Aufrechter Ziest - Stachys recta

Familie: Lamiaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Alpenpflanze

<b>Aufrechter Ziest - <i>Stachys recta</i></b>
Aufrechter Ziest - Stachys recta
Bildquelle: Wikipedia User Butko; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Stachys: gr. stachys = Ähre (Blütenstandsform); "Ziest"
reclinatus: zurückgebogen


Aufrechter Ziest - Stachys recta; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Deutschlands Flora in Abbildungen 1796">Deutschlands Flora in Abbildungen 1796</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Aufrechter Ziest - Stachys recta; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Fabelfroh">Wikipedia User Fabelfroh</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stachys_recta.jpeg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stachys_recta.jpeg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stachys_recta.jpeg</a>

Der Aufrechte Ziest wächst als sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze, oder selten auch als Zwergstrauch und erreicht Wuchshöhen von meist 25 bis 40, selten bis 70 cm. Der kräftige Stängel ist einfach oder vom Grunde an ästig verzweigt. Die grünen Pflanzenteile sind dicht anliegend rau oder etwas drüsig behaart.

Von den gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind die unteren kurz gestielt und die oberen sitzend. Die an ihrer Basis abgerundete Blattspreite ist mit einer Länge von 2 bis 5 cm und einer Breite von 0,5 bis 2 cm eiförmig-spatelig bis länglich-lanzettlich. Der Blattrand der unteren Laubblätter ist gesägt bis entfernt gekerbt und der der oberen mehr oder weniger glatt.

Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober. Die Blüten sitzen zu sechst bis zehnt in Scheinquirlen zusammen. Zwei bis fünf, bis selten acht Scheinquirle befinden sich in einer unterbrochenen, verlängerten, 1 bis 2 cm langen Scheinähre. Es können sehr kleine, borstenartige Vorblätter vorhanden sein.

Die zwittrige Blüte ist zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Der 5 bis 10 mm lange Kelch ist rauhaarig mit kahl-stachelspitzigen, vorgestreckten Zähnen, mit kahlen, stechenden Grannenspitzen. Die Krone ist blass-gelb bis gelblich-weiß.

Die Teilfrüchte der Klausen sind etwa 2 mm lang, rundlich, kastanienbraun gefärbt und glatt oder sehr fein punktiert.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32 oder 34.


Ökologie

Der Aufrechte Ziest ist ein Hemikryptophyt (Schaftpflanze). Er überwintert durch Sprosse, die sich an dem verzweigten Rhizom bilden und dann zu mehreren nebeneinander zu Luftsprossen auswachsen. Die schmalen Runzelblätter und die bis 1 m tief reichenden Wurzeln sind eine Anpassung an trockene Standorte. Die gelblich- weißen Blüten besitzen ein purpurnes Saftmal. Sie sind streng vormännlich und nektarreich, doch auch der Pollen lockt Insekten an. Besucher sind Bienenverwandte. So kann man z.B. braunschwarz gefärbte, knapp 1 cm große Wildbienen aus der Gattung der Schlürfbienen (Rophites) auf den Blüten beobachten, die mit ihrem Kopf den Pollen unter vibrierenden Bewegungen heraus reiben. Die Ausbreitung der Klausenfrüchte erfolgt über den Mechanismus als Tierstreuer; auch Bearbeitungsausbreitung durch Vögel ist möglich.

Vom Aufrechten Ziest gibt es folgende Unterarten :

Stachys recta subsp. baldaccii (K.Malý) Hayek: Sie kommt nur auf der westlichen Balkanhalbinsel vor.
Stachys recta subsp. doerfleri (Hayek) Hayek: Sie kommt in Albanien vor.
Stachys recta subsp. labiosa (Bertol.) Briq. (Syn.: Stachys labiosa Bertol.), mit 7 bis 11 mm langem Kelch, einer 7 bis 12 mm langen Blüten-Unterlippe und oberen Laubblättern, die 7 bis 10 mm breit und gekerbt sind. Diese Unterart kommt in den Alpen, den Apenninen und auf der Balkan-Halbinsel vor.
Stachys recta subsp. olympica Stoj. & Jordanov: Sie kommt in Griechenland vor.
Stachys recta L. subsp. recta, mit 5 bis 7 mm langem Kelch, einer 5 bis 7 mm langen Blüten-Unterlippe und oberen Laubblättern, die 5 bis 20 mm breit und gekerbt oder gekerbt-gesägt sind. Diese Unterart kommt im gesamten Verbreitungsgebiet vor, von Europa bis zum Kaukasus.
Stachys recta subsp. rhodopaea (Velen.) Chrtek: Sie kommt in Bulgarien vor.
Stachys recta subsp. subcrenata (Vis.) Briq. (Syn.: Stachys subcrenata Vis.), mit 7 bis 11 mm langem Kelch, einer 7 bis 12 mm langen Blüten-Unterlippe und oberen Laubblättern, die nur 1 bis 6 mm breit und ganzrandig oder nur schwach gekerbt sind. Diese Unterart kommt von Südost-Europa bis zur westlichen Türkei und von Transkaukasien bsi zum nordwestlichen Iran vor.
Stachys recta subsp. tenoreana Bornm.: Sie kommt in Italien vor.


Standort

Der Aufrechte Ziest wächst an Weg- und Ackerrändern, auf Halbtrocken- und Trockenrasen und an Felshängen. Nördlich der Alpen bevorzugt er kalkhaltigen und mäßig trockenen Boden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Festuco-Brometea-Klasse, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Geranion sanguinei, Erico-Pinion oder Berberidion vor oder der Ordnung Quercetalia pubescentis.

Verbreitung/Vorkommen

Der Aufrechte Ziest kommt von Spanien bis Kleinasien und zum Kaukasus vor; in nördlicher Richtung reichen die Vorkommen bis Belgien. Er ist ein submediterranes Florenelement. In Österreich ist er im pannonischen Gebiet und im Süden häufig, sonst zerstreut zu finden. In der Schweiz ist er in den wärmeren Gebieten verbreitet und häufig anzutreffen.

Stachys recta ist im südlichen Muschelkalk und Juragebirge verbreitet bis häufig anzutreffen. Darüber hinaus meist nur selten und verschleppt.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Im Altertum soll diese Pflanze als „Sideritis“ zu verschiedenen Heil- und magischen Zwecken verwendet worden sein. Besonders soll sie auch der Heilung von Hieb- und Stichwunden gedient haben. Gladiatoren im Römischen Reich sollen die Pflanze als Amulett getragen haben. In Osteuropa wird die Pflanze nach Abkochen zum Baden der Kinder gebraucht, um sie gegen verschiedene Krankheiten, aber auch gegen „magische Einflüsse“ zu schützen.
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Aufrechter Ziest - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; Lößboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild;
Boden Feuchte: mäßig trocken;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich;

Sonstiges

Rohbodenpionier, bis 2m wurzelnd.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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