Sumpf-Herzblatt - Parnassia palustris

Familie: Parnassiaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Alpenpflanze

<b>Sumpf-Herzblatt - <i>Parnassia palustris</i></b>
Sumpf-Herzblatt - Parnassia palustris
Bildquelle: © Bönisch 2009 - All rights reserved

Parnassia: n. d. Berg Parnassos bei Delphi (Musensitz, wg. der Schön­heit der Blüten); "Herzblatt"
palustris: sumpfig, moorig

andere Namen: Studentenröschen


Sumpf-Herzblatt - Parnassia palustris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Deutschlands Flora in Abbildungen 1796">Deutschlands Flora in Abbildungen 1796</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Sumpf-Herzblatt - Parnassia palustris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User File Upload Bot Magnus Manske">Wikipedia User File Upload Bot Magnus Manske</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parnassia_palustris_(7833302858).jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parnassia_palustris_(7833302858).jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parnassia_palustris_(7833302858).jpg</a>Sumpf-Herzblatt - Parnassia palustris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Rotatebot">Wikipedia User Rotatebot</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parnassia_palustris.jpeg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parnassia_palustris.jpeg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parnassia_palustris.jpeg</a>

Das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) ist eine Pflanzenart der Gattung Herzblatt (Parnassia) und in Mitteleuropa der einzige Vertreter der Familie der Herzblattgewächse (Parnassiaceae). Es ist die am weitesten verbreitete Art der Gattung Parnassia.

Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht je nach Standort Wuchshöhen von fünf bis 30 Zentimetern. Das Rhizom ist aufrecht und nicht selten verzweigt, mit rosettiger Beblätterung an der Spitze.

Die 2-12 herzförmigen Grundblätter des Hemikryptophyten sind gestielt, ganzrandig und werden zwischen ein und vier Zentimeter lang. Sie sind wie der Rest der Pflanze kahl. Der kantige Stängel hat in der unteren Hälfte meist ein sitzendes, tief herzförmiges, stängelumfassendes Blatt, das gelegentlich fehlen kann. Selten sind auch zwei Stängelblätter vorhanden.

Am einköpfigen Stängel sitzt eine 10 bis 30 Millimeter breite, weiße Blüte. Die fünf eiförmigen, zwischen 8 und 15 Millimeter langen Kronblätter besitzen deutlich eingesenkte, farblose Längsadern, die dunkler erscheinen. Die fünf Nektarschuppen werden etwa 0,3-mal so lang wie die Kronblätter und stehen vor diesen. Die Nektarschuppen sind spatelförmig mit meist 7-15 fächerförmig spreizenden, zur Mitte hin längeren Fransen. Von diesen endigt jede in einer kugeligen, gelblichen und glänzenden, nicht sezernierenden Drüse. Die fünf Staubblätter, mit kurzen, dicken Filamenten und breiten, gelblichen Antheren, wechseln mit den Nektarschuppen ab. Die fünf Kelchblätter sind abstehend und am Grund verbunden. Sie sind kürzer als die Kronblätter. Der Äquatordurchmesser der Pollenkörner beträgt 18 bis 33 µm.

Der oberständige, eiförmige Fruchtknoten setzt sich aus vier verwachsenen Fruchtblättern (synkarp) zusammen. Die vier sitzenden, kommissuralen Narben bilden an der Frucht einen mehr oder weniger deutlichen Schnabel. Selten kommen auch Fruchtknoten mit drei Fruchtblättern bzw. 3 Narben vor. Die 5 bis 12 Millimeter langen Früchte sind fachspaltig sich öffnende, eiförmige Kapseln, die zahlreiche 1,1 bis 1,7 mm lange, braune Samen enthalten. Die Samen haben eine feine Netzstruktur, sind länglich und oft auch etwas gekrümmt, mit breitem Flügelrand. Durch den Flügelrand gelten die Samen als Ballonflieger, generell gilt die Pflanze als ein Wind- und Tierstreuer. Da die Samen kein Nährgewebe enthalten, werden die Keimlinge vermutlich durch einen Pilz ernährt (mykotroph).

Das Hypokotyl erreicht zusammen mit den nicht einmal halb so langen Kotyledonen eine Länge von etwa 0,25 mm des insgesamt 0,7 mm langen Embryos. Die auffälligen palisadenartigen Epidermiszellen sind etwa doppelt so groß wie die Zellen der darunter gelegenen Schichten. Durch die vielen Ähnlichkeiten mit den Samen des Wald-Geisbartes (Aruncus dioicus) gilt dies auch als Paradebeispiel der Konvergenz nicht näher verwandten Arten.


Verbreitung/Vorkommen

Das Sumpf-Herzblatt hat eine nordisch-eurasiatische, zirkumpolare Verbreitung. Das Areal reicht hierbei von Island über Japan bis zur James Bay in Kanada. In Europa ist die Pflanze nur im Süden selten, wo sie auf Gebirgsregionen beschränkt ist. So bilden die Pyrenäen in Europa die südliche Grenze. In den Rocky Mountains ist das Sumpf-Herzblatt bis Wyoming und North Dakota, Minnesota und Michigan verbreitet. Die Pflanze gedeiht von der Ebene bis ins Gebirge und steigt in Oberbayern bis 2320 m, in Tirol bis 2530 m, im Unter-Engadin bis 2650 m und im Wallis (Gandegghütte) schließlich bis 3005 m Seehöhe.

Als Standort werden sumpfige Wiesen, Quellfluren und Flachmoore bevorzugt. Das Sumpf-Herzblatt gedeiht aber auch auf Böschungen (etwa Straßenböschungen), die bei Regen aus dem Graben Wasser ziehen können. Es bevorzugt sickerfeuchte, etwas kalkhaltige Böden, aber auch feuchte Kalkmagerrasen.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die Pflanze findet heute keine Verwendung mehr, wurde früher jedoch unter der Bezeichnung Herba et Flores Hepaticae albae seu Parnassiae offizinell als Mittel gegen Herzklopfen geführt. Weiters wurde versucht, Augenkrankheiten, Leberleiden und Durchfall mit ihr zu kurieren. Weitere Verwendung fand sie als Diureticum und sie wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Russland als Mittel gegen Epilepsie eingeführt. Als volkstümliches Mittel fand die Pflanze in Bier gekocht Verwendung gegen Magenbeschwerden.
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Sumpf-Herzblatt - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; Lößboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild;
Boden Feuchte: feucht; sickerfrisch; wechselfrisch;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Sonstiges

Das Sumpf-Herzblatt ist nach der deutschen Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Bis 1988 bestanden die Gefährdungsfaktoren in Deutschland vor allem in der Entwässerung und Aufforstung von Moorstandorten, Kultivierung von Mooren und dem Trockenlegen von Feuchtwiesen, aber auch in der Absenkung des Grundwasserspiegels sowie Auffüllung feuchter Senken. Heute hält die Gefährdung vor allem durch Eutrophierung der Böden durch Immissionen und Düngereintrag an. Diese Veränderungen führen zu einer raschen Verdrängung der konkurrenzschwachen Art.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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