutet. Folgende Heilwirkungen und Besonderheiten des „Leontopodium“ wurden von diesen Autoren angegeben:

wirkt als Liebeszauber (Dioskurides),
ruft wahnwitzige Träume hervor (Plinius),
dient zur Behandlung von Geschwülsten (Dioskurides),
zieht eingedrungene Gegenstände heraus (Plinius).

Als Synaw wurde der Frauenmantel erstmals greifbar im spätmittelalterlichen Buch von den gebrannten Wässern des Gabriel von Lebenstein. Lebenstein empfahl die innere Anwendung des Destillats aus dem Frauenmantel bei denen, die „inwendig geprochen“ sind. Im Mainzer Gart der Gesundheit von 1485 wurde das Kapitel Alchemilla synauwe erstmals mit einer naturgetreuen Abbildung des Frauenmantels illustriert. Hier erschien auch erstmals der lateinische Name Alchemilla.

In seinem Kleinen Destillierbuch von 1500 nannte Hieronymus Brunschwig für das Destillat aus der ganzen Pflanze (Wurzel und Kraut) folgende Anwendungen:

äußerlich zum Löschen „böser Hitze“ in Wunden,
mit einem Tuch auf die Brüste der Frauen aufgelegt, damit sie „hert und strack“ werden,
innerlich für „gebrochen lüt“.

Die Väter der Botanik (Brunfels, Bock und Fuchs) übernahmen diese Anwendungsempfehlungen in ihre Kräuterbücher. In der Schulmedizin des 16. bis 19. Jahrhunderts wurde der Frauenmantel jedoch nicht mehr verwendet.

Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes veröffentlichte 1986 eine (Positiv-)Monographie über Frauenmantelkraut, in der „leichte unspezifische Durchfallerkrankungen“ als Indikation angegeben werden. Über das Alpenfrauenmantelkraut liegt hingegen eine (Negativ-)Monographie aus dem Jahr 1992 vor, die die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten nicht belegt findet.
Ekzem-Entoxin® NProstata-Entoxin® NFella-Entoxin®Adenolin-Entoxin® NN

Spitzlappiger Frauenmantel - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; neutral;
Boden Feuchte: frisch; nass;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Sonstiges

Die Gruppe Alchemilla vulgaris agg. umfasst folgende sehr nahestehende Arten/Unterarten:

Allgäu-Frauenmantel, Alchemilla cleistophylla Rothm. & O. Schwarz, Syn. Zusammenneigender Frauenmantel (Alchemilla connivens, Syn. Alchemilla vulgaris ssp. connivens (Buser) Camus, Syn. Alchemilla montana (F. W. Schmidt) Buser non Willd. 1809, Alchemilla subconnivens Pawl., Alchemilla alpestris ssp. montana (F. W. Schmidt) Soo & Palitz, Alchemilla vulgaris ssp. montana (F. W. Schmidt) Gams )

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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