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Stink-Wacholder

Juniperus sabina L.

Der Stink-Wacholder ist ein Strauch, der meist Wuchshöhen von nur 1 bis 2, selten 5 Meter erreicht. Er wächst selten ganz aufrecht und meist mehr oder weniger kriechend. Die Borke an älteren Pflanzen ist rötlich-braun. Die Äste weisen einen runden oder leicht kantigen Querschnitt auf.

Es gibt zwei unterschiedliche Blattformen. In der Jugend bildet er wirtelig angeordnete 4 bis 5 Millimeter lange, nadelförmige, spitze Blätter aus, die oben bläulich sind. Im Alter treten zusätzlich kreuz-gegenständig angeordnete schuppenförmige Blätter auf, die eiförmig und 1 bis 4 mm lang sind. Sie riechen beim Zerreiben unangenehm, und haben eine Lebensdauer von 2 bis 3 Jahren.

Es treten sowohl einhäusige (monözische) als auch zweihäusig (diözische) getrenntgeschlechtige Individuen auf. Die Blütezeit liegt von März bis Mai. Die beerenförmigen Zapfen sind ei- bis kugelförmig, 5 bis 7 Millimeter groß. Sie reifen im Herbst im gleichen Jahr der Befruchtung oder im nächsten Frühling und sind dann schwarzblau bereift. In jedem Zapfen sitzen ein bis drei eiförmige und gefurchte Samen.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 22.

Der Sadebaum wird von der Weltnaturschutzunion IUCN zwar in der Roten Liste gefährdeter Arten[6] geführt, jedoch als nicht gefährdet („Least Concern“) bezeichnet. Allerdings wird eine Evaluierung der Situation auf Grund unaktueller Daten für notwendig erachtet.

In der Roten Liste der Schweiz[7] wird der Sadebaum (Juniperus sabina) als nicht gefährdet („LC“) beurteilt. Die deutschen Vorkommen werden als "gefährdet" („3“) beurteilt.[8]

Mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Nr.92/43/EWG in der aktualisierten Fassung vom 1. Januar 2007 (FFH-RL)[9] Anhang 1 der Europäischen Union werden Schutzgebietausweisungen für folgende Lebensraumtypen, in denen Wacholder vorkommen - also auch für den Sadebaum - gefordert:

Mediterrane Küstendünen mit Wacholderarten Juniperus spp. - die Inschutzstellung dieser Lebensräume wird als prioritär durchzuführend gefordert.
Baumförmige Hartlaubgebüsche (Matorrals) mit Wacholderarten Juniperus spp.
Endemische Wälder mit Wacholderarten Juniperus spp. - die Inschutzstellung dieser Lebensräume wird als prioritäre Angelegenheit angesehen.

Das ätherische Sadebaumöl greift beim Menschen die Magenschleimhaut an, verursacht Blutandrang in den Nieren und damit Hämaturie. Auch andere innere Organe werden angegriffen. Bei Frauen kann das Öl Menorrhagie auslösen und zu Fehlgeburten führen. Daher wurden die Früchte auch gezielt zur Abtreibung genutzt. Auch als Mittel gegen Würmer fand der Sadebaum Anwendung. Schon wenige Tropfen des ätherischen Öls sind für den Menschen tödlich, bereits durch Einreiben sind Vergiftungen möglich.

In der Vergangenheit sind immer wieder Wacholderbeeren, die mit Sadebaumbeeren verunreinigt waren, zum Aromatisieren von Gin verwendet worden. Zumindest in Spanien werden Wacholderbeeren deswegen staatlich untersucht.

Giftige Pflanzenteileganze Pflanze
Giftigstes PflanzenteilBeere
GiftstoffeThujone, ätherische Öle, Thujene, Monoterpene

Folgesymptome

Übelkeit, Unruhe / Erregung, Bewusstlosigkeit, Atemlähmung, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, längerfristig Krebserregend (karzinogen), Blut im Urin (Hämurie), Leberschädigung, Blutungsneigung, Nierenschädigung, Lähmungen des zentralen Nervensystems, Gebärmutterkrämpfe

Symptome bei Hautkontakt

Blasenbildung, Hautausschlag, Hautreizung, Rötung, Schleimhautreizung, Brennen auf der Haut, Gewebsnekrose

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), viel Wasser trinken, Erbrechen auslösen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser, Haut-Schleimhautkontakt: Blasen steril abdecken

Standort

Der Sadebaum ist lichtbedürftig und besiedelt flachgründige, felsige, oft basenreiche Böden. Er kommt in Felsritzen, Felshängen, Trocken- und Steppenrasen und in lichten Kiefern- und Lärchenwäldern bis in Höhenlagen zwischen 1400 und 2300 Metern vor. In den Allgäuer Alpen steigt er an der Schneck-Ostwand in Bayern bis zu 2100 m Meereshöhe auf. Er kommt vor in Gesellschaften der Klasse Pulsatillo-Pinetea.[1

Verbreitung & Vorkommen

Der Sadebaum kommt mit vier Varietäten in Europa in einer Vielzahl von Staaten beginnend mit Spaniens Sierra Nevada über die Pyrenäen, die Alpen, die Gebirge der Balkanhalbinsel und weitere Mittelgebirge bis zur Halbinsel Krim vor. Einen weiteren Verbreitungsschwerpunkt kennt man im Kaukasus. Ein kleines Vorkommen gibt es im algerischen Djurdjura-Gebirge. Das östliche Verbreitungsareal findet man in Zentralasien vor. Im Einzelnen sind dies südliche Regionen Sibiriens in Russland, weiters Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, das westliche China und die nördliche Mongolei.

In den Alpen befinden sich Vorkommen in Italiens Südtirol, in den österreichischen Bundesländern Kärnten und Tirol, in den Schweizer Kantonen Wallis und Graubünden mit dem Unterengadin sowie in Bayern in den Berchtesgadener Alpen und den Ammergauer Alpen. Durch seine Verwendung in der Volksmedizin wurde sein Vorkommen weit über sein natürliches Verbreitungsgebiet erweitert.

Inhaltsstoffe

Der Sadebaum ist in allen Teilen giftig. Verantwortlicher Hauptwirkstoff ist das ätherische Sadebaumöl. Im Vergleich zum Öl des Gemeinen Wacholders (Juniperus communis) enthält es weit mehr Ester, hat einen höheren Acetylgehalt und ist rechtsdrehend. Das Sadebaumöl enthält vor allem α-Pinen und Cadinen, aber auch bis zu 50 Prozent Sabinen, 35 % Sabinylacetat sowie unverestertes Sabinol und Diacetyl.

Aus derselben Gattung (Juniperus)

Alle Pflanzen der Gattung Juniperus

Aus derselben Familie (Zypressengewächse)

Alle Pflanzen der Familie Zypressengewächse