Glänzende Wiesenraute - Thalictrum lucidum

Familie: Ranunculaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Giftpflanze

<b>Glänzende Wiesenraute - <i>Thalictrum lucidum</i></b>
Glänzende Wiesenraute - Thalictrum lucidum
Bildquelle: Wikipedia User Panek; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;
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Thalictrum: gr. thaliktron = grünes Kraut; "Wiesenraute"
lucidus: stark glänzend


Glänzende Wiesenraute - Thalictrum lucidum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User MPF">Wikipedia User MPF</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Glänzende Wiesenraute - Thalictrum lucidum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Bff">Wikipedia User Bff</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)">CC BY 4.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thalictrum_lucidum20120617_153.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thalictrum_lucidum20120617_153.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thalictrum_lucidum20120617_153.jpg</a>Glänzende Wiesenraute - Thalictrum lucidum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Stefan.lefnaer">Wikipedia User Stefan.lefnaer</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)">CC BY 4.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thalictrum_lucidum_sl12.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thalictrum_lucidum_sl12.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thalictrum_lucidum_sl12.jpg</a>

Allgemeine Merkmale

Die Glänzende Wiesenraute wächst als ausdauernde, sommergrüne krautige Pflanze. Ihre Wuchshöhe beträgt 60 bis 120 Zentimeter. Als Speicherorgan besitzt sie ein kurzes, nichtkriechendes Rhizom, welches keine unterirdischen Ausläufer bildet. Wie für einen Hemikryptophyten typisch, befinden sich die Erneuerungsknospen in unmittelbarer Nähe der Erdoberfläche. Da sich die Sprossachse in einen gestauchten rosettenbildenden und einen gestreckten laubblatttragenden Abschnitt gliedert wird die Glänzende Wiesenraute den Halbrosettenpflanzen zugeordnet.

Merkmale der Blätter

Die ungestielten Blätter der Glänzenden Wiesenraute sind wechselständig am unverzweigten, vierkantigen und glänzenden Stängel angeordnet. Pro Pflanze entwickeln sich etwa sieben bis zehn Laubblätter. Die Blattspreite ist zwei- bis vierfach unpaarig gefiedert. Junge wie alte Laubblätter besitzen keine Nebenblätter, ebenso bilden die Blättchen keine Nebenblättchen aus. Die Spreite der Fiederblättchen ist länger als breit und linealisch-lanzettlich zugeschnitten. Die genaue Form der Blättchen ist von der Stellung der Blätter am Stängel abhängig. Die Blättchen der untersten Blätter besitzen eine länglich-ovale Form. Die Blättchen der mittleren Stängelblätter sind eiförmig bis länglich gestaltet. Die Relation von Länge zu Breite entspricht hier in etwa dem Verhältnis 1:2 bis 1:4. Die Blättchen der obersten Stängelblätter variieren in der Form von lanzettlich über länglich-keilförmig bis schmal-linealisch. Ihre Länge beträgt mehr als das fünffache der Breite. Die Spreite der Blättchen ist gewöhnlich ungeteilt, kann jedoch auch gelappt sein. Der Rand weist manchmal an der Spitze eine zwei- bis dreifache Zähnung auf. Die Oberseite der Blättchen besitzt eine dunkelgrüne glänzende Farbgebung, die hellgrüne Unterseite weist entlang der Nerven eine feine Behaarung auf.
Merkmale der Blüten und des Blütenstands

Die duftenden, gelbgrünen Blüten erscheinen von Juni bis Juli (August). Sie sind in ausladenden, dichtblütigen, arm- oder reichästigen rispigen Blütenständen zusammengefasst. Die aufrechten, nicht überhängenden Rispen sind vom Umriss her eiförmig. An ihren Zweigenden sitzen die Blüten dicht gedrängt. Die Blüten sind in den Rispen aufrecht gerichtet.

Die radiärsymmetrischen, zwittrigen Blüten der Glänzenden Wiesenraute besitzen eine einfache Blütenhülle. Da die Kronblätter fehlen, bilden gewöhnlich vier Kelchblätter das Perigon. Das einzelne gelbgrünliche Perigonblatt wird etwa 4 bis 5 Millimeter lang. Die Perigonblätter sind sehr hinfällig. Häufig fallen sie bereits während des Aufblühens ab Die in Vielzahl vorhandenen Staubblätter sind auffallend deutlich länger als die Perigonblätter. Sie besitzen aufrecht abstehende, weißlich- bis grüngelbe Staubfäden. Diese sind unterhalb der Staubbeutel nicht verdickt. Die stumpfen Staubbeutel zeigen eine gelbe Farbgebung. Die Blüte der Glänzenden Wiesenraute besitzt mehrere, oberständig stehende, freie Fruchtblätter, die in ihrer Gesamtheit ein choricarpes Gynoeceum bilden. Fruchtknoten und Griffel sind nicht klebrig, der Griffel ist bisweilen hakig gebogen.

Merkmale der Früchtchen

Aus jedem der Fruchtblätter entwickelt sich nach der Befruchtung ein Nüsschen, aus denen in ihrer Gesamtheit die Frucht besteht. Die Nüsschen sind aufrecht sitzend, können jedoch an ihrer Basis bisweilen annähernd gestielt sein. Sie sind elliptisch gestaltet, ihr Querschnitt entspricht der Form eines Sterns. Ihre matte, glatte Oberfläche ist von acht bis zehn Längsrippen durchzogen. Die Kantenbildung ist schwach ausgeprägt. Die Ausbreitung der Diasporen wird über den Wind und Wasser sichergestellt. Zur Keimung sind sie auf Kälte angewiesen.


Standort

Die Glänzende Wiesenraute gilt als Stromtalpflanze. Eine auf Deutschland bezogene Untersuchung stellt fest, dass 55 % bis 70 % der Vorkommen im Bereich von Flussauen zu finden sind. Ihr Hauptvorkommen besitzt die Glänzende Wiesenraute in nassen, nährstoffreichen Flachmoorwiesen und basenreichen nassen bis wechselfeuchten Wiesen. Bruch- und Auenwälder zählen zu den Nebenvorkommen.

Verbreitung/Vorkommen

Das Areal der Glänzenden Wiesenraute erstreckt sich über Mittel- und Osteuropa bis in die Türkei. Seine nördliche Grenze findet es in Südfinnland. Die Westgrenze der Vorkommen bilden die mitteleuropäischen Standorte.

Im Einzelnen sind im gemäßigten Asien Bestände in der Türkei belegt. In Mitteleuropa zieht sich das Areal durch Österreich, die Tschechoslowakei, Deutschland, Ungarn und Polen. In Osteuropa ist die Glänzende Wiesenraute in Weißrussland, dem europäischen Teil der Russischen Föderation- angrenzend mit nördlichen Vorposten in Südfinnland, Est- und Lettland, Litauen sowie der Ukraine nativ. In Südwesteuropa erreichen die Vorkommen Albanien, Bulgarien, das frühere Jugoslawien, Griechenland und Rumänien.

In Deutschland ist die Glänzende Wiesenraute mit zerstreuten Beständen in Südost-Bayern, Nordwest- und Ost-Sachsen sowie im nördlichen Teil Sachsen-Anhalts belegt. Seltene Vorkommen sind aus Mittel- und Ost-Brandenburg wie auch Ost-Niedersachsen bekannt. In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen gilt die Glänzende Wiesenraute als ausgestorben. In Österreich ist die Glänzende Wiesenraute in fast allen Bundesländern mit zerstreuter oder seltener Bestandsdichte vertreten, lediglich aus Vorarlberg sind keine Funde belegt. Im pannonischen Gebiet gelten die Vorkommen gefährdet.

Giftigkeit

Die Pflanzenteile werden als wenig giftig für den Menschen angesehen. Vergiftungen bei Tieren sind nicht bekannt.
Hauptwirkstoff ist das Magnoflorin, das eine ähnliche Wirkung wie Protoanemonin aufweist.
Protoanemonin wird bei Verletzung der Pflanzen freigesetzt und bei Kontakt mit der Haut oder Schleimhaut kommt es zu Vergiftungserscheinungen wie Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung auf der Haut (Hahnenfußdermatitis). Bei der inneren Aufnahme beeinflusst es das Nervensystem: In höheren Dosen und im Zusammenspiel beider Wirkstoffe kann es schlimmstenfalls zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindelanfällen, Krämpfen, Lähmungserscheinungen, Gastroenteritis, oft mit blutigen Durchfällen und starken Koliken kommen.
Protoanemonin ist wirksam gegenüber Pilzen.

Beim Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin in das ungiftige Anemonin übergeführt.

Die Pflanzenteile werden als wenig giftig für den Menschen angesehen.

Inhaltsstoffe

Magnoflorin, ein Aporhinalökaloid und Protoanemonin.
Protoanemonin (auch Anemonol oder Ranunculol) ist ein Lacton der Hydroxy-penta-2,4-diensäure, welches in unterschiedliche Konzentration als Toxin in allen Hahnenfußgewächsen vorkommt.
Dr. Koll Gemmoextrakt: Rosmarinus officinalis - RosmarinGemmoextrakt: Tilia tomentosa - SilberlindeDr. Koll Pflanzenextrakt: Gelber Enzian – Gentiana luteaDr. Koll GemmoKomplex Nr. 3

Glänzende Wiesenraute - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; toniger Boden / Tonboden;
Boden PH-Wert: mild;
Boden Feuchte: feucht; nass; wechselfeucht; wechselnass / zeitweise überschwemmt;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Sonstiges

Blütenökologie

Bei den zwittrigen Blüten der Glänzenden Wiesenraute reifen die weiblichen Geschlechtsorgane -Griffel und Narbe- vor den männlichen Fortpflanzungsorganen, den Staubbeuteln. Dieser Mechanismus, botanisch Proterogynie genannt, fördert Fremdbestäubung im Vergleich zur Selbstbestäubung.
Hainschwebfliegen-Männchen
Wiesenrauten-Blattspanner

Die Glänzende Wiesenraute verfügt über verschieden Strategien, die Bestäubung sicherzustellen: Zum einen übernehmen Insekten die Bestäubung. Die Glänzende Wiesenraute bietet keinen Nektar an, verfügt jedoch über ein reichliches Pollenangebot. Signalwirkung für Bestäuber besitzen bei reduzierter Blütenhülle die gelben Staubfäden und Duftstoffe. Als typische Bestäuber fungieren kurzrüsselige Bienen, Schwebfliegen, Echte Fliegen und Käfer. Auch über den Wind wird Pollen übertragen. Unterstützt wird die Windbestäubung durch die langen Staubfäden und das reichliche Pollenvorkommen. Die Windbestäubung wird im Verhältnis zur Insektenbestäubung auch als sekundäres Merkmal interpretiert, also einen Übergang von Insektenbestäubung zu Windbestäubung wobei für beide Bestäubungsformen typische Merkmale nebeneinander vorkommen. Zusätzlich zur Wind- und Insektenbestäubung besitzt die Glänzende Wiesenraute die Möglichkeit der Selbstbestäubung.

Synökologie

Die Glänzende Wiesenraute gilt als Futterpflanze für die Raupen der Wiesenrauten-Goldeule (Lamprotes c-aureum) und des Wiesenrauten-Blattspanners (Perizoma sagittata). Beide Arten gelten nach der Roten Liste als stark gefährdet. Sie sind oligophag auf Wiesenrautenarten existenziell angewiesen.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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