Wanzen-Knabenkraut - Orchis coriophora

Familie: Orchidaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Alpenpflanze

<b>Wanzen-Knabenkraut - <i>Orchis coriophora</i></b>
Wanzen-Knabenkraut - Orchis coriophora
Bildquelle: Wikipedia User Biloucommonswiki; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orchis_coriophora.jpeg


Orchis: gr. orchis = Hoden (Form der Wur­zel­knollen); "Kna­ben­kraut"

Das Wanzen-Knabenkraut ist eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Orchideen Deutschland. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war diese Art noch in ganz Deutschland vertreten. Heute gibt es nur noch einige wenige Restvorkommen in Baden-Württemberg und Bayern, die den allergrößten Schutzstatus genießen.

Im Jahr 1997 wurde das Wanzen-Knabenkraut vom Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland zur „Orchidee des Jahres“ erklärt, um auf die hohe Schutzwürdigkeit und die Problematik der Zerstörung der Biotope aufmerksam zu machen.


Wanzen-Knabenkraut - Orchis coriophora; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Luis nunes alberto">Wikipedia User Luis nunes alberto</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orchis_coriophora1.JPG" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orchis_coriophora1.JPG">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orchis_coriophora1.JPG</a>Wanzen-Knabenkraut - Orchis coriophora; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Orchi">Wikipedia User Orchi</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Das Wanzen-Knabenkraut ist ein sommergrüner, perennierender, krautig wachsender Knollengeophyt mit zwei eirunden Knollen als Überdauerungsorgan. Die Höhe des schwach kantigen, hellgrünen Stängels variiert von 20 bis 50 Zentimetern. An seinem Grund sind ein bis zwei bräunliche Schuppenblätter und zwei bis vier rosettenartige Grundblätter angelegt. Diese ungefleckten, breit lanzettlich, zugespitzten Rosettenblätter sind etwa 10 bis 19 Zentimeter lang und 2 bis 5 Zentimeter breit. Im oberen Teil des Stängels befinden sich zwei bis drei weitere Laubblätter, die aber nicht bis zur Blütenähre reichen. Die lanzettlichen, grün bis rot-braun überlaufenen Tragblätter werden 9 bis 11 Millimeter lang und 2 bis 2,5 Millimeter breit.

Der schmal zylindrische Blütenstand besteht aus 15 bis 40 kleinen, dicht beieinander stehenden Blüten. Ihre Farbe ist bräunlich, rot, rosa oder grünlich. Die Perigonblätter bilden einen schnabelartigen Helm. Die eiförmig zugespitzten Kelchblätter (Sepalen) sind etwa 6 bis 10 Millimeter lang und 2 bis 3 Millimeter breit. Die seitlichen Kronblätter (Petalen) sind linealisch, 4 bis 6 Millimeter lang und 1,5 bis 2 Millimeter breit. Die Lippe (Labellum) ist dreilappig, kegelförmig nach unten gebogen, 5 bis 10 Millimeter lang und 5 bis 6 Millimeter breit. Sie ist am Rand dunkler und in der Mitte mit purpurnen Punkten oder Strichen gezeichnet.

Die Blütezeit dieser Art beginnt im Mittelmeergebiet bereits im April, in Mitteleuropa Mitte Mai und endet Mitte Juli.


Standort

Das Wanzen-Knabenkraut hat seinen Lebensraum in mageren, moorigen Feuchtwiesen, lichten Wäldern und Gebüschen, aber auch auf trockenen bis feuchten, basenreichen Humus- und Tonböden.

Verbreitung/Vorkommen

In Europa ist das Wanzen-Knabenkraut in der meridional/montanen und temperaten, submediteranen Florenzone verbreitet.

Die obere Grenze der Höhenverbreitung liegt bei etwa 2500m (Marokko).

Das Verbreitungsareal erstreckt sich von Nordafrika über die iberische Halbinsel, die Balearen, Frankreich, Mitteleuropa, Süd- und Südosteuropa bis in Teile von Russland.

In Deutschland ist das Wanzen-Knabenkraut nur noch mit einigen Restvorkommen am Bodensee und in Bayern anzutreffen.
Schweiz
Österreich
Selten in den Bundesländern Burgenland, Wien, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Salzburg. Im Alpengebiet stark gefährdet. Im nördlichen und südöstlichen Vorland der Alpen vom Aussterben bedroht.
Fella-Entoxin®Ekzem-Entoxin® ND.-B.-Entoxin® NAdenolin-Entoxin® NN

Wanzen-Knabenkraut - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkarmer / kalkfreier Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; toniger Boden / Tonboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; neutral;
Boden Feuchte: frisch;
Boden Nährstoffgehalt: nährstoffarm;

Sonstiges

Das Wanzen-Knabenkraut ist eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Orchideen Deutschland. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war diese Art noch in ganz Deutschland vertreten. Heute gibt es nur noch einige wenige Restvorkommen in Baden-Württemberg und Bayern, die den allergrößten Schutzstatus genießen. Einige Standorte konnten jedoch auch trotz Schutz und Pflege nicht erhalten werden. Der Grund dafür ist noch nicht restlos geklärt, wahrscheinlich ist Stickstoffeintrag aus der Luft einer der Hauptgründe. Da das Wanzen-Knabenkraut als extrem konkurrenzschwach gilt, wird es sehr schnell von anderen Pflanzenarten verdrängt und verschwindet recht schnell. Die wohl größte Gefährdung der noch verbliebenen Populationen dürfte durch Pflanzenraub gegeben sein. Immer wieder werden Standorte geplündert, dies geschah zuletzt 2011 in größerem Ausmaß in einem Biotop am Lech, wo laut Angabe des Arbeitskreises Heimischer Orchideen Bayern e.V. (AHO) circa 50 Pflanzen ausgegraben wurden.

Regionen:

Nordjura: stark gefährdet; Westjura: ausgestorben; Nordostschweiz: ausgestorben; Westliches Mittelland: ausgestorben; Östliches Mittelland: stark gefährdet; Westliche Nordalpen: ausgestorben; Östliche Nordalpen: stark gefährdet; Westliche Zentralalpen: stark gefährdet; Östliche Zentralalpen: stark gefährdet; Südalpen: stark gefährdet.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



Diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz