Allermannsharnisch - Allium victorialis

Familie: Amaryllidáceae - Amaryllisgewächse
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Gewürzpflanze Garten Wildgemüse Zwiebelpflanze Alpenpflanze

<b>Allermannsharnisch - <i>Allium victorialis</i></b>
Allermannsharnisch - Allium victorialis
Bildquelle: Wikipedia User FaleBot; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Allium: lat. allium = Knoblauch; "Zwiebel", "Schnittlauch", "Lauch"

andere Namen: Wilder Alraun, Siegwurz-Lauch, Bergknoblauch, Sigmarslauch, Siegmarsmännlein, Siegwurz, Schlangenwurz

Die Zwiebel des Allermannsharnisch wurde als Schutzmittel gegen Verwundung, Unglücksfälle, Zauberei für Menschen und Tiere benutzt und von Marktschreiern oft in menschenähnliche Gestalt gebracht, bekleidet und zu hohen Preisen verkauft.

Allermannsharnisch - Allium victorialis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User BerndH">Wikipedia User BerndH</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Allermannsharnisch - Allium victorialis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Pmau">Wikipedia User Pmau</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)">CC BY 4.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Allium_victorialis,_Creux_du_Van_-_img_43460.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Allium_victorialis,_Creux_du_Van_-_img_43460.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Allium_victorialis,_Creux_du_Van_-_img_43460.jpg</a>

Vegetative Merkmale

Der Allermannsharnisch ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimetern erreicht. Dieser (netzwurzelige Lauch) Geophyt hat eine schief aufsteigende, fast zylindrische Zwiebel mit netzigfaserig aufgelösten äußeren und fleischigen, knoblauchartig riechenden und schmeckenden inneren Zwiebelschalen. Die kurzgestielten, ganzrandigen Laubblätter sind lanzettlich oder elliptisch, 10 bis 20 Zentimeter lang und 3 bis 6 Zentimeter breit.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. In dichten kugeligen, doldigen Blütenständen, ohne Brutzwiebeln, stehen die zahlreichen Blüten, sie werden von den Hochblättern nicht überragt. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig. Die gelblich-grünen bis weißen Perigonblätter sind etwa 5 Millimeter lang.

Es werden Kapselfrüchte gebildet, die meist sechs Samen enthalten.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.



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Preis:

Standort

Die Standorte des Allermannsharnisch in Deutschland, Österreich und der Schweiz befinden sich in den Gebirgen auf grasigen und felsigen Hängen, Bergwiesen und Hochstaudenfluren in der (montanen bis) subalpinen bis alpinen Höhenstufe in Höhenlagen zwischen 1000 und 2600 Metern. Er ist in den Alpen eine Charakterart des Allietum victorialis aus dem Verband Adenostylion, im Schwarzwald und in den Vogesen ist er eine Charakterart des Sorbo-Calamagrostietum arundinaceae aus dem Verband Calamagrostion. In den Allgäuer Alpen steigt er von 830 Metern zwischen Renksteig und Gerstrubenam bis etwa 2100 Meter Meereshöhe auf.

Verbreitung/Vorkommen

Der Allermannsharnisch ist in den Hochgebirgen Eurasiens von den Pyrenäen über die Alpen, den Kaukasus, den Ural und das Altaigebirge bis zu den bereits zu Nordamerika zählenden Aleuten verbreitet.

Verwendung in der Küche

Der Allermannsharnisch kann ähnlich wie der Bärlauch, als Gemüse und Feinschnitt-Kräutermischungen verwendet werden.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Für die innerliche Anwendung werden die Blätter des Allermannsharnisch in Weingeist angesetzt, um als vermeintliches Blutreinigungsmittel verwendet zu werden. Demnach soll die Droge im Frühjahr eingesetzt werden, um eine sogenannte Entschlackung der im Winter angesammelten Gifte zu bewirken. Untersuchungen zur tatsächlichen Wirksamkeit dieses Hausmittelchens liegen nicht vor.


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Allermannsharnisch - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkarmer / kalkfreier Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; Silikatboden; steiniger Boden / Kies / Grus;
Boden PH-Wert: mäßig sauer;
Boden Feuchte: frisch; mäßig frisch; mäßig trocken;

Sonstiges

Es handelt sich bei dieser Lauch-Art um eine uralte „Zauberpflanze“, deren netzfaserige Zwiebelhüllen dem Träger kettenhemdartigen Schutz versprachen.

Wer die Zwiebel in der Hosentasche bei sich trug, sollte die bösen Geister nicht zu fürchten brauchen. Kreuzweise über die Stalltüre genagelt, sollte sie das Vieh vor Hexen bewahren, und den Kindern in die Wiege gelegt sollte sie vor dem „Verschreien“ (Verzaubern) schützen.

In seinem Kleinen Destillierbuch aus dem Jahre 1500 erwähnte Hieronymus Brunschwig erstmals den Allermannsharnisch und die Gewöhnliche Siegwurz.

Die Indische Narde verglich er mit dem Allermannsharnisch:

„Spica nardi ist ein bl?m oder gewechs in gestalt der langen sig wurtz von den latinschen herba victorialis genant.“

Im Kapitel über Frauenhaarfarn schrieb er:

„Gegloubt würt von einfeltigen menschen mit eins kruts wurtzeln von den latinschen herba victorialis an dem hals tragen sind in tütschen zungen lang syg wurtz dz sie nit wund werden vnd ir find überwynden sint. darumb sigwurtz od aller man harnsch genant würt vmb dz ir wurtzel über zogen wie herlin in gestalt des pantzers. des gestalt II sind rund vnd lang . rund in größ eins fingers. offt beid in sollicher maß gebrucht werden. …“

Otto Brunfels zitierte Brunschwigs Ausführungen in seinem deutschen Kräuterbuch.

Eine apotropäische Verwendung des Allermannsharnisch beschrieb Tabernaemontanus 1588 in seinem Kräuterbuch:

„Die Siegwurtz wird also genent / dieweil die Bergknappen sich derselbigen gebrauchen / die Gespenst vnd böse Geister darmit zu vertreiben / von welchen sie sehr angefochten werden.“

Zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges wurde der Allermannsharnisch (wörtlich: ein Harnisch für jedermann) als Schutzmittel gegen Verwundungen emfohlen, wie Grimmelshausen in seinem Werk "Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch" berichtet, als der Protagonist als vermeintlicher Schweizer Arzt durch die Lande zieht:

"Sorgt aber nit! ´s braucht´r nix als diese Wurzel oder Kraut, den Allermannsharnisch. geht auch kein Dega oder Kugel durch Euern Leib, wenn Ihr hinter einer alten Wand oder Mauer steht. Hab´s selbst probiert und dies einzige Stück ist das doppelt Geld wert."

Ein menschenähnlich geformter „Wurzelstock“ hieß Glücks-Heinzel oder Galgenmännchen. Wer ihn um den Hals trug, sollte gefeit sein gegen alle bösen Einflüsse, Glück in der Liebe und im Spiel haben und von dem Gift der giftigen Natter verschont bleiben.

Solche Wurzelstöcke hießen auch Alraun, und noch heute wird so eine Allermannsharnisch-Alraune aus dem Besitz Kaiser Rudolfs II.. in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrt.

Eine Schweizer Sage erzählt, dass sich Zwerge auf dem Rückzug vor der Zivilisation in den Wurzelstock des Allermannsharnisch verwandelt haben.

Literatur




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Bildquellenverzeichnis



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