Mistel - Viscum album

Familie: Santaláceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Garten Giftpflanze winterhart immergrün Biogarten Halbschmarotzer Guerilla Gardening Alpenpflanze Räucherpflanze

<b>Mistel - <i>Viscum album</i></b>
Mistel - Viscum album
Bildquelle: Wikipedia User File Upload Bot Magnus Manske; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Viscum: lat. viscum = Vogelleim (klebrige Früchte); "Mistel"
albatus: weiß gekleidet

andere Namen: Donnerbesen, Drudenfuss, Hexenbesen, Hexennest

Die Mistel war schon in der Mythologie des Altertums bekannt und wurde von den gallischen Priestern, den Druiden, als Heilmittel und zu kultischen Handlungen benutzt. Sie galt nicht nur als Wunderpflanze gegen Krankheiten, sondern wurde auch als Heiligtum verehrt, als Zeichen des immerwährenden Lebens. Die Germanen glaubten, dass die Götter die Mistelsamen in die Bäume streuten, sie also ein Geschenk des Himmels wären. Auch heute noch werden einige alte Bräuche gepflegt. So ist die Mistel in einigen Ländern, wie z.B. der Schweiz, ein Fruchtbarkeitssymbol. In England gibt es ein Ritual, dass ein Mistelzweig in der Weihnachtszeit über die Tür gehängt wird und die junge Dame, die sich unter diesem Mistelzweig befindet, auf der Stelle geküsst werden darf. In Frankreich wird ein Mistelzweig am Neujahr auch über die Tür gehängt und jederman küßt die Verwandten und die Freunde darunter. Ein Spruch wird auch gesagt : Au gui, l'an neuf, d.h. "Mit dem Mistel kommt das Neujahr".

In der germanischen Mythologie wurde der Asengott Balder mit einem Mistelzweig getötet.


Mistel - Viscum album; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 1. 1887">Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Band 1. 1887</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Mistel - Viscum album; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Silar">Wikipedia User Silar</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Viscum_album_in_Beskiden.JPG" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Viscum_album_in_Beskiden.JPG">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Viscum_album_in_Beskiden.JPG</a>Mistel - Viscum album; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Kenraiz">Wikipedia User Kenraiz</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Mistel - Viscum album; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Ies">Wikipedia User Ies</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; Mistel - Viscum album; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Llez">Wikipedia User Llez</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Die Weißbeerige Mistel (Viscum album), auch Weiße Mistel, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae).

Sie ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der auf den Ästen von Laubbäumen sitzt und Wasser und darin gelöste Mineralsalze aus deren Holzteil entzieht. Im Laufe der Jahre wachsen Misteln häufig zu kugeligen Büscheln heran, die bis zu einem Meter Durchmesser erreichen können. An den Enden der gleichmäßig gabelig verzweigten Sprosse der Mistel sitzen die lederigen Blätter, die mehrjährig oder einjährig sein können. Die eingeschlechtlichen unscheinbaren Blüten sitzen in der Gabel zwischen den Zweigen. Die Früchte der Weißen Mistel sind weiße, ein- bis zweisamige runde Scheinbeeren. Je Samen bilden sich bis zu 3–4 grüne Embryonen aus. Die Samen sind von einem zähen, schleimig klebrigen Fruchtfleisch umgeben, wodurch die Verbreitung der Mistel durch Vögel (Verdauungsverbreitung) ermöglicht wird. Die Blütezeit der Weißen Mistel ist von Februar bis Mai.

Ökologie

Die Samen der Mistel werden durch Vögel verbreitet (Verdauungsverbreitung, Endozoochorie). Vögel wie Misteldrossel, Mittelsaeger, der Specht oder der Eichelhäher u. a. fressen die weißen fleischigen Früchte der Mistel, können die Samen jedoch nicht verdauen. Deshalb werden diese zusammen mit dem Kot und Resten des klebrigen Nährgewebes wieder ausgeschieden und verfangen sich zusammen mit diesen in den Ästen der Bäume. Wenn der Samen dabei direkt auf einem Ast liegen bleibt, beginnt der Samen bald daraufhin zu keimen. Bei der Keimung wächst zunächst ein kleiner Stängel mit einer Haftscheibe aus dem Samen, aus der kurz nach der Keimung ein Saugfortsatz (Haustorium) in den Ast des Wirtes hinein wächst. Das Haustorium entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer Primärwurzel, die immer weiter in das Wirtsgewebe eindringt. Aus der Primärwurzel wachsen im folgenden Jahr sog. Senkerwurzeln, die bis in das Leitungsgewebe des Wirtes vordringen und selber auch wieder in der Lage sind, neue Senker sowie Wurzelsprosse auszubilden. Erst nachdem die Senkerwurzel die Leitungsbahnen des Wirtes erreicht haben, entwickelt sich die Mistel weiter. Nach einigen Jahren ist die Mistel dann so reich verzweigt, dass sie kugelige Büschel von bis zu einem Meter Durchmesser erreichen kann. Der Parasitismus der Mistel kann für die Wirtspflanze bedeuten, dass der Ast, auf dem die Mistel lebt, abstirbt. Auf Obstplantagen kommt es häufig zu Ernteverlusten, wenn die Wirtspflanze nicht mehr ausreichend Nährstoffe zur Verfügung hat, um genügend Früchte auszubilden.

Die Weiße Mistel ist einer der wenigen Hemiparasiten Mitteleuropas, der direkt auf dem Spross seiner Wirtspflanze parasitiert.

Die Pflanze ist bereits direkt nach der Keimung photosynthetisch aktiv und kann daher in diesem Entwicklungsstadium auch einige Jahre überdauern, wenn die Haustorien-Zellen die Leitungsbahnen der Wirtspflanze nicht erreichen können. Die Ursache, warum die Mistel in diesem Zustand verbleibt, ist bis heute nicht erforscht.

Eine weitere Besonderheit der Mistel ist, dass sie als photosynthetisch aktiver Halbschmarotzer ihrem Wirt eigentlich nur Wasser und Mineralsalze entziehen müsste, deshalb erstaunt es auch heute noch viele Forscher, dass sie dennoch die Leitungsbahnen für die organischen Substanzen (das Phloem) des Wirtes anzapft. Ob sie dabei dem Wirt auch Nährstoffe entzieht, wird im Moment noch kritisch diskutiert.

Unterarten

Nach der Bindung an unterschiedliche Wirtsbaumarten werden innerhalb der Art Viscum album mehrere Unterarten oder "Wirtsrassen" unterschieden:

* Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album; synonym Viscum album) - auf Pappeln, Weiden, Apfelbäumen, Weißdorn, Birken, Haseln, Robinien, Linden, Ahornbäumen, amerik. Rot-Eiche, amerik. Schwarznuß, amerik. Eschen, Hainbuche und anderen, nicht aber z.B. auf Rot-Buche, Süßkirsch- und Pflaumenbäumen, Walnußbaum, Platanen, Paulownien, Götterbäumen oder Magnolien.
* Tannen-Mistel (Viscum album subsp. abietis; synonym Viscum abietis) - auf Weißtannen.
* Kiefern-Mistel (Viscum album subsp. austriacum; synonym Viscum laxum) - auf Kiefern, selten auf Fichten. In Bayreuth wurde sie erstmalig auf der europäischen Lärche entdeckt. Vorkommen in Süd- und Ostdeutschland, Österreich (Wachau) und Japan.
* Im Jahr 2002 wurde mit der Kretischen Mistel (Viscum album subsp. creticum) eine weitere Unterart beschrieben, die als Endemit nur auf Kreta vorkommt und dort auf der Brutia-Kiefer (Pinus halepensis subsp. brutia) schmarotzt.

Die früher gelegentlich als Unterart (Viscum album subsp. coloratum) geführte Koreanische oder Japanische Mistel wird dagegen heute als eigene Art (Viscum coloratum) angesehen.



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Preis:



Standort

Sie ist eine der wenigen parasitisch lebenden Pflanzen Europas, die direkt am Spross der Wirtspflanze parasitiert.

Verbreitung/Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der Weißbeerigen Mistel sind die wintermilden Regionen Südskandinaviens sowie Mittel- und Südeuropas. Dort wächst sie zerstreut auf Laubbäumen wie z. B. verschiedenen Obstbaumarten, Linden, Ahorn oder Weißdorn bevorzugt an basenreichen Standorten. Neben Viscum album kommt in Südeuropa noch Loranthus europaeus L. vor. In Mitteleuropa wächst jedoch nur die Weiße Mistel.

Giftigkeit

Die Stärke des Giftes ist von der Wirtspflanze abhängig. Ist der Wirt der Mistel eine Linde oder ein Ahorn, ist das Gift stärker als beispielsweise bei einem Apfelbaum.

Inhaltsstoffe

Alle Organe der Laubholz-Mistel enthalten giftige Inhaltsstoffe in Form von basischen Polypeptidgemischen (Viscotoxine), außerdem Amine, Flavonoide, Lectine und Vitamin C.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Als Heildroge dienen die getrockneten, jungen Zweige mit Blättern, Blüten und Früchten. Inhaltsstoffe sind Lektine (Glykoproteine), Viscotoxine (toxische Polypeptide), wasserlösliche Polysaccharide, biogene Amine, Flavonoide, Lignane, Cyclitole, wie Viscumitol und Phenolcarbonsäuren.

Zur Anwendung werden traditionell Misteltee oder auch entsprechende Fertigpräparate mit Mistelextrakten zur Unterstützung des Kreislaufs bei Neigung zu Hypertonie und zur Arterioskleroseprophylaxe eingenommen. Bisher liegt aber kein ausreichender Nachweis für die Wirksamkeit bei diesen Indikationen vor. Nur nach intravenöser Injektion kann ein vorübergehender Blutdruckabfall festgestellt werden, der auf die biogenen Amine zurückgeführt wird.

Hiervon abzugrenzen sind Präparate aus frischem Mistelkraut, die man zeitweise intrakutan zur Segment-Therapie u. a. bei entzündlich-degenerativen Gelenkerkrankungen, Arthrosen sowie Bandscheibenerkrankungen heranzog. Ausgelöst durch die Viscotoxine kommt es am Injektionsort zu lokalen Entzündungen, die eine Aktivierung der zellulären Immunabwehr zur Folge haben.

Extrakte der Weißbeerigen Mistel kommen für die sogenannte Misteltherapie, eine primär in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitete, alternativ- und komplementärmedizinische Krebsbehandlungsmethode, zum Einsatz. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, schlug die Mistel 1916 für die Krebstherapie vor; die Ärztin Ita Wegman griff seine Anregungen auf. Die Misteltherapie wird bis heute zumeist innerhalb der anthroposophischen Medizin zur besseren Verträglichkeit der Nebenwirkungen von Standart-Therapien bei Krebs eingesetzt. Zugelassen sind wässrige Extrakte aus Mistelpflanzen, die in oder unter die Haut gespritzt werden sollen. Auch die intravenöse Verabreichung wird von einigen Herstellern als Behandlungsmöglichkeit angegeben. Zudem wurden Versuche mit Injektionen direkt in Tumore durchgeführt. Tropfen oder Tees, die Mistelextrakte enthalten, sind nicht für die Krebstherapie zugelassen. Die Forschung interessiert sich vor allem für die im pflanzlichen Presssaft enthaltenen Lektine. Ihre Effekte wurden an Zellkulturen und im Tierversuch getestet, ebenso die Wirkung einiger weiterer isolierter Inhaltsstoffe der Mistelextrakte. Bei einzelnen Mistelpräparaten sorgen die Hersteller inzwischen für eine von Flasche zu Flasche und unabhängig vom Datum der Herstellung immer gleichbleibende Lektin-Konzentration. Solche Produkte heißen Lektin-standardisiert oder Lektin-normiert. Trotz langjähriger Anwendung und Forschung ist nicht belegt, dass Mistelpräparate das Tumorwachstum hemmen oder gar Krebspatienten heilen können. Bei Brustkrebspatientinnen, die eine Mistelbehandlung parallel zu einer Chemotherapie erhielten, konnte eine Verbesserung der Lebensqualität beobachtet werden. Die Erfolge werden im Sinne einer unspezifischen Reiztherapie gedeutet, nicht als direkte zytotoxische Wirkung der Präparate.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis werden Mistelextrakte injiziert um die Form- und Integrationskräfte zur Auflösung und Wiedereingliederung verselbstständigter Wachstumsprozesse anzuregen, z.B. bei bösartigen und gutartigen Geschwulstkrankheiten, bösartigen Erkrankungen und begleitenden Störungen der blutbildenden Organe; zur Anregung der Knochenmarkstätigkeit; zur Vorbeugung gegen Geschwulstrezidive; definierte Vorstufen von Krebs (Präkanzerosen).
Kommission C* (s.Quellen):... Bösartige und gutartige Geschwulstkrankheiten sowie bösartige Erkrankungen und begleitende Störungen der blutbildenden Organe;Anregung der Knochenmarkstätigkeit; Vorbeugung gegen Geschwulstrezidive; definierte Präkancerosen; chronische, grenzüberschreitende Erkrankungen, z.B. Morbus Crohn, chronische Gelenkerkrankungen.

Als das klassische Arzneimttel zur Verbesserung der Lebensqualität bei schweren Tumorerkrankungen werden Ampullen zur subkutanen Injektion von den Firmen Helixor, WELEDA (Iscador) und Wala (Iscucin) angeboten.


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Mistel - Garten/Anbau

Misteln eignen sich sehr gut für Wildgärten, da sie einfach anzupflanzen sind, denn es reicht aus, die frischen noch klebrigen Beeren an eine junge Borke eines geeigneten Wirtsbaumes anzuheften.

Sonstiges

Die Früchte der Mistel wurden früher wegen des klebrigen Nährgewebes in der Frucht zur Herstellung von Vogelleim verwendet. In einigen europäischen Ländern ist diese Un-Art des Vogelfangs immer noch ein beliebter "Sport".


Sich unter dem Mistel-Zweig zu küssen ist wohl eines der berühmtesten abendländischen Rituale! Paare, die sich zu Weihnachten unter einem Mistel-Zweig küssen, sollen für immer zusammen bleiben.

Literatur




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Bildquellenverzeichnis



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