Wald-Bingelkraut - Mercurialis perennis

Familie: Euphorbiáceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Giftpflanze Frühblüher Alpenpflanze

<b>Wald-Bingelkraut - <i>Mercurialis perennis</i></b>
Wald-Bingelkraut - Mercurialis perennis
Bildquelle: Schultes2017; Bildlizenz: Public Domain;

Mercurialis: n. d. röm. Gott Merkur; "Bingelkraut"
perennis: ausdauernd

andere Namen: Wildhanf

Am Wald-Bingelkraut entdeckte Rudolf Jacob Camerer 1694 in Tübingen die Sexualität der Pflanzen.

Wald-Bingelkraut - Mercurialis perennis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Prof. Dr. Otto Wilhelm Thom Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany">Prof. Dr. Otto Wilhelm Thom Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Wald-Bingelkraut - Mercurialis perennis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Schultes2017">Schultes2017</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Wald-Bingelkraut - Mercurialis perennis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Schultes2017">Schultes2017</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>;

Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 30 cm. Obwohl zu den Wolfsmilchgewächsen gehörend, besitzt sie keinen Milchsaft. Sie hat einfache, vierkantige, am oberen Abschnitt beblätterte Stängel (unten nur mit Schuppenblättern). Die Laubblätter sind deutlich gestielt, elliptisch bis länglich-eiförmig und etwa dreimal so lang wie breit.

Die Art ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also weibliche und männliche Pflanzen mit entweder weiblichen oder männlichen Blütenständen. Die Blüten sind klein, grün und reduziert. Die männlichen Blüten haben zahlreiche Staubblätter. Die Art ist windblütig.

Das Wald-Bingelkraut ist ein Rhizom-Geophyt, der im atlantischen Klima möglicherweise wintergrün ist. Seine Blätter riechen unangenehm. Die Blüten sind streng zweihäusig und riechen durch Amine fischartig. Sie werden von Insekten und durch den Wind bestäubt. Die Früchte sind zwei- bis dreifächrige Kapselfrüchte mit einsamigen Teilfrüchten. Die Entwicklung von Samen ist auch bei ausbleibender Bestäubung möglich (Apomixis). Es findet reichlich vegetative Vermehrung durch verzweigte Ausläufer statt, weswegen männliche und weibliche Pflanzen oft getrennt stehen. Beim Trocknen z. B. im (Herbarium) nimmt die Pflanze gewöhnlich durch Bildung von Indigo einen blauschwarzen Metallglanz an.


Standort

Es bevorzugt feuchten, nährstoff- und basenreichen, lockeren Boden an eher schattigen Standorten.

Verbreitung/Vorkommen

Das Wald-Bingelkraut ist in Europa und Vorderasien verbreitet.

Man findet es häufig und gesellig in krautreichen Buchen- und Nadelwäldern, auch in Eichen- und Eschenauenwäldern oder in Hochstaudenfluren. Es zeigt Sickerwasser an. In Lehm- und Kalkgebieten tritt es oft in großen Gruppen auf.
Nach Ellenberg ist es ein Stickstoffzeiger und eine Ordnungscharakterart der Edellaub-Mischwälder und verwandter Gesellschaften (Fagetalia sylvaticae).

Giftigkeit

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze hat zur Fruchtreife den höchsten Wirkstoffgehalt. Das getrocknete Kraut soll ohne Wirkung sein. Die ganze Pflanze gilt insgesamt als wenig giftig.

Vergiftungserscheinungen: Die Wirkung als Abführmittel ist den Saponinen zuzuschreiben. Vergiftungen beim Menschen sind kaum zu erwarten.

Durch die Aufnahme von Mercurialis-Arten kann es bei Pferden, Schweinen und Wiederkäuern zu einer Gastroenteritis und Schädigung der Nieren und der Leber kommen. Als Symptome treten vielfach erst nach Tagen auf: Speichelfluss, Fresslust, Teilnahmslosigkeit, Stöhnen, als charakteristisches Merkmal Torticollis (schiefe Halsstellung), steigende, dann sinkende Temperatur, Rotblaufärbung des Harns (bei Wiederkäuern auch der Milch), pochender Herzschlag mit frequentem, kleinen Puls, zunehmende Schwäche. Auch der Tod kann eintreten.

Inhaltsstoffe

Hauptwirkstoffe: Saponine, Methylamin, Trimethylamin.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis gehört zu den Anwendungsgebieten z.B. als Salbe die Anregung der Heilungsvorgänge bei schlecht heilenden, auch eiternden, oberflächlichen und tieferen entzündlichen Prozessen, z.B. Schrunden (Rhagaden), Hauteinrisse (Fissuren), Wunden, Furunkel, Ekzeme.
Augentropfen werden zur Anregung des Flüssigkeitsorganismus im Augen-
bereich bei trockener Bindehautentzündung und Tränenmangel.
Arzneimittel:
Mercurialis perennis D3 Augentropfen WELEDA
Mercurialis Augentropfen
Mercurialis perennis 10% -Salbe WELEDA
Mercurialis perennis 20% Tinktur WELEDA
Dr. Koll Pflanzenextrakt: Gelber Enzian – Gentiana luteaDr. Koll GemmoKomplex Nr. 3Dr. Koll Gemmoextrakt: Quercus pedunculata - EicheGemmoextrakt: Tilia tomentosa - Silberlinde

Wald-Bingelkraut - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; sandiger Boden / Sandboden; steiniger Boden / Kies / Grus;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild;
Boden Feuchte: frisch;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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