Titanwurz - Amorphophallus titanum

Familie: Araceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: besondere Pflanzen

<b>Titanwurz - <i>Amorphophallus titanum</i></b>
Titanwurz - Amorphophallus titanum
Bildquelle: Wikipedia User Fae; Bildlizenz: CC BY 2.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amorphophallus_titanum_(19202385472).jpg


Amorphophallus titanum ist eine der spektakulärsten Erscheinungen in der Pflanzenwelt. Im Westen wurde sie durch den Florentiner Botaniker Odoardo Beccari bekannt, der 1878 während einer Expedition im Atjer Mantior auf Sumatra am 6. August Blätter und eine fruchtende Pflanze sowie am 5. September ein blühendes Exemplar sah. Beccari schickte einige Knollen und Samen nach Florenz. Die Knollen gingen zugrunde, aber einige wenige Samen keimten, und von diesen Sämlingen wurden einige an die Royal Botanic Gardens in Kew, London gesandt. Dort gelangte ein Pflanzenexemplar 1889, elf Jahre nach der Entdeckung, zum ersten Mal außerhalb ihrer tropischen Heimat zur Blüte. Bereits im November 1878, dem Jahr der Entdeckung, gab Beccari seinen außergewöhnlichen Fund im Gardeners Chronicle bekannt und benannte die Pflanze Conophallus titanum. Giovanni Arcangeli gab ihr 1879 ihren derzeit gültigen wissenschaftlichen Namen.

Den Rekord für den weltweit größten Titanwurz-Blütenstand hält der Cibodas Botanische Garten, Bogor, Indonesien, mit einer Höhe von 3,734 Metern im Jahr 2016.

Im Botanischen Garten Bonn gab es 2006 die erste Titanenwurz außerhalb ihrer Heimat, dem indonesischen Urwald, die drei Blütenstände gleichzeitig hervorbrachte. Die etwa 117 kg schwere Knolle hatte bereits im Jahr 2003 einen rekordverdächtigen Blütenstand hervorgebracht, nach 2006 und 2009 blühte sie 2017 wieder.

Im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth wurde ein besonders kurzer Zeitabstand zum Wiedererblühen beobachtet. Dieselbe Pflanze, die Anfang August 2014 blühte, trieb nach weniger als einem Jahr abermals einen Blütenstand, der am 6. Juni 2015 aufging. Am 18. Juni 2016 erblühte dort eine zweite Pflanze. Im Palmengarten der Stadt Frankfurt blühte dasselbe Exemplar im April und Dezember 2018, ohne dazwischen ein Blatt zu entwickeln. Beide Blütenstände waren über 2 m hoch.


Titanwurz - Amorphophallus titanum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Josve05a">Wikipedia User Josve05a</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Unported (CC BY-SA 2.0)">CC BY 2.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amorphophallus_titanum_(2943617645).jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amorphophallus_titanum_(2943617645).jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amorphophallus_titanum_(2943617645).jpg</a>Titanwurz - Amorphophallus titanum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Jeffdelonge">Wikipedia User Jeffdelonge</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amorphophallus_titanum01.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amorphophallus_titanum01.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amorphophallus_titanum01.jpg</a>

Vegetative Merkmale

Bei der Titanenwurz handelt es sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die zu den weltweit größten Blumen und zu den sogenannten Kesselfallenblumen zählt. Welches Alter sie erreichen kann, ist nicht bekannt. Die Pflanze besteht aus einer Knolle als Überdauerungsorgan, die in regelmäßigen Abständen ein einziges Laubblatt bildet und im laubblattlosen Zustand einen Blütenstand ausbildet. Solange sie das Laubblatt besitzt – es bleibt 12 bis 20 Monate erhalten – werden Nährstoffe aufgebaut und in der Knolle gespeichert. Die Knolle nimmt dadurch deutlich an Masse zu. So hatte ein Exemplar, das Ostern 2011 im Botanischen Garten von Basel blühte, in der rund 15 Monate dauernden Vegetationsphase davor die Knollenmasse von 8 auf 24,5 kg erhöht. Nach einer Vegetationsphase folgt eine Ruhephase, in der das Blatt abstirbt und auch die Wurzeln der Knolle verkümmern. Es schließt sich dann wiederum eine Vegetationsphase an. Damit das Blütenstadium erreicht werden kann, muss die Knolle mindestens 20 kg wiegen. 2014 wog die Knolle in Basel 45 kg.

Das einzige große Laubblatt ist in Blattstiel und Blattspreite gegliedert und erinnert in seiner Gestalt an einen kleinen Baum mit schirmförmiger Krone. Um Fraßfeinde in die Irre zu führen, besitzt der lange Blattstiel weiße Flecken, die einen Flechtenbewuchs vortäuschen, wie er auch auf der Rinde von Regenwaldbäumen zu finden ist. Die Blattspreite ist mehrfach geteilt.

Generative Merkmale

Die Titanenwurz ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Der Blütenstand der Titanenwurz ist aus blütenbiologischer Sicht die größte Blume der Welt. Die eigentlichen, relativ kleinen Blüten sitzen – weibliche unterhalb der männlichen – an der Basis des Blütenstandes und sind von einem einzelnen, sehr großen Hochblatt (Spatha) umhüllt. Der obere Teil des Blütenstandes (Spadix) ist stark verlängert und lockt durch den Geruch bestäubende Insekten (Osmophor) an.

Wurden keine Blüten bestäubt, verkümmert der Blütenstand nach drei Tagen wieder; die Pflanze geht über in eine Ruhephase, an welche sich dann eine Vegetationsphase anschließt. Wurden jedoch Blüten bestäubt, reifen innerhalb von 8 Monaten orangerote Beeren heran. Als Folge davon stirbt die Pflanze ab.

Indonesische Trivialnamen für diese Art sind bunga suweg raksasa oder allgemein bunga bangkai (Aas-, Leichenblume); sie kommt nur auf Sumatra vor. Viele botanische Gärten, wie etwa in Bogor auf Java, kultivieren diese Pflanzenart, allerdings tritt das Blühereignis nur sehr unregelmäßig alle fünf bis zehn Jahre auf.
Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.

Ökologie

Um Insekten wie Aaskäfer der Gattung Diamesus und Kurzflügler der Gattung Creophilus anzulocken, geben die Blütenstände einen für Menschen unangenehmen Aasgeruch ab. Die Tiere kriechen in die Spatha hinab, um dort ihre Eier zu legen und sichern auf diese Weise die Bestäubung. Die Larven müssen jedoch nach dem Schlüpfen verhungern. Für den üblen Geruch der blühenden Pflanze ist eine Reihe schwefelhaltiger Verbindungen und Amine verantwortlich, dazu zählen Dimethyldisulfid, Dimethyltrisulfid, Putrescin und Cadaverin.


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Literatur

Bildquellenverzeichnis



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