Echter Arznei-Baldrian - Valeriana officinalis

Familie: Valerianaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Wildgemüse Staude

<b>Echter Arznei-Baldrian - <i>Valeriana officinalis</i></b>
Echter Arznei-Baldrian - Valeriana officinalis
Bildquelle: Wikipedia User Christer T Johansson; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valeriana_officinalis-IMG_4287.jpg


Valeriana: lat. valere = gesund sein (Heilwirkung); "Baldrian"
officinalis: arzneilich, gebräuchlich

andere Namen: Echter Arznei-Baldrian,Katzenkraut, Stinkwurz, Hexenkraut, Augenwurzel, Mondwurz, Bullerjan, Tolljan, Katzenwargel

Nutzt man die Baldrianwurzel zu Heilzwecken, sollte man sie sicher vor Katzen aufbewahren. Besonders beim Trocknungsprozess entströmt der charakteristische Baldriangeruch, der Katzen anzieht und sie geradezu in Erregung geraten lässt.

Echter Arznei-Baldrian - Valeriana officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 1. 1887">Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 1. 1887</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Echter Arznei-Baldrian - Valeriana officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Meneerke bloem">Wikipedia User Meneerke bloem</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valeriana_officinalis01.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valeriana_officinalis01.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valeriana_officinalis01.jpg</a>Echter Arznei-Baldrian - Valeriana officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Nonenmac">Wikipedia User Nonenmac</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valeriana_officinalis_leaf-o.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valeriana_officinalis_leaf-o.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valeriana_officinalis_leaf-o.jpg</a>Echter Arznei-Baldrian - Valeriana officinalis; Bildquelle: © <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Bönisch 2011">Bönisch 2011</a> - <b>All rights reserved</b>Echter Arznei-Baldrian - Valeriana officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Ixitixel">Wikipedia User Ixitixel</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Echter Baldrian ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 1 bis 2 Metern. Als Überdauerungsorgane bildet er Rhizome aus.

Von den sattgrünen, gefiederten Laubblättern mit einer Länge von etwa 20 Zentimetern sind die unteren gestielt, die oberen sitzend. Die Blattfiedern sind oval oder lanzettlich, ganzrandig oder ungleich gesägt.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. In endständigen, schirmrispigen Blütenständen sind viele Blüten dicht angeordnet. Die Blüte entfaltet einen starken süßlichen Geruch. Die zwittrigen oder weiblichen Blüten sind bei einem Durchmesser von 4 bis 5 Millimetern radiärsymmetrisch. Die Blütenfarben sind hellrosafarben bis weiß mit purpurfarbenen Strichsaftmalen, die später verblassen.

Die bis 4 Millimeter langen, nur 0,5 Milligramm schweren Nüsse (Achänen) besitzen einen federigen, hygroskopischen, hinfälligen Haarkranz (Pappus).

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 12 oder 14.

Ökologie

Beim Echten Baldrian handelt es sch um einen helomorphen, hygromorphen Hemikryptophyten. Die Vegetative Vermehrung erfolgt durch kurze Ausläufer; der Echte Baldrian ist dadurch ein Kriechpionier.

Blütenökologisch handelt es sich um kleine, asymmetrische, vormännliche „Trichterblumen“. Neben Pflanzenexemplaren mit zwittrigen Blüten kommen auch rein weibliche vor (gynodiözisch). Das Nektarium befindet sich in einer Aussackung der Kronröhre. Bestäuber sind verschiedene Zweiflügler, Bienen und Tagfalter. Der Echte Baldrian ist selbststeril, es findet keine spontane Selbstbestäubung statt.

Der Pappus rollt sich bei Feuchtigkeit ein. Die Früchte breiten sich als Schirmchenflieger aus und besitzen eine Sinkgeschwindigkeit von 28 Zentimeter/Sekunde. Daneben erfolgt eine Ausbreitung als Wasserhafter und Schwimmausbreitung.


Standort

Baldrian ist frostbeständig und gedeiht in Sonne oder Halbschatten in fast jedem Boden. Als Feuchtbodenpflanze verträgt er auch gelegentliche Überschwemmungen und kommt daher in der freien Natur häufig auf Wiesen entlang von Gewässerläufen vor. Er kommt in Gesellschaften des Filipendulion, besonders im Veronico longifoliae-Euphorbietum palustris vor.

Verbreitung/Vorkommen

Der Echte Baldrian kommt in weiten Teilen Europas außer Portugal und Westasien vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich weiter ostwärts bis Sibirien und Russlands Fernem Osten, Korea, China, Taiwan und Japan.

Verwendung in der Küche

Baldrianextrakte werden als Aromastoffe in Nahrungsmitteln wie Gebäck und Eis eingesetzt – vor allem dann, wenn man Apfelgeschmackkomponenten erzielen möchte.

Baldrian ist eine Verwandte des Feldsalats (Valerianella spec. – Kleiner Baldrian). Das frische Frühlingsgrün des Baldrians kann in Salaten mitgegessen werden – er erinnert im Geschmack an Feldsalat, ist sogar etwas zarter. Die Blüten sind gleichfalls genießbar.

Inhaltsstoffe

Alle Baldriane enthalten vor allem Alkaloide und ätherische Öle. Die Inhaltsstoffe des Baldrians sind in erster Linie bekannt für ihre beruhigenden Effekte auf das Nervensystem. So wird seine Wurzel oft als mildes Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt. Auch dysto-loges® N Injektionslösung enthält Wirkstoffe des Baldrians und hilft dabei, verschiedene Zustände von Nervosität und innerer Unruhe sanft zu beheben (Dr.Loges).
Baldrian enthält ätherisches Öl (neben Valerensäure unter anderem auch die Isovaleriansäure, die für den unangenehmen Geruch des Wurzelstocks verantwortlich ist), auch Valepotriate und Alkaloide.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Medizinische Verwendung findet der gesamte Wurzelstock mit seinen Verzweigungen. Er wird zwischen August und Oktober ausgegraben, getrocknet und zerkleinert.
Baldrian ist eine der ältesten Arzneipflanzen. Dioskurides beschreibt eine Pflanze mit dem Namen „Phu“, die dem Baldrian ähnlich ist. Er empfiehlt ihn als harntreibendes, erwärmendes und menstruationsförderndes Heilmittel. Tabernaemontanus rühmt in seinem 1588 geschriebenen „New Kreuterbuch“ Baldrian aber vor allem als Augenarznei: Die Wurzel dess gemeinen Baldrinas zu einem reinen Pulver gestossen/ und je über den andern Tag ein halbes quintlein mit einem Trüncklein Weins zerrieben und eyngenommen/ vertreibt alle Mängel die dz Gesicht hindern/ macht ein scharpffes Gesicht und erhaltet dasselbig biss zum Ende dieses zeitlichen Lebens. Heilsam für die Augen sei Baldrian aber auch als Baldriandestillat, als Baldrianextrakt und Baldriansalz. Und nicht zuletzt gilt für Tabernaemontanus: Baldrianwasser des Morgens nüchtern...bewahret denselben Tag vor der gifftigen Contagion dess bösen pestilentzischen Luffts.Auch in der Volksmedizin zählt er in manchen Gegenden zu den Augenpflanzen. Augenwurz wurde er genannt und als „Augenbündeli“ um den Hals getragen. Dieses Kräuteramulett galt als Sympathiemittel bei entzündeten Augen. In Siebenbürgen kaute man gegen trübe Augen Baldrianwurzeln und hauchte den Atem dann über die Augen. Hildegard von Bingen empfahl Baldrian auch gegen Brustfellentzündungen.Auf die nervenberuhigende Wirkung des Baldrians ist man erst Anfang des 17. Jahrhunderts aufmerksam geworden. Baldrian gilt auch heute noch als hervorragendes Nervenentspannungsmittel, das ohne Bedenken verwendet werden kann. Im 1. Weltkrieg sollen Ärzte mit Baldrian den „Granatsplitterschock“, also neurologische Ausfälle durch extremen psychischen Stress, behandelt haben. Baldrian kann man nicht als Schlafmittel bezeichnen: Durch eine entspannende Wirkung wird jedoch bei einer Überreiztheit eine Schlafbereitschaft erzeugt.
Durch den allgemein entspannenden Effekt wird Baldrian bei Nervosität, Magenkrämpfen, Reizmagen, Migräne, Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt.

Arzneimittel:

dysto-loges® N Injektionslösung Dr. Loges

Die Inhaltsstoffe von dysto-loges® N Injektionslösung sorgen dafür, dass nervlich bedingte Beschwerden einen wieder in Ruhe lassen. Die Kombination aus Gelbem Jasmin (Gelsemium), Passionsblume (Passiflora), Kamille und Baldrian ist dafür besonders gut geeignet. Diese Ruhe stiftende Mischung wird ergänzt durch die Leitsubstanz Reserpinum aus der indischen Schlangenwurzel und homöopathisch aufbereitetem Kaffee (Coffea), der eines der besten homöopathischen Mittel ist, wenn Sorgen und kreisende Gedanken einem den Schlaf rauben.(Dr. Loges)

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Die Inhaltsstoffe des Baldrians sind in erster Linie bekannt für ihre beruhigenden Effekte auf das Nervensystem. So wird seine Wurzel oft als mildes Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt.
Auch dysto-loges® N Injektionslösung enthält Wirkstoffe des Baldrians und hilft dabei, verschiedene Zustände von Nervosität und innerer Unruhe sanft zu beheben (Dr.Loges).

Arzneimittel:

dysto-loges® N Injektionslösung dysto-loges® N

enthält Coffea D6, Chamomilla D6 und Valeriana D4
und wird gegen nervöse Verstimmungszustände mit Schlafstörungen eingesetzt, d.h. gegen nervlich bedingte Beschwerden wie Nervosität, Reizbarkeit, Unruhe, Erregbarkeit, nervöse Magenbeschwerden oder Schlafstörungen, aber auch gegen Lampenfieber und Prüfungsangst.
Die Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass nervlich bedingte Beschwerden einen wieder in Ruhe lassen. Die Kombination aus Gelbem Jasmin (Gelsemium), Passionsblume (Passiflora), Kamille und Baldrian ist dafür besonders gut geeignet. Diese Ruhe stiftende Mischung wird ergänzt durch die Leitsubstanz Reserpinum aus der indischen Schlangenwurzel und homöopathisch aufbereitetem Kaffee (Coffea), der eines der besten homöopathischen Mittel ist, wenn Sorgen und kreisende Gedanken einem den Schlaf rauben (Dr.Loges).
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Echter Arznei-Baldrian - Garten/Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten; Licht;
Boden Beschaffenheit: lehmiger Boden / Lehmboden; toniger Boden / Tonboden;
Boden PH-Wert: basisch;
Boden Feuchte: nass; wechselfeucht; wechselnass / zeitweise überschwemmt;
Boden Nährstoffgehalt: mäßig nährstoffreich;

Sonstige Verwendung

Vor allem während des Trocknungsprozesses strömt die Wurzel des Baldrians den Geruch aus, den Katzen anziehend finden (siehe Katzenminzen). Menschen erinnert der ranzige Geruch dagegen an Limburger Käse und wirkt eher abstoßend. Er ist so durchdringend, dass die Legende überliefert, der Rattenfänger von Hameln habe Baldrian bei sich getragen, um die Ratten anzulocken. Trotzdem wird Baldrian auch in der Parfümindustrie eingesetzt – in den richtigen Mischungen können damit moschusähnlich-holzige, balsamische Gerüche erzielt werden.

Sonstiges

Baldrian im Aberglauben

Bei den nordischen Völkern wurde Baldrian als stark aromatisch riechende Pflanze zum Schutz vor bösen Geistern über die Tür gehängt. Wer Baldrian bei sich trug, galt als unempfindlich gegen Hexenzauber und geschützt vor dem Teufel. Man war auch der Überzeugung, dass sich ein im Zimmer aufgehängtes Baldrianbüschel bewegen würde, sobald eine Hexe das Zimmer beträte. Baldrian in den Bienenkorb gelegt, sollte das Schwärmen der Bienen verhindern und weitere anlocken.

Baldrian taucht auch zusammen mit Bibernelle als geweissagtes Heilmittel in vielen Pestsagen auf:

„Eßt Bibernellen und Baldrian
so geht euch die Pest nicht an“

Baldrian stand in dem Ruf, Zorn zu erregen, wenn er ein wenig gekaut würde. Ein Scharfrichter, der ein für seinen Beruf unübliches weiches Herz hatte, musste deshalb vor jeder Hinrichtung auf dieser Wurzel kauen, um nicht vom Mitleid mit dem zum Tode Verurteilten übermannt zu werden.

Baldrian in der Kunst

Baldrian erscheint als Pflanze in der christlichen Ikonographie gelegentlich auf Gemälden des späten Mittelalters und der Renaissance, weil man sich so die Narde vorstellte, aus der in der Antike ein kostbares Öl gewonnen wurde. Die Indische Narde (Nardostachys jatamansi), die im Unterschied zu Valeriana officinalis einen angenehmen Duft hat, lieferte das in der alten Welt gesuchte, außerordentlich kostbare Nardenöl. Mit Nardenöl wurden Jesus von Maria, der Schwester Marthas, die Füße gesalbt und als einer seiner Jünger, Judas Iskariot, dies kritisierte, wies Jesus ihn mit den Worten zurück „Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue!“.(Joh 12,1-7 EU). Die Darstellung von Baldrian verweist auf diese Salbung und letztlich auf Jesu Leiden und Tod. Baldrian ist daher auf vielen Tafelbildern der Renaissance zu sehen, oft sehr exponiert im Zentrum.

Auch in der Heraldik (Wappenkunst) wird die Narde dargestellt. Im Wappen von Papst Franziskus befindet sich auch eine goldene Nardenblüte, die den heiligen Josef symbolisiert.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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