Echte Schlüsselblume - Primula veris

Familie: Primuláceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Alpenpflanze verwildernde Zierpflanze

<b>Echte Schlüsselblume - <i>Primula veris</i></b>
Echte Schlüsselblume - Primula veris
Bildquelle: © Bönisch 2002 - All rights reserved

Primula: lat. prima = die erste, -ula = Deminutiv (wg. der frü­hen Blü­te­zeit); "Primel"
vernalis: Frühling-

andere Namen: Wiesen-Primel, Frühlings-Schlüsselblume (Schweiz), Wiesen-Schlüsselblume, Arznei-Schlüsselblume, Himmelsschlüssel.

Die Echte Schlüsselblume dient mehreren Schmetterlingsraupen als Futterpflanze, darunter der Raupe der Silbergrauen Bandeule, auch Trockenrasenbusch-Bandeule genannt (Epilecta linogrisea) und des Schlüsselblumen-Würfelfalters, beide in ihrem Bestand gefährdete Arten.

Echte Schlüsselblume - Primula veris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Prof. Dr. Otto Wilhelm Thom Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany">Prof. Dr. Otto Wilhelm Thom Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Echte Schlüsselblume - Primula veris; Bildquelle: © <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Bönisch 2010">Bönisch 2010</a> - <b>All rights reserved</b>

Erscheinungsbild und Blatt

Die Echte Schlüsselblume wächst als ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 8 bis 30 Zentimetern erreicht und meist in kleineren und größeren Gruppen anzutreffen ist. Sie überwintert mit einem ausdauernden, dicken, kurzen Rhizom. Die vegetativen Pflanzenteile sind oft flaumig behaart aber nicht bemehlt.

Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet, die oft zu mehreren zusammenstehen. Die Laubblätter sind zwischen Blattspreite und geflügeltem Blattstiel undeutlich bis auffällig scharf abgrenzt. Die dünne und im Alter häutige, einfache Blattspreite ist bei einer Länge 5 bis 20 Zentimetern und einer Breite von 2 bis 6 Zentimetern eiförmig bis eiförmig-länglich mit spitzem bis stumpfem oberen Ende; sie verschmälert sich mehr oder weniger plötzlich in Richtung Blattstiel. Die dunkelgrüne Blattoberseite weist eine runzlige Struktur auf und die Blattunterseite ist hellgrün. Beide Blattflächen können weich mit einfachen Trichomen flaumig behaart oder kahl sein. Der wellige und unregelmäßig grob gezähnte Blattrand ist bei jungen Blättern nach unten eingerollt.


Blütenstand und Blüte

Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni (Deutschland und nördlicher) oder von Februar bis Mai (Österreich, Schweiz, Slowenien etc.). Auf einem mehr oder weniger langen, blattlosen, behaarten Blütenstandsschaft befinden sich in einem endständigen, einseitswendigen, doldigen Blütenstand fünf bis zu zwanzig Blüten. Die Tragblätter sind flach und ungleich. Die aufrechten bis nickenden, behaarten Blütenstiele sind mit einer Länge von 3 bis 20 Millimetern ein- bis dreimal so lang wie die Tragblätter.

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf blass-grünen, 0,8 bis 2 Zentimeter langen Kelchblätter sind bauchig und breit-glockig verwachsen. Die fünf dottergelben Kronblätter sind an ihrer Basis zu einer Röhre verwachsen. Die Kronröhre ist mit einer Länge von 8 bis 20 Millimetern höchstens so lang wie der Kelch. Der Kronschlund weist einen Durchmesser von 8 bis 28 Millimetern auf. Die fünf tellerförmig ausgebreiteten, 8 bis 14 mm langen Kronlappen besitzen an ihrer Basis einen orangefarbenen Fleck und sind am oberen Ende leicht ausgerandet bis deutlich gekerbt. Die fünf Staubblätter sind mit der Kronröhre verwachsen. Fünf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsenen. Im Zentrum des Fruchtknotens befindet sich die dicke Plazenta, an der die Samenanlagen sitzen.
Pollen der Echten Schlüsselblume (400x) in Glycerin


Frucht und Samen

Der überdauernde Kelch ist doppelt so lang wie die Kapselfrucht und umhüllt sie. Die bei einer Länge von 5 bis 10 Millimetern eiförmige, leicht bauchige Kapselfrucht öffnet sich bei Reife mit zehn Kapselzähnchen und entlässt die zahlreichen Samen. Die Samen besitzen winzige Bläschen.
Chromosomenzahl
Für europäische Populationen werden Chromosomenzahlen von 2n = 22 angegeben.Die oberseits dunkelgrünen Blätter weisen eine runzlige Struktur auf. An ihrer hellgrünen Blattunterseite können sie weich behaart oder auch kahl sein. Der wellige Blattrand besitzt eine unregelmäßige Zähnung und rollt sich bei jungen Blättern nach unten ein. Auffällig ist die scharfe Abgrenzung zwischen Blattspreite und geflügeltem Blattstiel, in den sich die Blätter plötzlich verschmälern.

Eine vielblütige (bis zu 20-blütig), endständige und einseitswendige hängende Dolde schließt den blattlosen, behaarten Stängel ab. Die einzelne, nickende Blüte – eine Stieltellerblume – besteht aus fünf dottergelben Kronblättern, die an ihrer Basis zu einer Röhre verwachsen sind und sich im oberen Bereich tellerförmig ausbreiten. Die fünf Staubblätter sind wiederum mit der Kronröhre verwachsen und umgeben den oberständigen und einfächrigen Fruchtknoten. Dieser setzt sich aus fünf vollständig miteinander verwachsenen Fruchtblättern zusammen. Im Zentrum des Fruchtknotens befindet sich die dicke Plazenta, an der die Samenanlagen sitzen. Außen wird die Kronröhre von einem fünfzipfeligen, verwachsenen Kelch umhüllt. Aus dem Fruchtknoten entwickelt sich eine 5 bis 10 mm lange, vom Kelch umgebene, ovale Kapselfrucht. Bei Reife öffnen sich zehn Kapselzähnchen und entlassen die zahlreichen Samen.

Die Merkmale, mit denen sich die Echte Schlüsselblume unter anderem von der Hohen Schlüsselblume unterscheidet, sind die dottergelben, stark duftenden Blüten mit ihren fünf orangefarbenen Flecken (Saftmale) im Schlund der Blüte. Die Hohe Schlüsselblume dagegen duftet weniger stark und der Schlund ihrer Blüten ist goldgelb. Der Blütenkelch ist bei der Echten Schlüsselblume blassgrün, bauchig und glockig, während er bei der Hohen Schlüsselblume eng an den Blütenkronblättern anliegt.


Standort

Als Standorte werden Raine, Halbtrockenrasen, trockene Wiesen, lichte Laubwälder, Waldränder und Waldschläge insbesondere von krautreichen Eichenwäldern, mitteleuropäischen Flaumeichenmischwäldern, west-submediterranen Flaumeichenwäldern, Hainbuchenwäldern oder auch Seggen-Buchenwäldern bevorzugt. Sie steigt von der Ebene bis zu Höhenlagen von 1700 Metern. Die Echte Schlüsselblume gedeiht am besten auf kalkhaltigen, stickstoffarmen, lockeren Lehmböden mit reichlicher Humusbeimischung.

Verbreitung/Vorkommen

Diese kalkliebende Art kommt in ganz Europa und Vorderasien vor, lediglich im Süden der Mittelmeerländer und im äußersten Norden ist sie nicht beheimatet. In Mitteleuropa fehlt sie im Tiefland westlich der Elbe weitgehend, im übrigen Tiefland ist sie selten, ebenso in Gebieten mit kalkfreiem Gestein. Im übrigen Mitteleuropa kommt sie zerstreut vor.

Verwendung in der Küche

Frische junge Schlüsselblumenblättchen können auch Salaten zugesetzt werden.

Inhaltsstoffe

Schlüsselblumenblüten enthalten geringe Mengen an Saponinen, etwa drei Prozent Flavonoide -insbesondere Rutosid-, Carotinoide und Spuren von ätherischem Öl. Die Wurzeln enthalten drei bis zwölf Prozent Triterpensaponine, beispielsweise Primulasaponin oder Primacrosaponin, Phenolglykosiden wie Primulaverin sowie seltene Zuckerstoffe.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die Triterpensaponine üben eine reizende Wirkung auf die Magenschleimhaut aus. Dieser Effekt soll über Nervenfasern reflektorisch die Bronchialschleimhaut dazu anregen, mehr Schleim zu produzieren. Hierdurch verdünnt sich das Sekret und erleichtert das Abhusten. Extrakte aus Schlüsselblumen werden vor allem bei Erkältungen mit verschleimtem Husten und Schnupfen als Begleitsymptomatik eingesetzt. Als Nebenwirkung der Anwendung konnten Magenschmerzen und Übelkeit sowie allergische Hautreaktionen festgestellt werden.
Dr. Koll Gemmoextrakt: Juglans regia - WalnussbaumGemmoextrakt: Ribes nigrum - schwarze JohannisbeereDr. Koll Gemmoextrakt: Abies pectinata – EdeltanneDr. Koll GemmoKomplex Nr. 1

Echte Schlüsselblume - Garten/Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten; Licht;
Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; toniger Boden / Tonboden;
Boden PH-Wert: mild; neutral;
Boden Feuchte: frisch; mäßig frisch; mäßig trocken;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Die Echte Schlüsselblume findet gelegentlich als Zierpflanze Verwendung. Gehölzgruppen, Rabatten und Steingärten in vollsonniger Lage sind geeignete Standorte. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat. Auch als Schnittblume in Blumensträußen wird sie gerne verwendet.

Sonstige Verwendung

Die Rhizome wurden früher auch für Niespulver verwendet. Mit den Blüten der Schlüsselblumen in kochendem Wasser werden in der Schweiz und Österreich auch Ostereier gefärbt. Vom Sammeln der Pflanze sollte man absehen, da sie regional gefährdet ist und beispielsweise nach der deutschen Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt ist.

Sonstiges

Ökologie

Die Echte Schlüsselblume ist eine Rosettenpflanze mit zwiebelförmigen Erneuerungsknospen. Das kräftige Speicher-Rhizom steht ziemlich senkrecht und verzweigt sich evtl. schon im 2. Jahr.

Blütenökologisch stellen die Blüten Stieltellerblumen dar. Bei den Blüten der Primula veris liegt Heterostylie vor. Sie bildet unterschiedliche Blütentypen mit zwei unterschiedlichen Griffellängen und Staubblattpositionen aus. Der eine Blütentyp besitzt einen langen Griffel und tief in der Kronröhre sitzende Staubblätter. Die köpfige Narbe befindet sich am Kronröhreneingang. Der andere Blütentyp besitzt einen kurzen Griffel, die Staubblätter sind hier wesentlich höher gelegen und enden am Kronröhreneingang. Die Heterostylie dient dazu, Nachbarbestäubung – genetisch gleichwertig mit Selbstbestäubung – zu vermeiden und damit Fremdbestäubung zu unterstützen. Die Bestäubung erfolgt durch langrüsselige Insekten wie Hummeln oder Faltern. Die Blütenkrone ist durch Flavonoide gelb gefärbt mit orangefarbenen, duftenden Saftmalen. Die Pollenkörner sind sehr klein.

Die Samen besitzen winzige Bläschen und werden über den Wind ausgebreitet. Zum Keimen benötigen die Samen Kälte und Licht.

Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni. Die Pflanze wird von langrüsseligen Insekten wie Hummeln oder Faltern bestäubt. Die Samen der leicht bauchigen Kapseln werden über den Wind verbreitet.

Unterscheidungsmerkmale zur Hohen Schlüsselblume (Primula elatior)

Die Merkmale, mit denen sich die Echte Schlüsselblume unter anderem von der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior) unterscheidet, sind die dottergelben, stark duftenden Blüten mit ihren fünf orangefarbenen Flecken (Saftmale) im Schlund der Blüte. Die Hohe Schlüsselblume dagegen duftet weniger stark und der Schlund ihrer Blüten ist goldgelb. Der Blütenkelch ist bei der Echten Schlüsselblume blassgrün, bauchig und glockig, während er bei der Hohen Schlüsselblume eng an den Blütenkronblättern anliegt.

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Primula veris erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum. Der Gattungsname Primula kommt von Primus für „der Erste“ Artepitheton veris ist abgeleitet von ver für Frühling; Primula veris bedeutet also „die Erste des Frühlings“.

Primula veris gehört zur Sektion Primula aus der Untergattung Primula in der Gattung Primula.

Von Primula veris gibt es folgende Unterarten:

Primula veris subsp. macrocalyx (Bunge) Lüdi (Syn.: Primula macrocalyx Bunge, Primula officinalis var. macrocalyx (Bunge) C.Koch, Primula uralensis Fisch. ex Rchb.): Sie wird von manchen Autoren als eigene Art Primula macrocalyx Bunge angesehen. Sie kommt in Russland, in der Ukraine, in Georgien, Armenien, Aserbaidschan, in der Türkei und im Iran vor.
Primula veris subsp. suaveolens (Bertol.) Gutermann & Ehrend. (Syn.: Primula columnae Ten., Primula suaveolens Bertol., Primula suaveolens subsp. thomasinii (Gren. & Godr.) Nyman (das gleichzeitig mit diesem 1881 veröffentlichten Namen erzeugte Autonym Primula suaveolens subsp. suaveolens ist Grundlage des ältesten im Unterartrang verfügbaren und damit gültigen Epithets), Primula veris subsp. columnae (Ten.) Lüdi): Sie kommt unter anderem in Spanien, Italien, in Griechenland und in der Türkei vor.
Primula veris L. subsp. veris
Primula veris subsp. canescens (Opiz) Hayek ex Lüdi (Syn.: Primula canescens Opiz)

Hybriden

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) kann mit der Stängellosen Schlüsselblume (Primula vulgaris) Hybriden bilden, die Primula ×polyantha Mill. oder Primula ×variabilis Goupil non Bastard genannt werden und sowohl in den morphologischen als auch in den ökologischen Merkmalen zwischen den Elternarten stehen. Die Hybride wird oft übersehen oder falsch bestimmt. Eine wissenschaftliche Arbeit aus der Schweiz zeigt, dass Primula ×variabilis im Tessin nicht selten ist und immer mit seinen Stammarten anzutreffen ist.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



Diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz