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Blaue Heckenkirsche

Lonicera caerulea L.

Die Blaue Heckenkirsche ist ein Strauch, der Wuchshöhen von 60 bis 80, selten bis zu 150 Zentimetern erreicht. Die Rinde der nicht windenden Äste und Stängel ist anfangs dunkelbraun sowie teilweise bereift und später ist sie graubraun sowie abblätternd. Die Winterknospen sind braun-rot, teilweise bläulich bereift. Die Endknospen sind bei einer Länge von 9 Millimetern kugelig mit einer ausgezogenen Spitze. Die Seitenknospen sind eilänglich, abstehend und besitzen gekielte Knospenschuppen. Häufig kommen Beiknospen vor.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist bis zu 5 Millimeter lang. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 7 Zentimetern elliptisch-eiförmig und ganzrandig.
Die Blüten stehen zu zweit in den Blattachseln an einem gemeinsamen Stiel (Hypopodium), der kürzer als die Blüten ist. Die Blüten sind grünlich-gelb und schwach zygomorph. Die beiden Fruchtknoten eines Blütenpaares sind fast vollständig miteinander verwachsen. Die Blütezeit reicht von Mai und Juni. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Bienen, Hummeln). Aus diesem Doppelfruchtknoten entstehen wenigsamige, schwarzblaue Doppelbeeren.

Die Chromosomenzahl beträgt je nach Varietät 2n = 18 oder 36.

Sehr stark giftig

Wahrscheinlich sind alle Geißblatt-Arten (Lonicera) giftig. Vergiftungszentralen werden häufig wegen der Früchte konsultiert, obwohl diese nach neueren Untersuchungen nur schwach giftig sind. Bei der hier beschriebenen Art wird aufgrund der nahen Verwandtschaft zur Roten Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) von der Möglichkeit der Giftwirkung der Roten Heckenkirsche ausgegangen, da genaue Daten und Erfahrungen zur hier aufgeführten Art nicht vorliegen.
Nach dem Verzehr von mehr als 20 Früchten wurden Vergiftungssymptome wie mindestens Brechdurchfälle und Reizungen des Verdauungssystems beobachtet. Die Wirkung geht eher auf Saponine als auf Alkaloide zurück. Nach älteren Angaben werden weit geringere Mengen (5 Beeren) für Vergiftungen verantwortlich gemacht.

Giftige PflanzenteileBeere
GiftstoffeAlkaloide, Saponine, cyanogene Glykoside

Folgesymptome

Übelkeit, Bauchschmerzen, Schwindel, Unruhe / Erregung, Atmungsstörungen, Atemlähmung, Pupillenerweiterung, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Puls (Tachykardie), kalter Schweiß, Zittern, Krämpfe, erhöhter Harndrang, Nierenschädigung, Gesichtsrötung, blutiger Durchfall, Temperaturerhöhung (Hyperthermie), bläuliche Verfärbung der Haut (Zyanose)

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), viel Wasser trinken, Erbrechen auslösen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser

Standort

Lonicera caerulea var. caerulea wächst in feuchten Wäldern, Gebüschen, in der Krummholzregion und in Hochmooren. Sie besiedelt vor allem feuchte bis nasse, nährstoff- und kalkarme Rohhumusböden.

Verbreitung & Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der in Europa heimischen Varietät Lonicera caerulea var. caerulea reicht von den Pyrenäen über die Alpen bis ins südwestliche Tschechien und nach Südosten bis Bulgarien. In Deutschland kommt sie nur in Baden-Württemberg und Bayern vor, in Österreich in allen Bundesländern außer Wien und Burgenland.

Lonicera caerulea var. caerulea kommt von der montanen bis zur subalpinen Höhenstufe bis in Höhenlagen bis zu 2100 Metern vor. In den Allgäuer Alpen steigt Lonicera caerulea var. caerulea im Tiroler Teil auf der Mutte nahe der Jöchelspitze bis in eine Höhenlage von 2010 Meter auf.

Lonicera caerulea var. caerulea ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung der Fichtenwälder (Piceetalia abietis), kommt aber auch in den Gesellschaften der Ordnung der Schlehen-Hecken (Prunetalia spinosae) und der Grau-Weiden-Gebüsche (Salicion cinereae) vor.

Aus derselben Gattung (Lonicera)

Alle Pflanzen der Gattung Lonicera

Aus derselben Familie (Geißblattgewächse)

Alle Pflanzen der Familie Geißblattgewächse