Gewöhnlicher Wasserschlauch - Utricularia vulgaris

Familie: Lentibulariaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Wasserpflanze fleischfressende Pflanze Gartenteich Alpenpflanze besondere Pflanzen

<b>Gewöhnlicher Wasserschlauch - <i>Utricularia vulgaris</i></b>
Gewöhnlicher Wasserschlauch - Utricularia vulgaris
Bildquelle: Wikipedia User Llez; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Utricularia: lat. utriculus = kl. Schlauch (Fangblasen); "Was­ser­schlauch"
vulgaris: allgemein, gewöhnlich

Eine besondere Form vegetativer Vermehrung bei Wasserschlauch ist die durch so genannte Turionen im Rahmen der Überwinterungsstrategie der Pflanze. Dabei lösen sich zum Ende der Wachstumsperiode Blattwirtel von der Sprossspitze und sinken wegen des hohen Gewichts und des Ausstoßes von Gasen auf den Grund des Wassers. Die Turionen sind frosthart bis zu –15 °C. Mit dem Neubeginn des Wachstums im Frühjahr steigen die Turionen wieder auf und beginnen erneut mit dem Wachstum.

Gewöhnlicher Wasserschlauch - Utricularia vulgaris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Deutschlands Flora in Abbildungen 1796">Deutschlands Flora in Abbildungen 1796</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Gewöhnlicher Wasserschlauch - Utricularia vulgaris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Kenraiz">Wikipedia User Kenraiz</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Gewöhnlicher Wasserschlauch - Utricularia vulgaris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Lycaon">Wikipedia User Lycaon</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Gewöhnlicher Wasserschlauch - Utricularia vulgaris; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Llez">Wikipedia User Llez</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Die Pflanze Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) ist eine aquatische Art aus der Gattung der Wasserschläuche in der Sektion Utricularia.

Der Gewöhnliche Wasserschlauch ist eine der wenigen fleischfressenden Pflanzen in Deutschland.. Mit seinen Fangbläschen fängt er kleine Wassertierchen und verdaut diese (näheres zum Fangmechanismus im Hauptartikel Wasserschläuche). In der Vergangenheit sind wiederholt Versuche unternommen worden, die Pflanze zur biologischen Bekämpfung von Stechmückenplagen einzusetzen. Dies funktioniert allerdings nur gegen Stechmücken der Gattung Culex. Gegen die vom Menschen als unangenehmer empfundenen Stechmücken der Gattung Aedes, die in flachen Gewässern wie etwa überfluteten Wiesen und Wasserpfützen brütet, hilft die Ansiedelung des Gemeinen Wasserschlauches nicht.
Die frei flottierende Pflanze kann über 1 m lange Sprossachsen haben. Die segmentierten Blätter sind fein verzweigt. Die Wasserblätter sind ein bis acht Zentimeter lang, in feine Zipfel zerteilt und mit zahlreichen blasenförmigen Anhängseln versehen.

An aufrechten Blütenstielen ragen die gelben Blüten aus dem Wasser heraus. Sie bilden dabei lockere, vier- bis fünfzehnblütige Trauben. Die einzelnen Blüten sind zweilippig, goldgelb und rührig-glockig und enden in einem gekrümmten Sporn. Die Blüten erscheinen von April bis August. Sie werden vor allem von Schwebfliegen bestäubt.

Ökologie

Der Gewöhnliche Wasserschlauch ist eine untergetauchte Wasserpflanze. Nur zur Blütezeit schwimmt sie nach oben. Sie überdauert durch kugelige haselnussgroße Turionen. Es ist eine fleischfressende Pflanze, eine sogenannte Karnivore. Der Tierfang dient als zusätzliche Quelle für Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Die Blätter sind in haarfeine Berge zerteilt, von denen je etwa 20, maximal 200, zu 4–5 mm langen Fangblasen umgebildet sind. An einer großen Pflanze wurden über 26.000 Fangblasen gezählt. Durch eine mit Borsten versehene Klappe sind sie von innen fest verschlossen. Ihre Wand ist mit verschiedenen Drüsen besetzt, zum Beispiel Keulendrüsen, die zuckerhaltigen Schleim absondern, der der Anlockung potentieller Beute dient.

Vierstrahlige Drüsen auf der Innenwand haben drei verschiedene Funktionen:

1. Sie pumpen nach dem Fang das Wasser aus der Blase, indem sie als Ionenpumpen Alkali-Ionen nach außen befördern und damit den osmotischen Wert im Inneren absenken, sodass wieder ein Unterdruck von 0,1 bar entsteht.

2. Sie geben Verdauungsenzyme (eine Protease, Esterase, Phosphatase) und Benzoesäure ab.

3. Sie nehmen die entstandenen Abbauprodukte zur Weiterleitung auf.

Berühren Kleintiere die als Hebel dienenden Klappborsten, z. B. beim Fressen der auf diesen haftenden Bakterienfäden, so schnappt die Klappe nach innen, und die Tiere werden mit dem umgebenden Wasser in den Fangschlauch gesogen bzw. geschluckt. Der Vorgang dauert nur 2 Millisekunden und stellt somit eine der schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich dar. Anschließend erfolgt die Verdauung und erneutes Auspumpen der Fangdrüse. Nach etwa 0,2–2 Stunden ist die Falle wieder fangbereit. In 600 untersuchten Schläuchen waren insgesamt 2000 Tierchen gefangen (bis zu 14 Tierchen je Schlauch), davon über die Hälfte Kleinkrebse (z. B. Daphnien), aber auch Insektenlarven, zum Beispiel von Mücken. In der Vergangenheit sind wiederholt Versuche unternommen worden, die Pflanze zur biologischen Bekämpfung von Stechmückenplagen einzusetzen. Dies funktioniert allerdings nur gegen Stechmücken der Gattung Culex. Gegen die vom Menschen als unangenehmer empfundenen Stechmücken der Gattung Aedes, die in flachen Gewässern wie etwa überfluteten Wiesen und Wasserpfützen brütet, hilft die Ansiedelung des Gemeinen Wasserschlauches nicht. Auch kleine Algen werden mit eingefangen.

Die Blüten sind große goldgelbe „Maskenblumen“. Der Blütenstängel ist im oberen Teil als Aufkriechschutz gegen „unerwünschte“ Blütenbesucher klebrig. Die Blütenkrone hat einen 6–7 mm langen Sporn als Safthalter für den Nektar. Die zweilippige Narbe liegt der Oberlippe der Blüte an und ist reizbar: Bei Berührung krümmt sich der untere Nachbarlappen sofort nach oben. Der Staubbeutel ist einfächerig. Da die Maske weich ist, sind meist Schwebfliegen die Bestäuber, selten Bienen; auch Selbstbestäubung ist nicht selten, zum Teil findet man auch kleistogame Blüten. Blütezeit ist zwischen April und August.

Die Früchte sind unregelmäßig aufreißende Kapseln. Der Samenansatz ist nur gering. Die Samen besitzen zwei „Luftrillen“ und sind dadurch wochenlang schwimmfähig und unterliegen der Schwimmausbreitung und der Wasserausbreitung durch Wasservögel; sie sind Lichtkeimer. Fruchtreife tritt ab September ein.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch abgebrochene- auch kleinste- Stängelteile und durch Turionen.


Standort

Die Pflanze findet sich gleichermaßen in nährstoffarmen wie nährstoffreichen, stillen bzw. schwach fließenden Gewässern und bevorzugt vollsonnige Standorte.

Verbreitung/Vorkommen

Der Gewöhnliche Wasserschlauch findet sich in Europa, Nordafrika und im temperierten Asien. Sie ist vorwiegend im Tiefland zu finden, kann vereinzelt jedoch auch in Höhen von 1000 Metern vorkommen. In Deutschland steht der Gewöhnliche Wasserschlauch auf der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen.
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Gewöhnlicher Wasserschlauch - Garten/Anbau

Lichtanspruch: Licht;
Boden Beschaffenheit: kalkarmer / kalkfreier Boden; torfiger Boden / Torfboden;
Boden PH-Wert: mild;
Boden Feuchte: nass;
Boden Nährstoffgehalt: mäßig nährstoffreich;

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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