Gemeiner Erdrauch - Fumaria officinalis

Familie: Papaveraceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Giftpflanze Ackerwildkraut Bienenblume Alpenpflanze mediterrane Pflanze Hummelblume

<b>Gemeiner Erdrauch - <i>Fumaria officinalis</i></b>
Gemeiner Erdrauch - Fumaria officinalis
Bildquelle: © Bönisch 2012 - All rights reserved

Fumaria: lat. fumus = Rauch (Blattfarbe); "Erdrauch"
officinalis: arzneilich, gebräuchlich

andere Namen: Gewöhnliche Erdrauch


Gemeiner Erdrauch - Fumaria officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Carl Axel Magnus Lindman Bilder ur Nordens Flora 1901-1905">Carl Axel Magnus Lindman Bilder ur Nordens Flora 1901-1905</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Gemeiner Erdrauch - Fumaria officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Lidine Mia">Wikipedia User Lidine Mia</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)">CC BY 4.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fumaria_officinalis-1061.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fumaria_officinalis-1061.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fumaria_officinalis-1061.jpg</a>Gemeiner Erdrauch - Fumaria officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Salicyna">Wikipedia User Salicyna</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)">CC BY 4.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fumaria_officinalis_2019-03-30_8568.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fumaria_officinalis_2019-03-30_8568.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fumaria_officinalis_2019-03-30_8568.jpg</a>Gemeiner Erdrauch - Fumaria officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Jed">Wikipedia User Jed</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Merkmale

Es handelt sich um eine einjährige krautige Pflanze, die aufrecht bis aufsteigend, jedoch nicht kriechend oder kletternd wächst. Ihre Stängel erreichen Längen zwischen 10 und 50 cm.
Gewöhnlicher Erdrauch (Fumaria officinalis)

Die Laubblätter sind fiedrig zusammengesetzt mit stumpf lanzettlichen Fiedern, die schmaler als bei den meisten anderen Erdraucharten sind. Wie der Stängel sind auch die Blätter kahl und bläulich-grün. Dadurch wirkt ein Bestand von weitem „rauchähnlich“ (Name!).

Der traubige Blütenstand ist 20- bis 40-blütig und einschließlich des Blütenstandschaftes 3 bis 7 cm lang. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph. Die zwei Kelchblätter sind 1,5 bis 3,5 mm lang und 1 bis 1,5 mm breit, aber fallen leicht ab. Vier Kronblätter bilden die Krone, die rosa bis purpurn, an der Spitze oft dunkelrot bis schwarz gekrönt und in der Regel 8 bis 9 mm lang ist. Der Sporn weist eine Länge von etwa 2,5 mm auf. Die einsamigen Nussfrüchte sind 2 (bis 3) mm lang und sitzen auf einem aufrechten Stiel.

Die Blütezeit reicht von Mai bis November.

Die Chromosomenzahl beträgt bei der subsp. officinalis 2n = 14, 28 oder 32, bei der subsp. wirtgenii 2n = 48.

Ökologie

Beim Gewöhnlichen Erdrauch liegt Thigmonastie vor d. h. die Blattstiele sind bei Berührung reizbar; dadurch können sie sich auf eine Unterlage stützen oder diese sogar umwinden. Ein Wachsüberzug über Teile der Pflanze wirkt wasserabstoßend. Wasserüberschüsse werden aber auch durch nächtliche Wasserabgabe d. h. durch Guttation abgeführt. Die Pflanze wurzelt 20–60 cm tief.

Die zwittrigen Blüten werden in der Regel durch Insekten bestäubt, aber auch eine Selbstbestäubung ist möglich.

Die Nussfrüchte unterliegen zunächst der Schwerkraftausbreitung und können dann als Regenschwemmlinge weiter fortgetragen werden. Die Samen werden durch Ameisen verbreitet (Myrmechorie).

Entsprechend den ökologischen Zeigerwerten nach Ellenberg weist die Halbschattenpflanze auf warmgemäßigtes Seeklima und gleichmäßig leicht feuchte Gebiete hin. Außerdem lässt sie auf schwach saure, stickstoffreiche Böden schließen.

Es handelt sich bei dieser Art um einen Kulturbegleiter seit der jüngeren Steinzeit (Archäophyt).


Standort

Diese Art gilt als Nährstoffanzeiger. Sie wächst auf nährstoffreichem, bearbeitetem Boden wie in Gärten, auf Äckern oder Weinbergen oder an Ruderalstellen, wo sie überall häufig ist. Dabei tritt sie in kleinen Gruppen oder als Einzelexemplar auf.

Verbreitung/Vorkommen

Ursprünglich war diese Art in der gemäßigten und mediterranen Zone Eurasiens beheimatet. Heute ist sie fast weltweit verschleppt, tritt in den Tropen und Subtropen aber nur selten auf.

Inhaltsstoffe

Als Inhaltsstoffe sind bekannt: Benzylisochinolin-Alakaloide wie Scoulerin, Protopin (auch Fumarin genannt) und Fumaricin, das teilweise an Fumarsäure gebunden ist; weiterhin Caffeoyläpfelsäure und Flavonoide.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Bereits Plinius hat die Pflanze erwähnt. Als Arzneimittel wurde früher vor allem der Presssaft (Erdrauchsaft) aus dem frischen Kraut und werden heute meist die getrockneten blühenden Pflanzen eingesetzt. Erdrauchkraut als Tee verwendet man als Spasmolytikum bei krampfartigen Beschwerden im oberen Verdauungstrakt, insbesondere im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege. Für die Droge werden dabei neben krampflösenden auch regulierende Eigenschaften auf den Gallenfluss angegeben. Abführende Effekte wurden schon immer in der Volksheilkunde bei Verstopfung genutzt und eine gewisse harntreibende Wirkung bei chronischen Hautleiden. Diese Anwendung wurde in der Schulmedizin aufgegriffen und führte zum Einsatz synthetisch hergestellte Ester der Fumarsäure in der (unter ärztlicher Aufsicht durchgeführten) Therapie von Psoriasis.

Im September 1986 veröffentlichte die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes eine Monographie über Erdrauchkraut. Darin wurde die Anwendung von Zubereitungen aus dem Kraut zur Behandlung von krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege sowie des Magen-Darm-Traktes befürwortet.
Dr. Koll Gemmoextrakt: Juniperus communis - WacholderDr. Koll Gemmoextrakt: Fraxinus excelsior - EscheGemmoextrakt: Rubus idaeus - HimbeereGemmoextrakt: Ribes nigrum - schwarze Johannisbeere

Gemeiner Erdrauch - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; lehmiger Boden / Lehmboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild;
Boden Feuchte: frisch;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Gemeiner Erdrauch in
Kräuterbuch von Jacobus Theodorus "TABERNAEMONTANUS" anno 1664


Auszug aus "New vollkommenlich Kräuter-Buch : mit schönen und künstlichen Figuren aller Gewächs der Baümen, Stauden und Kräutern...:das erste [-das ander und dritte] Theil darinn viel und mancherley heilsamer Artzeney vor allerley innerlichen und eusserlichen Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehes sampt ihrem nützlichen Gebrauch beschrieben werden.../ durch Iacobum Theodorum Tabernaemontanum... ; das ander und dritte Theil...verbessert durch Hieronymum Bauhinum... ; mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, newen Registern und anderm vermehret durch Hieronymum Bauhinum..."

Tabernaemontanus M.DC.LXIV (1664): Das Erste Buch Von Kraeutern Taubenkropff Fumaria I

Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999

Quelle: Kräuterbuch von Jacobus Theodorus anno 1664; Foto: Arnulf Schultes 1999

Sonstiges

Die im 1. Jahrhundert von Dioskurides und Plinius beschriebene Pflanze «kapnos» lässt sich als Fumaria officinalis deuten. Ihr auf die Augenlider aufgestrichener Saft sollte das Wiederwachsen der aus den Lidern ausgezogenen Haare verhindern. Der Saft sollte die Augen klar machen und wie der Rauch Tränenfluss bewirken. Innerlich angewendet sollte er „verbrannte Cholera“ durch den Harn austreiben, Stuhlverstopfung beheben und den Magen kräftigen.

Die arabischen Ärzte des Mittelalters übernahmen diese Wirkungsangaben und fügten hinzu, dass der Erdrauch durch „Blutreinigung“ juckende Hautkrankheiten heile. In der nordeuropäischen Volksmedizin des 15. Jahrhunderts und in den Kräuterbuchinkunabeln wurde besonders hervorgehoben, dass Zubereitungen aus Erdrauchsaft im Bad eingenommen vor „Aussatz, Krätzigkeit und Räudigkeit“ bewahren sollten. Mit Wolfsmilch vermischt sollte Erdrauchsaft Wasseransammlungen beseitigen. Diese Anwendungsempfehlungen wurden in die Bücher der Väter der Botanik übernommen.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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