Weißer Germer - Veratrum album

Familie: Germergewächse - Melanthiaceae

Kategorie: Heilpflanze  Giftpflanze  Staude  Alpenpflanze  

Weißer Germer Info

Veratrum: lat. verare = wahr reden (Riechen an der Wurzel ver­ur­sacht Nie­sen; beniest = wahr); "Germer"
albatus: weiß gekleidet

andere Namen: weiße Nieswurz, Hemmer(t)wurzn, Lauskraut, Lauswurz

In der Antike wurde die Pflanze als Mord- sowie als Pfeilgift genutzt. Medizinisch fand der Weiße Germer als Mittel gegen Bluthochdruck Verwendung. Wegen der sehr hohen Giftigkeit wird die Pflanze heute nur noch in der homöopathischen Medizin als Heilpflanze genutzt.

Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimeter. Die Wurzel ist innen weiß. Die kräftige Staude hat einen einfachen Stängel, der wechselständig beblättert ist. Die Blätter selbst sind schraubig, fast dreizeilig angeordnet. Die untersten sind breit oval und werden bis 20 Zentimeter lang, die oberen sind lanzettartig. Alle Blätter sind tief gefurcht und den Stängel umfassend.

Entlang der etwa 50 Zentimeter langen Rispe sitzen sehr viele 12 bis 15 Millimeter große weiße, grünliche oder gelbliche Trichterblüten. Besonders bei Sonnenschein duftet die Pflanze sehr aufdringlich.

Der Weiße Germer blüht erst nach einigen Jahren vegetativen Wachstums. Blütezeit ist von Juni bis August.


Standort

Als Standort werden feuchte Wiesen, Weiden, Lager, Hochstaudenflure und Flachmoore von der Tallage bis in eine Höhe von etwa 2.700 Meter bevorzugt.

Verbreitung/Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet umfasst die Alpen und deren Vorland, den Apennin und Osteuropa.

Giftigkeit

Auch wurden medizinale Vergiftungen aufgrund der Verwechslung von Galgantwurzel (Rhizoma Galangae) mit Germerwurzel (Rhizoma Veratri) berichtet.

Die Symptome äußern sich in Erbrechen, heftigem Durchfall, Kältegefühl, Muskelkrämpfe, Halluzinationen, Atemnot und Kollapszuständen. Der Tod kann zwischen drei und zwölf Stunden nach der Giftaufnahme eintreten. Bei auftretenden Vergiftungserscheinungen sollte unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht bzw. der Notarzt verständigt werden. Als Gegenmaßnahmen werden die Gabe von Aktivkohle und wiederholte Magenspülungen mit Kaliumpermanganat empfohlen. Bei drohender Atemlähmung hat sich lang anhaltende künstliche Beatmung bewährt. Ansonsten symptomatische Behandlung durch Wärmezufuhr, Kreislaufstabilisation und Gabe von Schmerzmitteln.

Inhaltsstoffe

Die Pflanze ist stark giftig. Sie enthält in allen Teilen, besonders jedoch im Wurzelstock, giftige Alkaloide wie Protoveratrin und Germerin. Der Alkaloidgehalt nimmt mit steigender Höhe des Pflanzenstandorts ab. So beträgt er auf etwa 700 m ü. NN rund 1,5 Prozent und sinkt bei Pflanzen in den höchsten Lagen (etwa 2.500 Meter NN) auf 0,2 Prozent.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: z.B. vorwiegend stoffwechselbedingte akute Kreislaufschwäche mit Tendenz zur Kreislaufzentralisation und Nierenunterfunktion, besonders im Zusammenhang mit akuten Magen-Darmstörungen, Vergiftungen und Infektionskrankheiten.

Homöopathie:
Der Weiße Germer enthält giftige Alkaloide, weshalb er nur in homöopathischer Verdünnung ab D4 medizinisch eingesetzt wird. In entsprechend niedriger Dosierung wirkt Veratrum unter anderem Schwächezuständen und Kreislaufbeschwerden entgegen.(Dr.Loges)

Arzneimittel:

dysto-loges® S Tabletten Dr.Loges

1 Tablette enthält die Wirkstoffe:
13,0 mg Passiflora incarnata Ø
39,0 mg Gelsemium Trit. D4
31,2 mg Reserpinum Trit. D6 (HAB, Vorschrift 6)
33,3 mg Coffea Trit. D6
33,3 mg Veratrum Trit. D6
Sonstige Bestandteile: Lactose, Magnesiumstearat (pflanzlich), Maisstärke.
dysto-loges® S enthält Veratrum in sinnvoller Verdünnung für eine beruhigende und kräftigende Wirkung bei nervösen Störungen.
Die Anwendungsgebiete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern ab. Dazu gehören: Nervöse Störungen. Warnhinweis: Enthält Lactose. Packungsbeilage beachten. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

dysto-loges® S Tropfen Dr.Loges

dysto-loges® S enthält Veratrum in sinnvoller Verdünnung für eine beruhigende und kräftigende Wirkung bei nervösen Störungen.
10 g Tropfen enthalten die Wirkstoffe:
0,50 g Passiflora incarnata Ø
1,50 g Gelsemium Dil. D4 vinos.
1,20 g Reserpinum Dil. D8 vinos. (HAB, Vorschrift 6)
1,28 g Coffea Dil. D6 vinos.
1,28 g Veratrum Dil. D6 vinos.
Sonstige Bestandteile: Likörwein.
Die Anwendungsgebiete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern ab. Dazu gehören: Nervöse Störungen. Warnhinweis: Enthält 20 Vol.-% Alkohol.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Sonstiges

Die Pflanze kann in nicht blühendem Zustand mit dem Gelben Enzian (Gentiana lutea) verwechselt werden, dessen Blätter aber kreuzweise gegenständig und nicht wechselständig angeordnet sind.

Die Pflanze ist auch für Insekten giftig und wurde früher zur Lausbekämpfung bei Mensch und Tier benutzt. Das erfahrene Großvieh rührt es nicht an, doch gehen an ihm immer wieder Kälber, Schafe und Ziegen zugrunde.

Weißer Germer Steckbrief

Blütenfarbe: grün, braun oder unscheinbar; weiß;
Höhe/Länge von 50cm bis 1,5m
Blütezeit von Juni bis August
Lebensraum: (Fett-) Wiesen und Weiden; Auen; Gebirge; Gewässer, Feuchtgebiete; Magerwiesen; Staudenfluren, mont. und alp. Hochstaudenfluren; Wälder, Waldränder, Gebüsche, Lichtungen, Böschungen;
Blütenstand: Traube
Blattstellung: mittlere Stängelblätter wechselständig
Blattspreite: ungeteilt
Blattrand: ganzrandig;
Behaarung: ganze Pflanze nicht oder nur wenig behaart
Verholzungsgrad: Stängel krautig
Häufigkeit: zerstreut
Lebensdauer: ausdauerndes Kraut (Staude);
Zeigerpflanze: Kalkzeiger;
Höhenstufen: Hochlage (1500-3000m); Mittellage (450-1500m);
Höhenstufe min: 500m
Höhenstufe max. in den Alpen: 2700m
Bestäubungsart: Insektenbestäubung;
Lichtbedarf: Halbschatten; Licht; Schatten;
Nährstoffbedarf: mäßig nährstoffreich; nährstoffreich;
Bodenart: +/- humoser Boden; kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; toniger Boden / Tonboden;
PH-Wert Boden: mäßig sauer; mild;
Bodenfeuchte: feucht; frisch; nass;

Weißer Germer Garten / Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten; Licht; Schatten;
Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; toniger Boden / Tonboden;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; mild;
Boden Feuchte: feucht; frisch; nass;
Boden Nährstoffgehalt: mäßig nährstoffreich; nährstoffreich;
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Literatur

Bildquellenverzeichnis





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