Gefingerter Lerchensporn - Corydalis bulbosa

Familie: Papaveraceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Giftpflanze Pionierpflanze Frühblüher

<b>Gefingerter Lerchensporn - <i>Corydalis bulbosa</i></b>
Gefingerter Lerchensporn - Corydalis bulbosa
Bildquelle: Wikipedia User Bff; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corydalis_solida20090505_10.jpg


Corydalis: gr. korydallos = Haubenlerche (gespornte Blüte); "Ler­chen­sporn"
bulbocastanum: Abl. unklar, evtl. lat. bulbus = Knol­le,castanea = Kastanie, "Ka­sta­ni­en­knolle"

andere Namen: Syn.: Corydalis solida (L.), Corydalis bulbosa var. solida L., Corydalis depauperata Schur, Fester Lerchensporn, Finger-Lerchensporn, Vollwurz-Lerchensporn


Gefingerter Lerchensporn - Corydalis bulbosa; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Bff">Wikipedia User Bff</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corydalis_solida20090505_02.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corydalis_solida20090505_02.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corydalis_solida20090505_02.jpg</a>Gefingerter Lerchensporn - Corydalis bulbosa; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Bff">Wikipedia User Bff</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corydalis_solida20090505_03.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corydalis_solida20090505_03.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corydalis_solida20090505_03.jpg</a>

Der Gefingerte Lerchensporn wächst als horstbildende, ausdauernde, krautige Pflanze. Der kahle, aufrechte, nicht verzweigte Stängel erreicht Wuchshöhen von 10 bis zu 20, selten auch 30 Zentimetern. Dieser vorsommergrüne Geophyt besitzt eine braune, feste kugelige Wurzelknolle; darauf verweist das Artepitheton solida (lat. für fest). Am Grund der Stängel sitzt ein schuppiges Niederblatt, in dessen Achsel oft ein steriler Ast sitzt.

Die blaugrünen Laubblätter bestehen aus drei tief eingeschnittenen Teilblättchen.
Die Blütezeit reicht von März bis Anfang Mai. Der endständige, traubige Blütenstand enthält bis zu fünfzehn gedrängt sitzende Blüten, die im Alter leicht überhängen. Die Tragblätter der Blüten sind eiförmig-lanzettlich und durch mehrere tiefe Einschnitte in fingerförmige Zipfel unterteilt (daher der deutsche Name Gefingerter Lerchensporn).

Die zwittrigen Blüten sind bei einer Länge von 10 und 20 Millimetern zygomorph. Kelchblätter fehlen. Die Farbe der Blütenkronblätter variiert von hellblau über blasslila bis zu stumpfem Purpurrot, selten sind sie auch weiß oder hellrot. Die Oberlippe der Blüte ist breit ausgerandet und besitzt einen flachen Saum. Die inneren Kronblätter sind auf dem Rücken flügelig gekielt und besitzen einen über die Spitze hinausgehenden Flügel. Der Sporn ist gerade und etwa so lang wie die restliche Blüte.

Die Frucht ist eine etwa 1,5 bis 2 Zentimeter lange hängende scheidewandlose, zweiklappige Schote, die mehrere schwarze, nierenförmige Samen enthält.

Die Chromosomgrundenzahl beträgt n = 10 oder 12.

Bis der Gefingerte Lerchensporn das erste Mal blüht, vergehen in der Regel mehrere Jahre. In der Sonne duftet der Gefingerte Lerchensporn stark. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Dabei haben aber nur langrüsselige Insekten eine Chance, an den im Sporn des oberen Kronblattes verborgenen Nektar zu gelangen. Die kurzrüssligen Hummeln wählen daher oft eine Abkürzung und beißen den Sporn von außen auf.

Die Samen werden durch Ameisen ausgebreitet (Myrmechorie). Dies wird durch Samenanhängsel (sogenannte Ölkörper) bewirkt, welche den Ameisen als Nahrung dienen. Die Ameisen schleppen die Samen in ihren Bau und nach dem der Ölkörper verzehrt ist, werden die Reste aus dem Bau entfernt. Nun können die Samen bei günstigen Bedingungen keimen.

Der Gefingerte Lerchensporn ist Nektarlieferant für den Zitronenfalter und Futterpflanze für die Raupe des Schwarzen Apollofalters.


Standort

Der Gefingerte Lerchensporn gedeiht am besten auf etwas feuchten, leichten, lockeren, mullreichen, aber kalkarmen Lehmböden. Der Gefingerte Lerchensporn gedeiht in Niederungen und in Höhenlagen bis zu maximal 2000 Metern. Er gedeiht in Mitteleuropa vor allem in lichten Laubmischwäldern, Waldrändern, Gebüschen und auch in warmen Auwäldern. Er bevorzugt halbschattige Standorte, wo er oft in größeren Gruppen auftritt, die aber selten bestandsbildend sind.

Verbreitung/Vorkommen

Der Gefingerte Lerchensporn ist ein europäisches Florenelement. Der Gefingerte Lerchensporn ist in Mittel- und Nordeuropa sowie in Westasien verbreitet. Sein Areal erstreckt sich im Westen bis zu den Pyrenäen; nordwärts bis zum südöstlichen Schweden, südlichen Finnland und bis ins nördliche Russland; die Ostgrenze liegt im Wolga-Gebiet; im Süden kommt sie nur in den europäischen Gebirgen vor (algerischer Atlas, Taurus und Libanon).

Er fehlt im mitteleuropäischen Tiefland, in den Mittelgebirgen mit Kalkgestein und im östlichen Teil Süddeutschlands in großen Gebieten, ebenso in den Nördlichen Kalkalpen und in den Zentralalpen; sonst ist er in Mitteleuropa sehr selten, er bildet dort aber an seinen Standorten meist individuenreiche Bestände.

Giftigkeit

Bulbocapnin kann tödliche Vergiftungen bei Schafen und Rindern auslösen. Bei Menschen hemmt es die Tätigkeit der quergestreiften Muskulatur.

Inhaltsstoffe

Der Gefingerte Lerchensporn enthält, vor allem in der Knolle, giftige Alkaloide. Es handelt sich um etwa 20 verschiedene Isochinolin-Alkaloide, die mittel bis stark giftig sind. Das toxikologisch bedeutsamste Alkaloid ist das (S)-Bulbocapnin.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

In der chinesischen Medizin wird der Gefingerte Lerchensporn seit mehr als 1000 Jahren als Schmerzmittel eingesetzt. Die Wirkstoffe der Knolle werden in der Naturheilkunde als antibakteriell, beruhigend, nervenstärkend, krampflösend und halluzinogen angegeben.
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Gefingerter Lerchensporn - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkarmer / kalkfreier Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; sandiger Boden / Sandboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; sauer;
Boden Feuchte: frisch;
Boden Nährstoffgehalt: nährstoffreich;

Gelegentlich wird der Gefingerte Lerchensporn auch als Zierpflanze in Gärten und in Parks genutzt. Er erobert auch schwierige Flächen schnell. Er benötigt nährstoffreiche Humusböden mit milder Feuchte.

Gefingerter Lerchensporn in
Kräuterbuch von Jacobus Theodorus "TABERNAEMONTANUS" anno 1664


Auszug aus "New vollkommenlich Kräuter-Buch : mit schönen und künstlichen Figuren aller Gewächs der Baümen, Stauden und Kräutern...:das erste [-das ander und dritte] Theil darinn viel und mancherley heilsamer Artzeney vor allerley innerlichen und eusserlichen Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehes sampt ihrem nützlichen Gebrauch beschrieben werden.../ durch Iacobum Theodorum Tabernaemontanum... ; das ander und dritte Theil...verbessert durch Hieronymum Bauhinum... ; mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, newen Registern und anderm vermehret durch Hieronymum Bauhinum..."

Tabernaemontanus M.DC.LXIV (1664): Das Erste Buch Von Kraeutern Hohlwurz

Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999

Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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