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Eberraute

Artemisia abrotanum

Die Eberraute wächst als Halbstrauch oder ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 50 bis 130, selten bis zu 170 Zentimeter. Sie ist aromatisch duftend. Die Wurzeln sind dick und verholzen. Jede Pflanze bildet relativ viele aufrechte, verzweigte Stängel, die an ihrer Basis verholzen können und braun, kahl oder spärlich behaart sind.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die bei einer Länge von (2 bis) meist 3 bis 6 Zentimeter und einer Breite von 0,2 bis 1,5 Millimeter im Umriss breit eiförmige Blattspreite ist zwei- bis dreifach fiederteilig. Die Blattabschnitte sind linealisch bis fadenförmig. Die Blattoberseite ist kahl und die Blattunterseite ist spärlich behaart.

Die Blütezeit reicht vom Spätsommer bis Herbst. In bei einer Höhe von 10 bis 30 Zentimeter und einem Durchmesser von 2 bis 10 Zentimeter weit verzweigten Gesamtblütenständen sind zahlreiche, nickende, relativ kleine körbchenförmige Teilblütenstände angeordnet. Die eiförmige Körbchenhülle (Involucrum) enthält viele, dachziegelartig angeordnete, angedrückte und spärlich behaarte, länglich-elliptische Hüllblätter. Der flache Körbchenboden besitzt keine Spreublätter.

Die Blüten sind alle röhrig. Die 14 bis 16 (selten bis zu 20) in der Mitte stehenden Blüten sind zwittrig und die meist vier bis acht (selten bis zu 15) randständigen weiblich. Die drüsigen, gelben Kronblätter sind zu einer 0,5 bis 1 Millimeter langen Röhre verwachsen.

Die kahlen und oft hellbraunen Achänen sind bei einer Länge von 0,5 bis 1 Millimeter ellipsoid, zwei- bis fünfkantig sowie schwach gerippt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Wer die Liebe eines Mädchens gewinnen wollte, musste ihr unbemerkt einige Eberrautenzweige unter das Schürzenband stecken. Weil die Liebe aber nur angezaubert war, hält sie nur einige Jahre, um dann ins Gegenteil umzuschlagen. Vielleicht heißt die Pflanze deswegen auch im Englischen Kiss-me-quick-and-go[5].

Wer sonntags befürchtete, während der Kirchenpredigt einzuschlafen, sollte einige Zweige der Eberraute mit sich tragen, denn ihr Duft hält während der längsten Predigt munter[6].

Vermutlich aus Vorderasien stammend, fand die Eberraute in vielen Klostergärten des Mittelalters ihren Platz [3].

Verwendung in der Heilkunde

Der pharmazeutische Name ist Herba Abrotani.

Im Altertum wurde die Eberraute als Gallen- und Leberheilmittel eingesetzt. Ab dem 9. und 10. Jahrhundert baute man die Eberraute auf deutschem Gebiet in Klostergärten an. Sie fand Einsatz bei Gelbsucht und Atemnot.

Medizinische Wirkung wurde bei nervösen Magenbeschwerden festgestellt. Auch eine appetitanregende Wirkung hat sich bestätigt.

Der Eberraute wurden schon sehr früh viele Kräfte zugestanden. Der Abt Walahfrid Strabo meinte im 9. Jahrhundert, dass die Eberraute so viele Vorzüge besäße wie Blätter.

Gemäß Tabernaemontanus 1625, 1588, hilft Eberraute – von ihm Stabwurz genannt:

nicht nur gegen „das Keichen und Hertzgesperr“, sondern tödtet und treibet auss die Würm von alten Menschen und jungen Kindern, wenn es gepülvert und mit Milch oder Honig eingenommen wurde.
Allerdings wird Eberraute von den alten Weibern auch zu den Würtzwischen gesamlet, darmit sie dann mancherley Aberglaubische Fantaseyen treiben, welches wir als ein unnütz Fabelwerck fahren lassen.

Nach Nicholas Culpeper (The English Physitian Enlarged) war Eberraute auch ein wunderbares Mittel gegen männliche Glatzen: Die Asche der Eberraute wird mit altem Salatöl vermischt und hilft denjenigen, denen das Haar ausgefallen ist und die kahl sind, dass das Haar wieder wächst, entweder auf dem Kopf oder am Bart.

Homöopathie

Aus den frischen jungen Blättern und Trieben der Pflanze werden homöopathische Zubereitungen gewonnen, die nach Feststellung der Kommission D bei Abmagerung und Entwicklungsstörungen der Kinder, chronischen Entzündungen, Hauterkrankungen, Rheumatismus und Gicht eingesetzt werden. Es ist nach William Boericke angezeigt, wenn sich die Beschwerden in kalter Luft verschlechtern und durch Bewegung verbessern. Nach Boericke sind Dosierungen in Potenzen von C3 bis C30 angezeigt, in Deutschland sind Potenzen von D1 bis D12 gebräuchlicher.

Verwendung in der Küche

Eberraute ist heute keine gebräuchliche Gewürzpflanze mehr. Es gibt zwei Kulturtypen: Eine mit aufdringlichem Zitronengeruch („Zitroneneberraute“) und eine neuere, die noch strenger riecht („Kampfereberraute“, „Kampferraute“). Wegen ihres intensiven und bitteren Geschmackes muss sie sorgfältig dosiert werden. Als Würzkraut ist die Eberraute hauptsächlich zum Verfeinern fetten Fleisches geeignet. Die Bitterstoffe entfalten hierbei eine appetit- und verdauungsfördernde Wirkung. Bisweilen wird sie auch zartem Fleisch zugesetzt. Ähnlich wie Petersilie kann sie in ein Bouquet garni integriert werden. [2]

Die Eberraute wird schon seit langer Zeit in Gärten kultiviert. Beispielsweise nutzte man sie, um Fliegen und Parasiten zu vertreiben (Repellent). Sie erlangt als Zierpflanze in „Trockengärten“, „Steingärten“, „Steppengärten“ oder „Schottergärten“ wieder Popularität, da sie trockenheitstolerant ist. [1]

Eberraute ist nicht für Schwangere geeignet.

Standort

Durch Verwilderungen in ganz Mitteleuropa an wärmeren Standorten.

Verbreitung & Vorkommen

Die ursprüngliche Heimat der Eberraute reicht von Albanien, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien bis zum südlichen europäischen Teil Russlands sowie der Ukraine bis zur Türkei, Armenien und zum Kaukasusvorland. Sie wird weitverbreitet angebaut. Die Eberraute ist in vielen Gebieten verwildert.

Die Eberraute kommt in den österreichischen Bundesländern Burgenland, Wien und Kärnten sowie in der italienischen Provinz Südtirol unbeständig und selten nur in verwilderten Beständen vor.

Inhaltsstoffe

Die Eberraute enthält 0,18 bis 1,4 % ätherisches Öl, 2 bis 3 % Abrotanin sowie Bitterstoffe. Je nach chemischer Rasse ist der Hauptbestandteil entweder 1,8-Cineol (bis zu 60 %) oder Thujon (bis zu 70 %). Weitere Inhaltsstoffe sind Fenchene, Sabinen, ?-Caryophyllen und ?-Caryophyllen. Eberrautenöl enthält die heterocyclischen Sesquiterpene Davanol, Davanon und Hydroxydavanon. Nichtflüchtige Inhaltsstoffe sind das Alkaloid Abrotin, Cumarine (Isofraxidin, Umbelliferon), Flavonglycoside (Rutin) und freie Flavonolether (verschiedene Dimethylether des Quercetins). Den bitteren Geschmack verursachen Sesquiterpenlactone (Absinthin) und das Glycosid Rutin.

Aus derselben Gattung (Artemisia)

Alle Pflanzen der Gattung Artemisia

Aus derselben Familie (Korbblütler)

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