Sumpf-Läusekraut - Pedicularis palustris

Familie: Sommerwurzgewächse - Orobanchaceae

Kategorie: Halbschmarotzer  Alpenpflanze  Hummelblume  Giftpflanze  

Sumpf-Läusekraut Info

Pedicularis: lat. pediculus = Laus (Mittel gegen Läuse); "Läu­se­kraut"
palustris: sumpfig, moorig

Läusekräuter sind so genannte Halbschmarotzer. Vollschmarotzer wie die Sommerwurz beziehen Wasser und sämtliche Nährstoffe aus den Wurzeln benachbarter sogenannter Wirtspflanzen. Halbschmarotzer betreiben eigenständig Fotosynthese, gewinnen also mittels Blattgrün (Chlorophyll) aus Wasser und Kohlendioxid unter Zuhilfenahme des Sonnenlichts Sauerstoff und Zucker. Halbschmarotzer haben deshalb immer auch grüne Blätter, während Vollschmarotzer ohne Blattgrün auskommen.

Vegetative Merkmale

Das Sumpf-Läusekraut ist eine ein- oder zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern. Der hohle, aufrechte Stängel ist nur geringfügig verzweigt.

Die gegenständigen Laubblätter sind in einen kurzen Blattstiel und eine Blattspreite gegliedert. Die doppelt fiederspaltige Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 8 Zentimetern im Umriss länglich.

Generative Merkmale

Die rosafarbenen bis violetten Blüten sind einzeln in Blatt- und Triebachseln angeordnet und bilden eine Ähre. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle; die Krone schwach schraubig tordiert. Der Kelch ist blasig aufgetrieben. Die Oberlippe ist ungespalten, kapuzenförmig endend und fast sichelförmig gekrümmt, die Unterlippe ist dreilappig.

Die zweifächrige Kapselfrucht ist kugelig bis eiförmig und öffnet sich nach oben. Die dunkelbraunen Samen sind bis zu 2,4 Millimeter lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.
Ähnliche Arten

Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht mit dem Wald-Läusekraut, welches aber nur am Grund verzweigt ist und liegende Stängel hat.

Ökologie

Das Sumpf-Läusekraut ist ein einjährig winterannueller bis zweijähriger Therophyt oder ein Hemikryptophyt. Es ist eine Sumpfpflanze und ein Halbschmarotzer.

Blütenökologisch handelt es sich um eine homogame „Eigentliche Lippenblumen“. Die Blüten stehen horizontal und setzen daher für den richtigen Anflug der Insekten eine hohe Lernfähigkeit voraus, man spricht deshalb auch von einer „Intelligenzblume“. Um an den vom Diskus abgesonderten Nektar zu gelangen, müssen die Hummeln als Bestäuber die nur 0,5 mm breite Öffnung der Kronröhre auseinanderdrücken; unter diesem Aspekt spricht man auch von einer „Kraftblume“. Zuerst wird die Narbe berührt. Wenn der Kopf tiefer in die Blüte eindringt, wird der trockene Pollen ausgestreut. Erdhummeln können nur durch seitliches Aufbeißen der Kronröhre ("Blüteneinbruch") an den Nektar gelangen ("Nektarraub"), da ihr Rüssel mit nur 7 bis 9 Millimeter Länge zu kurz ist. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis Juli.

Da der trockene Stängel elastisch ist, und die Kelchblätter als Wind- und Regentropfenfänger fungieren, ist das Sumpf-Läusekraut ein Windstreuer und ein Regentropfenballist. Seltener wirkt sie auch als Tierstreuer durch vorbeistreifende sich verhakende Tiere. Das Sumpf-Läusekraut ist ein Lichtkeimer. Die Fruchtreife erstreckt sich von August bis Oktober.


Standort

Es bevorzugt Nieder- und Zwischenmoore sowie Feuchtwiesen. Es ist in Mitteleuropa eine Scheuchzerio-Caricetea-fuscae-Klassencharakterart, die vor allem in Caricion-lasiocarpae-Gesellschaften vorkommt.

Verbreitung/Vorkommen

Das Sumpf-Läusekraut ist im Gebiet zwischen Nordeuropa, Norditalien und Ural verbreitet.

In den Allgäuer Alpen steigt es im Kleinen Walsertal an der Ifersgundalpe und an der Schwarzwasserhütte bis in eine Höhenlage von 1700 Meter auf.

In Deutschland gilt das Sumpf-Läusekraut als stark gefährdet und ist nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt.

Giftigkeit

Läusekrautpflanzen schmecken brennend scharf und riechen unangenehm, daher werden sie vom Weidevieh gemieden. Der Verzehr soll Darmentzündungen und Blutharnen verursachen. Läusekrautpflanzen schmecken brennend scharf und riechen unangenehm, daher werden sie vom Weidevieh gemieden. Der Verzehr soll Darmentzündungen und Blutharnen verursachen.

Inhaltsstoffe

Alle Pflanzenteile, vor allem die Samen, sind durch Aucubin giftig. Alle Pflanzenteile, vor allem die Samen, sind durch Aucubin giftig. Aucubin ist ein häufiger sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Iridoide. Es ist ein Glykosid des Aglykons Aucubigenin mit einer Einheit Glucose. Wie andere Monoterpene wird das Aglykon aus zwei Isopreneinheiten mit je fünf Kohlenstoffatomen in der Pflanze synthetisiert. Im Gegensatz zu dem C10-Grundkörper der Iridoide besitzt das Aucubingrundgerüst nur neun Kohlenstoffatome, da eine Methylgruppe während der Biosynthese zur Carbonsäuregruppe oxidiert und dann als Kohlenstoffdioxid abgespaltet wird.

Sumpf-Läusekraut Steckbrief

Blütenfarbe: blau, lila oder violett;
Höhe/Länge von 15cm bis 40cm
Blütezeit von Juni bis Juli
Lebensraum: Gebirge; Gewässer, Feuchtgebiete;
Blütenstand: Ähre oder Quirl
Blattstellung: mittlere Stängelblätter wechselständig
Blattspreite: geteilt
Blattrand: gekerbt; gesägt;
Besonderheiten Blatt/Pflanze: Stengel rankend;
Behaarung: ganze Pflanze nicht oder nur wenig behaart
Verholzungsgrad: Stängel krautig
Häufigkeit: sehr selten
Lebensdauer: zweijährig;
Höhenstufen: Ebene / Tiefland (0-450m); Hochlage (1500-3000m); Mittellage (450-1500m);
Höhenstufe min: 0m
Höhenstufe max. in den Alpen: 1700m
Nährstoffbedarf: mäßig basenreich; mäßig nährstoffreich;
Bodenart: kalkarmer / kalkfreier Boden;
PH-Wert Boden: mäßig sauer; neutral;
Bodenfeuchte: nass;

Sumpf-Läusekraut Garten / Anbau

Boden Beschaffenheit: kalkarmer / kalkfreier Boden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; neutral;
Boden Feuchte: nass;
Boden Nährstoffgehalt: mäßig basenreich; mäßig nährstoffreich;
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Literatur

Bildquellenverzeichnis


Schütze diese Pflanze besonders!

ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Bayern! Kategorie 3 (gefährdet)


ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Deutschland! Kategorie 2 (stark gefährdet)





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