Wurzellose Zwergwasserlinse - Wolffia arrhiza

Familie: Araceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Wasserpflanze

<b>Wurzellose Zwergwasserlinse - <i>Wolffia arrhiza</i></b>
Wurzellose Zwergwasserlinse - Wolffia arrhiza
Bildquelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thome Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany; Bildlizenz: Public Domain;

Wolffia: n. d. dtsch. Arzt J.F.Wolff (1778 - 1806); "Zwerg­was­ser­lin­se"
arrhizus: ohne Wurzeln


Die winzigen Pflanzenkörper, die bei Wasserlinsen als „Sprossglieder“ (nicht: Blätter!) bezeichnet werden, sind bei Wolffia arrhiza ellipsoid bis eiförmig, etwa 0,5 bis 1,5 Millimeter lang, manchmal leicht durchscheinend und grün gefärbt. Sie treiben entweder einzeln oder zu zweit (mit einem Tochter-Sprossglied) an der Wasseroberfläche. Im Gegensatz zu anderen Wasserlinsen sind keine Wurzelfäden vorhanden. Es handelt sich quasi nur um ein paar Chlorophyll-Zellen, die in ein Miniatur-Schwimmpolster integriert sind. Ein Sprossglied weist zwischen zehn und einhundert Stomata (Spaltöffnungen) auf. Die Pflanzen sind monözisch und „blühen“ unsichtbar im Verborgenen. Dabei existiert nur jeweils ein Griffel und ein Staubfaden – manche Botaniker interpretieren diesen Aufbau auch als Blütenstand zweier eingeschlechtiger Pflanzen. In Mitteleuropa bleibt die Wurzellose Zwergwasserlinse allerdings in der Regel steril – entscheidend ist hier die vegetative Vermehrung durch Sprossung und die passive Verbreitung mit Hilfe von Wasservögeln. Zur Überwinterung übernehmen die kleineren Tochtersprosse die Funktion von Turionen, die im Herbst auf den Gewässergrund sinken. Die übrigen Sprossglieder sterben dann ab.

Reibt man Zwergwasserlinsen zwischen den Fingerspitzen, fühlt sich die Konsistenz granulatartig an oder auch wie grobe Sandkörner. Eine Verwechslung mit kümmerwüchsigen Exemplaren anderer Wasserlinsen sollte eigentlich auszuschließen sein, wenn man diese Art einmal gesehen und befühlt hat (man beachte allerdings den
Hinweis:unten auf mögliche Vorkommen anderer, neophytischer Wolffia-Arten in Europa!).

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40, 50 oder 80.


Verbreitung/Vorkommen

Die Wurzellose Zwergwasserlinse ist recht wärmebedürftig und wächst im Sommerhalbjahr auf der Oberfläche stehender, mäßig nährstoff- und basenreicher, besonnter, windgeschützter Gewässer, etwa in Feldweihern, Altwässern, Gräben und Torfstichen. Normalerweise tritt sie gesellig auf, indem sie das Gewässer dicht an dicht mit Millionen von Sprossgliedern bedeckt. Dabei ist sie meist mit verschiedenen anderen Teich- und Wasserlinsenarten (beispielsweise Vielwurzelige Teichlinse, Kleine Wasserlinse) oder auch mit dem Teichlebermoos (Riccia fluitans) vergesellschaftet. Sie gilt als Charakterart des Verbands Lemnion minoris und besiedelt Gewässer bis zu einer Wassertiefe von 150 Zentimetern.

Die Art ist in Europa mediterran bis gemäßigt kontinental verbreitet; ihr Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis Nordindien, darüber hinaus auch in Asien von Südkorea bis zu den Philippinen und umfasst Afrika und Australien. In Deutschland gilt sie als sehr selten. Gewisse Schwerpunktvorkommen bestehen in Teilen des norddeutschen Tieflandes, unter anderem im Raum Bremen und bei Uelzen. Die wenigen bekannten Nachweise in Süddeutschland sind wahrscheinlich synanthrop, resultieren also aus Ansiedlungen durch den Menschen. Auf der Roten Liste Deutschlands wird Wolffia arrhiza als „stark gefährdet“ geführt.

Nach Funden der sehr ähnlichen, aus Amerika stammenden Kolumbianischen Zwergwasserlinse (Wolffia columbiana H. Karst.) im Jahr 2013 in Deutschland und den Niederlanden stellte sich bei Kontrollen heraus, dass es sich bei mehreren der vermeintlichen Vorkommen der Wurzellosen Zwergwasserlinse (Wolffia arrhiza) in Wirklichkeit um diesen Neophyten handelt.
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Literatur

Bildquellenverzeichnis



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