Breitblättrige Stendelwurz - Epipactis helleborine

Familie: Knabenkrautgewächse - Orchidaceae

Kategorie: Alpenpflanze  

Breitblättrige Stendelwurz Info

Epipactis: gr. Pflanzenname, ursprünglich evtl. gr. Name für Oro­banche, wohl von gr. epipactoum = fest zu­sam­menschließen (wg. der Form der Petalen); "Sumpf­wurz"

Die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine), auch Breitblättrige Sumpfwurz oder Breitblättrige Sitter genannt, gehört zur Gattung der Stendelwurzen (Epipactis) in der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Der heute gebräuchliche deutsche Name Breitblättrige Stendelwurz ist eine wörtliche Übersetzung eines früheren Synonyms dieser Orchideenart (Epipactis latifolia (L.) All. 1785). Diese Pflanzenart ist in ihrem Bestand in Deutschland noch weitgehend ungefährdet. Seit den 1970er Jahren ist jedoch ein Rückgang der Vorkommen feststellbar. Um auf diesen Umstand hinzuweisen, wurde die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (AHOs) zur Orchidee des Jahres 2006 gekürt.

Die Breitblättrige Stendelwurz ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 20 und 100 Zentimetern erreicht. Dieser Geophyt bildet ein Rhizom. Der kräftige Stängel ist kahl. Am unteren Ende des Stängels befinden sich die ovalen 4 bis 10 Zentimeter breiten Stängelblätter.

Sie beginnt Ende Mai auszutreiben und blüht zwischen Ende Juli und Ende August. Ihre zygomorphen Blüten sind weißrosa bis grünlich und haben den typischen Orchideenaufbau. Nach der Bestäubung, oft durch Faltenwespen, entwickeln sich Kapselfrüchte, die sich im August und September öffnen und so den Samen ausfallen lassen. Der staubfeine Samen kann mit dem Wind sehr weit getragen werden.

Chromosomenzahl 2n=40.

Ökologie

Die Breitblättrige Stendelwurz ist ein Rhizom-Geophyt mit endotropher Mykorrhiza vom Orchideen-Typ. Der Pilzpartner ist gleichzeitig Mykorrhiza-Partner von Waldbäumen, und organische Substanzen, die aus dem Baum stammen, sind auch in der Orchidee nachzuweisen.

Die Blüten sind „Lippenblumen vom Orchis-Typ“, ohne Sporn. Die Unterlippe besteht aus 2 gelenkartig miteinander verbundenen Teilen, der hintere wannenförmige Teil trägt das Nektarium. Bestäuber, z.B. Faltenwespen, Bienen und Fliegen, heften sich, wenn sie wieder zurückkriechen, durch Berühren der Klebdrüse das ungestielte Pollinium an den Kopf, das dann auf andere Blüten übertragen wird. Wespen besuchen zwar die Blüten, tragen aber nicht zur Bestäubung bei, da sie sich die Pollinien nicht anheften. Selbstbestäubung ist selten. Blütezeit ist von Juli bis August.

Die Früchte sind hängende Kapseln, die sich bei Trockenheit mit Längsspalten öffnen. Die Kapseln setzen winzig kleine Samen in sehr großer Zahl frei, nämlich etwa 10.000 Samen pro Frucht. Sie werden durch den Wind ausgeblasen und breiten sich als Körnchenflieger mit einer Sinkgeschwindigkeit von 20 cm/s aus; dadurch können Flugweiten über 10 km erreicht werden. Fruchtreife ist von August bis September.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms.


Standort

Sie toleriert zwar in seltenen Fällen kalkfreie Böden, kommt aber in Regionen mit solchen Böden hauptsächlich nahe oder direkt an Waldwegen mit Kalkschotterauflage vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie Im Schänzle am Schänzlekopf in Bayern bis zu 1730 m Meereshöhe auf.

Verbreitung/Vorkommen

Diese Orchidee wächst in Europa, Asien und Nordafrika, als Neophyt auch in Nordamerika.

In den Laubwäldern auf den Jungmoränenplatten Norddeutschlands ist sie die am häufigsten vorkommende Orchidee. Diese Art wächst oft an Waldrändern und Lichtungen, da sie lichte bis halbschattige Wuchsorte bevorzugt. Gegenüber dem Kalkgehalt des Bodens ist diese Pflanzenart bis zu einem gewissen Grad anspruchslos.

Breitblättrige Stendelwurz Steckbrief

Blütenfarbe: blau, lila oder violett; grün, braun oder unscheinbar; rot, rosa oder purpurn;
Höhe/Länge von 20cm bis 80cm
Blütezeit von Juni bis August
Lebensraum: Auen; Wälder, Waldränder, Gebüsche, Lichtungen, Böschungen;
Blütenstand: Traube
Blattstellung: mittlere Stängelblätter wechselständig
Blattspreite: ungeteilt
Blattrand: ganzrandig;
Besonderheiten Blatt/Pflanze: Blätter stengelumfassend; parallele Blattnerven ( Kl.:Monocotyledoneae);
Verholzungsgrad: Stängel krautig
Häufigkeit: häufig
Lebensform: Kryptophyt (=Geophyt, Überdauerungsorgane (Erneuerungsknospen) überdauern unter der Erde/Schlamm/Wasser)
Lebensdauer: ausdauerndes Kraut (Staude);
Zeigerpflanze: Lehmzeiger;
Höhenstufen: Ebene / Tiefland (0-450m); Hochlage (1500-3000m); Mittellage (450-1500m);
Höhenstufe min: 0m
Höhenstufe max. in den Alpen: 1700m
Bestäubungsart: Insektenbestäubung;
Lichtbedarf: Halbschatten;
Nährstoffbedarf: basenreich; nährstoffreich;
Bodenart: +/- humoser Boden; lehmiger Boden / Lehmboden;
PH-Wert Boden: mäßig sauer; mild;
Bodenfeuchte: frisch;

Breitblättrige Stendelwurz Garten / Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten;
Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; lehmiger Boden / Lehmboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild;
Boden Feuchte: frisch;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;
Dr. Koll GemmoKomplex Nr. 2Dr. Koll GemmoKomplex Nr. 1Dr. Koll Gemmoextrakt: Coryllus avellana - HaselnussDr. Koll Pflanzenextrakt: Gelber Enzian – Gentiana lutea

Literatur

Bildquellenverzeichnis


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ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Schweiz! Kategorie VU (Verletzlich)





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