Gewöhnlicher Seidelbast - Daphne mezereum

Familie: Thymelaeaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Garten Giftpflanze Strauch Alpenpflanze Hummelblume Pionierpflanze Frühblüher

<b>Gewöhnlicher Seidelbast - <i>Daphne mezereum</i></b>
Gewöhnlicher Seidelbast - Daphne mezereum
Bildquelle: © Bönisch 2016 - All rights reserved

Daphne: gr. daphne = Lorbeer, n. einer Nymphe (gr. Niedere weibliche Gottheiten mit starker Bin­dung an die Natur (Was­ser-, Baum- und Berg­nym­phen). Daphne war eine besonders schöne Baum­nym­phe, in die sich Apollon, der gr. Gott der Dichtkunst (und nach Zeus größter Weiber­held der gr. Götter) ver­knallt hatte. Zeus, der Chef der gr. Göt­ter, hat­te Mitgefühl mit Daphne und verwandelte sie in einen Strauch (Lor­beer), um sie den Nachstellungen von Apollon zu entziehen; "Seidelbast"
mezereum: arab. mazaryon = Seidelbastrinde

andere Namen: Echter Seidelbast, Kellerhals

Bachstelzen und Drosseln sind gegen das giftige Fruchtfleisch des Seidelbast anscheinend immun und speien die Steinkerne wieder aus, sie tragen dadurch zur Verbreitung bei.

Gewöhnlicher Seidelbast - Daphne mezereum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 1. 1887">Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 1. 1887</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Gewöhnlicher Seidelbast - Daphne mezereum; Bildquelle: © <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Bönisch 2009">Bönisch 2009</a> - <b>All rights reserved</b>Gewöhnlicher Seidelbast - Daphne mezereum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Llez">Wikipedia User Llez</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Gewöhnlicher Seidelbast - Daphne mezereum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Enrico Blasutto">Wikipedia User Enrico Blasutto</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Der Seidelbast ist ein kleiner, wenig verzweigter, sommergrüner Strauch, der eine Wuchshöhe von etwa 40 bis 125 cm erreicht. Die kurz gestielten lanzettlichen bis verkehrt-lanzettförmigen Laubblätter sind 4 bis 9 cm lang, etwa 2 cm breit und verschmälern sich am Blattgrund keilförmig. Sie sind an der Blattoberseite frischgrün, an der Blattunterseite graugrün gefärbt. Der Blattrand ist glatt ausgestaltet. Die dünnen Blätter fühlen sich relativ weich an und sind nach dem Laubaustrieb behaart. Sie bilden sich nur an den Zweigspitzen und sind an diesen spiralig angeordnet.

Diese frühblühende Art bildet zwischen Februar und März vor ihrem Blattaustrieb die Blüten aus. Die stark duftenden, rosa bis purpurrot gefärbten 7-9 mm langen Blüten sitzen meist in Dreiergruppen seitenständig unmittelbar der holzigen Sprossachse an. Sie bilden sich direkt über den Narben der abgefallenen Blätter des Vorjahres und unterhalb einer Gipfelknospe. Nach dem Abblühen bildet diese einen langen Laubtrieb aus.

Der Seidelbast ist die einzige cauliflore Art Mitteleuropas; gewöhnlich ist Stammblütigkeit nur bei Tropenpflanzen verbreitet. Eine weitere Besonderheit ist, dass keine Blütenkrone entwickelt wird, sondern die Blütenhülle allein von den zylindrischen, außen seidig behaarten Kelchröhren des vierzipfeligen, blumenblattähnlichen Kelchs gebildet wird. Die Länge der Kelchröhre entspricht in etwa der der Kelchzipfel. Da die Schaufunktion auf den Kelch übergegangen ist, hat dieser die Aufgabe, die langrüsseligen Insekten zur Bestäubung anzulocken. Eine Seidelbastblüte besitzt weiter acht Staubblätter, die in zwei Kreisen untereinander in der Kelchröhre angewachsen sind. Von außen kann nur der obere Kreis eingesehen werden. Der oberständige Fruchtknoten ist unbehaart und geht in einen kurzen Griffel über. Gewöhnlich sind die Blüten zwittrig, gelegentlich wurden jedoch auch rein weibliche Blüten beobachtet.

Die erbsengroßen, leuchtend roten, sehr giftigen Früchte (Beeren) reifen im August und September. Sehr selten trifft man auch gelblich weiße Beerenfrüchte an. Die Beeren ähneln mit ihrem schwarzen Steinkern einsamigen Steinfrüchten. Da an ihrer Bildung sowohl die Fruchtblätter als auch die Blütenachse beteiligt ist, werden sie botanisch als Scheinfrüchte bezeichnet.

Der Seidelbast wird von langrüsseligen Insekten bestäubt, für die er- bedingt durch die sehr frühe Blütezeit- eine wertvolle Nektarquelle darstellt. Im Falterstadium überwinternde und zeitig im Frühjahr fliegende Schmetterlinge, wie z.B. der Zitronenfalter, der Kleine Fuchs, das Tagpfauenauge oder der C-Falter werden durch die aromatisch duftenden Blüten angelockt und laben sich an dem reichlich angebotenem Nektar. Auch Bienen und Hummeln treten als Bestäuber in Erscheinung. Die Früchte des Echten Seidelbasts bieten etwa zehn Vogelarten, darunter insbesondere den Drosseln, Nahrung. Die Samen passieren deren Verdauungstrakt unbeschadet und werden so weiter ausgebreitet.


Standort

Der Gemeine Seidelbast gilt als typischer Buchenbegleiter. Als Standorte werden kalkhaltige und nährstoffreiche Böden von Laubmischwäldern, insbesondere Buchen- Eichen- und Hainbuchenwaldgesellschaften, Hochstaudenfluren, Nadelmisch- und Bergwäldern oder auch Hartholz- Auenwäldern bevorzugt. Der Seidelbast ist bis in Höhenlagen von 2000 m Seehöhe anzutreffen.

Verbreitung/Vorkommen

Der Echte Seidelbast hat ein eurasiatisches Verbreitungsgebiet. In Europa fehlt er in den äußersten westlichen und nördlichen Gebieten. Er besiedelt Gebiete von den Pyrenäen bis Süditalien, vom Balkan bis nach Norwegen. Im Osten ist er bis Sibirien beheimatet. Auch im Kaukasus und in Kleinasien trifft man ihn an geeigneten Standorten. Der Echte Seidelbast ist in Österreich häufig bis zerstreut in allen Bundesländern vertreten. In Deutschland ist die Art in einigen Bundesländern häufig bis zerstreut zu finden.

Giftigkeit

Früher wurde die Pflanze zur Linderung von Kopf- und Zahnschmerzen verwendet, die Rinde des Gemeinen Seidelbastes wurde früher in Essig eingelegt und als Zugpflaster verwendet.

Symptome einer Vergiftung sind Erbrechen, Krämpfe, Blutungen und Brennen in der Kehle. Von diesem würgenden und brennenden Gefühl stammt auch der Name „Kellerhals“, vom mittelhochdeutschen ?kellen? also quälen. Die enthaltenen Alkaloide wirken durchblutungsfördernd, weshalb bei Berührung der frischen Zweige Hautreizungen und blasige Geschwüre möglich sind. Das enthaltene Daphnin wirkt außerdem halluzinogen.

Inhaltsstoffe

Die ganze Pflanze ist durch Daphnin, Mezerein und Daphnetoxin stark giftig.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Kommission C* (s.Quellen):... Eingliederung der Empfindungsorganisation in das Stoffwechselsystem, z.B. bei Herpes zoster, Ekzemen, Neuralgien.
Spasmo-Entoxin®Broncho-Entoxin® NMatrix-Entoxin®Ekzem-Entoxin® N

Gewöhnlicher Seidelbast - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; toniger Boden / Tonboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild;
Boden Feuchte: frisch;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Sonstiges

Der Echte Seidelbast wird zerstreut als Zierpflanze für Gehölzgruppen genutzt. Er ist seit spätestens 1561 in Kultur. Es gibt einige Sorten (Auswahl):

- 'Bowles White': Die Blüten sind weiß, die Früchte gelb.
- 'Variegata': Die Blätter sind weißbunt.
- 'Plena': Die Blüten sind weiß und gefüllt.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



Diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz