Der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis) oder Wald-Ehrenpreis zählt zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Ursprünglich wurde er jedoch zu den Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) gezählt. Der Echte Ehrenpreis ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 20 Zentimetern erreicht. Der niederliegende bis aufsteigende Stängel ist graugrün, weich behaart, oben drüsig und wurzelt manchmal. Er bildet vegetativ oft kleine Teppiche. Die breit lanzettlichen bis eiförmigen Laubblätter sind kurz gestielt (2 bis 6 mm) und am Rand fein gesägt.
Sie bilden dichtblütige, gestielte traubige Blütenstände. Die hellblauen, blasslila oder weißlichen Blüten haben einen Durchmesser von 6 bis 7 mm. Die Blütenstiele sind kürzer als die dreieckige, abgeflachte Kapselfrucht. Blütezeit ist von Juli bis September.
Nach Plinius gibt es Hinweise auf eine Pflanzenart namens Betonica im Zusammenhang mit einem keltischen Stamm, jedoch ist ungewiss, ob der Ehrenpreis den Griechen oder Römern auch als Heilpflanze bekannt war. Im Mittelalter hatte der Ehrenpreis jedoch eine sehr hohe Bedeutung: Man vermutet die Ableitung der Bezeichnung "Veronica" von "Vera Unica" (medicina) (= einzig Wahres (Heilmittel)) als Sinnbild mit direkter Verbindung zur Hl. Veronika, die zur Unterstützung der Wundheilung angerufen wurde. Auch findet der Ehrenpreis in Leonhart Fuchs' "Kreutterbuch" lobende Erwähnung.
Verwendung in der Heilkunde
Als Heildroge dienen die getrockneten, zur Blütezeit gesammelten oberirdischen Pflanzenteile- Herba Veronicae (Syn. Veronicae herba, Herba Betonicae).
Das Ehrenpreiskraut wird heute praktisch nur noch in der Volksheilkunde bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, vorrangig bei Erkrankungen und Beschwerden der Atemwege, bei Gicht, Rheuma sowie bei Verdauungsbeschwerden. Heute wird es nur noch vereinzelt in Erkältungsteemischungen empfohlen, wo es eine leichte hustenauswurffördernde Wirkung haben soll. Äußerlich wird es als Gurgelmittel bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhäute erwähnt.
Pharmazie- und Botanikgeschichte
Erstmals erwähnt wurde der Echte Ehrenpreis unter den Namen „erenbris“, „veronica“ und „über arzt gruntheil“ im Kleinen Destillierbuch des Hieronymus Brunschwig aus dem Jahre 1500.[Anm. 1] Brunschwig schrieb die Namensgebung einem französischen König zu, der durch äußerliche Anwendung des aus Ehrenpreis gewonnenen Safts von einer chronischen Hauterkrankung geheilt wurde. Zur Herstellung des Destillats sollte das im Anfang des Monats Juni gesammelte Kraut eine Nacht und einen Tag lang in Wein gebeizt und anschließend im Marienbad destilliert werden. Die von Brunschwig für das Ehrenpreiswasser angegebenen Indikationen waren – entsprechend dem Namen „über arzt grundtheil“ – sehr zahlreich. Sie lassen sich im Wesentlichen in die Rubriken „giftwidrig“ und „blutreinigend“ einordnen.
In seinen lateinischen und deutschen Kräuterbüchern (1530–1537) erwähnte Otto Brunfels den Echten Ehrenpreis nicht. Sein Schüler Hieronymus Bock jedoch beschrieb ihn ausführlich im Anschluss an den Gamander-Ehrenpreis und er bemerkte:
„Vnsere Doctores brauchen das kraut auch / wiewol / sie nichts in der Schrifft darvon wissen / lernen täglich von den Empirischen Weibern / die der Circes Künst können.“
– Hieronymus Bock: Kreuterbuch 1539, I / 68.
Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes veröffentlichte im März 1989 eine (Negativ-)Monographie über Veronicae herba (Ehrenpreiskraut).
Homöopathie
Kommission C* (s. Quellen):... Harmonisierung des Zusammenwirkens von Empfindungs- und Lebensorganisation bei Asthma bronchiale und spastischer Bronchitis, vorwiegend zur Konstitutionsbehandlung.
Verwendung in der Küche
Das junge Kraut kann in der Küche ebenso wie Brunnenkresse zu Salat oder Gemüse verarbeitet werden.
Das junge Kraut kann in der Küche ebenso wie Brunnenkresse zu Salat oder Gemüse verarbeitet werden.
Standort
Der Wald-Ehrenpreis wächst gern auf mäßig trockenen, nährstoffarmen, mehr oder weniger basenreichen, sauren, modrig- oder torfig-humosen, meist steinig-sandigen Lehmböden.
Verbreitung & Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet des Echten Ehrenpreises umfasst Europa, Vorderasien und Makaronesien. Der Wald-Ehrenpreis wächst gern auf mäßig trockenen, nährstoffarmen, mehr oder weniger basenreichen, sauren, modrig- oder torfig-humosen, meist steinig-sandigen Lehmböden. Er kommt in Mitteleuropa vor in Gesellschaften der Verbände Quercion roboris, Luzulo-Fagenion, Epilobion angustifolii, aber auch der Klasse Nardo-Callunetea, seltener Vaccinio-Piceetea.
Inhaltsstoffe
Iridoidglycoside (0,5-1%) wie Aucubin, Catalpol sowie Catapolester; des weiteren Flavonoide, besonders Flavone (Apigenin, Luteolin), Triterpensaponine, geringe Mengen Gerbstoffe, Mannitol, ?-Sitosterol, Chlorogensäure und Kaffeesäure.
Aus derselben Gattung (Veronica)
Alle Pflanzen der Gattung Veronica →
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