Stinkende Nieswurz - Helleborus foetidus

Familie: Ranunculáceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Giftpflanze immergrün Bienenblume Frühblüher Alpenpflanze

<b>Stinkende Nieswurz - <i>Helleborus foetidus</i></b>
Stinkende Nieswurz - Helleborus foetidus
Bildquelle: Wikipedia User Topjabot; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Helleborus: gr. Name des im Altertum gegen Wahnsinn an­ge­wandten Hel­le­borus ori­entalis, gr. helein = töten, bora = Spei­se (Giftpflanze); "Nies­wurz", "Christrose" (= H.niger, wg. der Blütezeit)
foetidus: stinkend


Stinkende Nieswurz - Helleborus foetidus; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Rasbak">Wikipedia User Rasbak</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Stinkende Nieswurz - Helleborus foetidus; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Bartiebert">Wikipedia User Bartiebert</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Helleborus_foetidus-82.JPG" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Helleborus_foetidus-82.JPG">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Helleborus_foetidus-82.JPG</a>

Die zu den Halbsträuchern zählende Stinkende Nieswurz wächst horstig und wird bis zu 60 Zentimeter hoch und 60 bis 90 Zentimeter breit. Die einzelnen Triebe bilden Stämmchen, die einige Jahre wachsen, bis sie die Blühreife erlangen, nach der Samenreife sterben sie ab. Zuvor wachsen Seitentriebe aus ruhenden Knospen, die bereits im darauffolgenden Jahr wieder blühen können.

Die Blüten dieser sehr früh blühenden Art erscheinen im Herbst und öffnen sich bereits im späten Winter bis zum Beginn des Frühjahrs. Die robuste und gut frostharte Pflanze ist immergrün und produziert Büschel becherförmiger, nickender, 5 cm breiter hellgrüner Blüten, die gelegentlich einen leicht rötlichen Blütenrand aufweisen. Die Blüten bestehen aus jeweils fünf Blütenhüllblättern und an ihrem Grund befinden sich kleine, schlauchförmige Nektarblätter. Der dort angebotene Nektar ist nur für Hummeln und Pelzbienen erreichbar.

Die Stinkende Nieswurz ist ein immergrüner Halbstrauch (Chamaephyt). Bei der Pflanze finden sich stufenweise Übergänge von Laubblättern zu Hochblättern und Blütenblättern (Perigon). Sie dient deshalb als Paradebeispiel für die Ableitung der Blütenblätter von den Laubblättern.

Die hängende Blüten sind vorweibliche „Glockenblumen mit klebrigem Pollen“. Sie werden von Bienen bestäubt. Hefekulturen zersetzen teilweise den Nektar. Sie erzeugen in der Blüte Temperaturen, die bis zu 6 °C über der der Umgebung liegen können und auch bei tiefen Temperaturen Hummeln zur Bestäubung anlocken.

Die Stinkende Nieswurz verhindert eine Selbstbestäubung dadurch, dass sie vorweibliche Blüten entwickelt. Die Blüten haben einen Mechanismus, den man botanisch als "Streukegeleinrichtung" bezeichnet. Ihre Pollen regnen auf die besuchenden Insekten herab und werden dadurch zu anderen Blüten gebracht.

Aus jeder bestäubten Blüte entwickeln sich drei bis fünf Balgfrüchte, die bis zu 3 cm lang werden. Diese sind im unteren Drittel fest miteinander verwachsen. Reifen die Balgfrüchte heran, werden die Fruchtwände hellbraun und pergamentartig und öffnen sich entlang ihrer Bauchnaht. In den Balgfrüchten, die bei Reife nach unten hängen, sind die ovalen Samen in zwei Reihen angeordnet. Reifen sie heran, nehmen diese eine schwärzliche Farbe an und erreichen eine Länge bis zu 4 mm. Durch Windstöße werden die Samen aus den Balgfrüchten gelöst und fallen zu Boden.

Als Verbreitungsmechanismus der Samen nutzt die Stinkende Nieswurz die sogenannte Myrmekochorie, wie die Samenverbreitung durch Ameisen bezeichnet wird. Die Samen tragen ein großes, helles Anhängsel, das sogenannte Elaiosom. Dieses Elaiosom enthält Glukose, Fruktose, Fette und das Vitamin C und stellt damit für Ameisen einen wertvollen Nahrungslieferanten dar. Ameisen sammeln die Samen ein, transportieren sie zum Bau, trennen dort den eigentlichen Samen vom Elaiosom und tragen die Samen wieder aus dem Bau.


Standort

Man findet die Stinkende Nieswurz zerstreut, aber gesellig in krautreichen Eichen- und Buchenwäldern, im Schlehengebüsch und an Waldsäumen. Sie bevorzugt steinigen, zumindest etwas kalkhaltigen, lockeren, humosen Lehm- oder Lößboden, in Gegenden, in denen eher hohe Luftfeuchtigkeit als Trockenheit herrscht und wo während des Winters extreme Fröste fehlen.

Verbreitung/Vorkommen

Die südwesteuropäische Pflanze erreicht bei uns den östlichsten Rand ihres natürlichen Verbreitungsgebiets.

Giftigkeit

Die Pflanze ist durch das Helleborin sehr giftig. Es ist ein Saponingemisch, das hauptsächlich aus Steroidsaponinen besteht. Es wirkt Schleimhaut reizend und regt zum Niesen an. Hellebrin wurde nach neueren Untersuchungen nicht festgestellt. Protoanemonin (auch Anemonol oder Ranunculol) ist ein Lacton der Hydroxy-penta-2,4-diensäure, welches in unterschiedliche Konzentration als Toxin in allen Hahnenfußgewächsen vorkommt.

Es wird bei Verletzung der Pflanzen freigesetzt und bei Kontakt mit der Haut oder Schleimhaut kommt es zu Vergiftungserscheinungen wie Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung auf der Haut (Hahnenfußdermatitis). Bei der inneren Aufnahme beeinflusst es das Nervensystem: Es kommt zu Erbrechen, Durchfall und Schwindelanfällen, aber auch zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen.

Es ist wirksam gegenüber Pilzen.

Beim Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin in das ungiftige Anemonin übergeführt.

Inhaltsstoffe

Die Blütenblätter enthalten Ranunculosid.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Früher wurde die Stinkende Nieswurz in der Volksmedizin als Heilpflanze verwendet, sie ist aber wegen unerwünschter Nebenwirkungen dafür nicht mehr in Gebrauch.
Über die Wirkung und Wirkungsweise von Helleborus niger ist mehr bekannt als über die Wirkung von Helleborus foetidus. Präklinische Versuche an Leukämie-Zellkulturen zeigten, dass die Zelltoxizität dieser Nieswurz-Art eher noch stärker zelltoxisch wirkt als die Christrose (Helleborus niger). Zur Anwendung beim Menschen liegen bisher erst wenige Erfahrungen vor.
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Stinkende Nieswurz - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; Lößboden; steiniger Boden / Kies / Grus;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild; neutral;
Boden Feuchte: frisch; mäßig trocken;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Wie die gleichfalls zu der Gattung der Nieswurzen gehörende Christrose ist sie eine beliebte Gartenpflanze. Unter den Arten dieser Gattung ist sie die Pflanze, die am besten Sonne und Trockenheit toleriert. Im Garten etablierte Pflanzen säen sich oft selbst aus.

Sonstiges

Ameisenausbreitung

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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