Alpen-Heilglöckchen - Cortusa matthioli

Familie: Primulaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Steingarten Alpenpflanze

<b>Alpen-Heilglöckchen - <i>Cortusa matthioli</i></b>
Alpen-Heilglöckchen - Cortusa matthioli
Bildquelle: Wikipedia User Enrico Blasutto; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Cortusa: n. d. ital. Botaniker G.A.Cortusi aus Padua (gest. 1593); "Glöckel"

andere Namen: Heilglöckel, Alpsanikel, Bergsanikel, Dreifaltigkeitsglöcklein (im Vehschen Gebirge), Wundglöcklein


Alpen-Heilglöckchen - Cortusa matthioli; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Daphne mesereum">Wikipedia User Daphne mesereum</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Alpen-Heilglöckchen - Cortusa matthioli; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Selso">Wikipedia User Selso</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Alpen-Heilglöckchen - Cortusa matthioli; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Enrico Blasutto">Wikipedia User Enrico Blasutto</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Erscheinungsbild

Das Alpenheilglöckchen wächst als sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 20 bis 40 Zentimeter erreicht. Da die Erneuerungsknospen sich in unmittelbarer Nähe der Erdoberfläche befinden und neben der Grundrosette keine weiteren Stängelblätter vorhanden sind, wird das Alpenheilglöckchen hinsichtlich seiner Lebensform zu den Rosettenhemikryptophyten gezählt. Als Speicherorgan dient ein Rhizom, das mit zahlreichen faserigen Wurzeln besetzt ist. Typisch für das Alpenheilglöckchen ist die mehrzellige, zottige und drüsige Behaarung an Stängel und Laubblättern.

Blätter

Die drei bis vier lang gestielten Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet. Die Länge des rostfarbenen und fein behaarten Blattstiels entspricht in etwa der zwei- bis dreifachen Laubblattlänge. Die Blattspreite wird etwa 3,5 bis 8 Zentimeter lang, die Breite schwankt zwischen 4 und 8 Zentimetern. Im Umriss zeigt sie eine annähernd rundliche Form, der Grund ist herzförmig gestaltet. Die Blattspreite ist radiär in 7 bis 13 unregelmäßig spitz gezähnte Lappenabschnitte wenig tief geteilt. Am Blattrand und auf den unteren Blattnerven findet sich eine zottige und drüsige Behaarung. Stängelblätter werden nicht ausgebildet.

Blütenstand und Blüte

An der Spitze des etwa 35 Zentimeter langen, fein behaarten Blütenstandsschaftes entwickelt sich ein vielblütiger doldiger Blütenstand. In ihm sind etwa 5 bis 12 (20) ungleich lang gestielte, nickende Blüten zusammengefasst. Die drüsig behaarten, lanzettlichen Hüllblätter sind gewöhnlich an der Spitze gezähnt und kürzer als die Dolde. Die Blütenstiele sind drüsig behaart.

Die radiärsymmetrische Einzelblüte ist fünfzählig und besitzt eine doppelte Blütenhülle. Das Längenverhältnis Kelch zu Krone entspricht in etwa 1:1,5 bis 1:2. Der grüne, oft auch violett getönte, bleibende Kelch wird etwa 4,5 bis 5 Millimeter lang und weist eine drüsige Behaarung auf. Er besitzt eine glockige Form und ist bis über die Hälfte in fünf lanzettliche, zugespitzte Kelchzähne geteilt. Die glocken- bis trichterförmige Krone ist hell- bis karminrot gefärbt. Sie wird etwa 8 bis 12 Millimeter lang und ist etwa bis zu ihrer Mitte geteilt. Ihre kurze, ausgebreitete Kronröhre geht über den offenen Schlund in fünf ganzrandige Kronzipfel über. Die eirunden bis länglichen Kronzipfel sind abgerundet bis stumpf und an ihrer Spitze etwas zurückgebogen. Die Innenseite der Kronröhre ist grünlich-gelb gefärbt. Auch der Saum besitzt auf seiner Innenseite bis fast an die Kronzipfel eine grünlich-gelbe Tönung. Fünf Staubblätter sind am Ende der kurzen Kronröhre in gegenständiger Stellung zu den Kronzipfeln inseriert. Die sehr kurzen, grünen Staubfäden sind am Grund verdickt und ringförmig durch eine Membran miteinander verwachsen. Sie tragen längliche, zugespitzte, bleichgelbe, bis zu 3,5 Millimeter lange Staubbeutel, diese sind auf dem Rücken und an der Spitze violett gefärbt. Der kugelige, oberständige Fruchtknoten mit zentraler Plazenta geht in einen bis zu 1 Zentimeter langen, fädlichen, nach oben purpurroten Griffel über. Dieser überragt die Krone. Die kopfige Narbe ist grün.

Frucht und Samen

Nach Bestäubung und Befruchtung entwickelt sich der Fruchtknoten zu einer eiförmigen Kapselfrucht. Diese öffnet sich bis zur Mitte mit fünf Klappen und enthält zahlreiche Samen. Sie ist länger als der Kelch.

Blütenökologie

Bei der zwittrigen Blüte des Alpenheilglöckchens reifen die weiblichen Geschlechtsorgane – Griffel und Narbe – vor den männlichen Fortpflanzungsorganen, den Staubbeuteln. Dieser Mechanismus, Proterogynie genannt, fördert Fremdbestäubung im Vergleich zur Selbstbestäubung. Eine mögliche zeitliche Überlappung des weiblichen und männlichen Blütenstadiums ist in der Diskussion und noch nicht geklärt.

Die Blüten des Alpenheilglöckchens sind blütenbiologisch Glockenblumen mit klebrigem Pollen. Sie werden von Insekten bestäubt. Als typische Bestäuber fungieren Bienen und Schwebfliegen. Als Belohnung wird Nektar teilweise verdeckt angeboten.

Das Alpenheilglöckchen gilt als selbstinkompatibel. Die Syngamie wird verhindert, indem die Pollenkeimung auf der Narbenoberseite blockiert wird, wenn ein Allel des Pollenkorns mit einem der bestäubten Pflanze übereinstimmt.

Ausbreitungsökologie

Das Alpenheilglöckchen vermehrt sich durch Samen. Sie werden durch vorbeistreifende Tiere oder Windstöße aus der bei Reife geöffneten Kapselfrucht ausgestreut. Diese Strategie wird Stoßausbreitung, bzw. Semachorie, genannt. Über sein Rhizom ist ihm auch die vegetative Vermehrung, eine Form der Autochorie im weiten Sinne, möglich.


Standort

Als Standorte bevorzugt das Alpenheilglöckchen feuchte Grünerlengebüsche, nährstoffreiche, subalpine Hochstaudenfluren, schattige Schluchten und Quellfluren auf eher kalkreichen Böden der obermontanen bis subalpinen Höhenstufe.

Verbreitung/Vorkommen

Das Alpenheilglöckchen ist in Mitteleuropa in Österreich, Tschechien, Deutschland, Polen und der Schweiz beheimatet. In Osteuropa sind Bestände aus Weissrussland, dem europäischen Teil der Russischen Föderation und der Ukraine belegt. In Südosteuropa ist es in Bosnien und Herzegovina, Bulgarien, Kroatien, Italien, Rumänien, Serbien und Slowenien einheimisch. In Südwesteuropa ist es in Frankreich vertreten. In Deutschland kommt das Alpenheilglöckchen ausschließlich mit seltenen Beständen in Süd-Bayern vor und zwar im Allgäu und am Fockenstein. In Österreich ist das Alpenheilglöckchen bis auf das Burgenland und Wien in allen Bundesländern zerstreut vertreten. Es besiedelt die Alpen, die Karpaten, den Ural und die asiatischen Gebirge bis Ostasien.
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Alpen-Heilglöckchen - Garten/Anbau

Das Alpenheilglöckchen wird gerne als Zierpflanze im schattigen Steingarten oder als Unterpflanzung von Bäumen verwendet.

Sonstiges

Der Trivialname „Heilglöckel“ nimmt auf die nach Honig duftenden Blätter Bezug, denen früher eine Heilwirkung bei Wunden und Nervosität zugeschrieben wurde.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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