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Garten · Obst · Beerenpflanzen

Erdbeeren anbauen

Erdbeeren sind die beliebteste Frucht im Hausgarten. Mit dem richtigen Standort, der passenden Sorte und etwas Pflege gibt es von Juni bis Oktober frische Früchte direkt vom Beet.

Jun–OktErntezeit
30×30Pflanzabstand (cm)
3 JahreStandzeit je Beet
500 g/m²Durchschnittsertrag

Sorten im Überblick

Frühe Sorten, klassische Einmaltragene und remontierend (mehrmals tragende) — für jede Saison die passende Wahl.

Früh (Mai–Juni)
Honeoye
Sehr früh, große gleichmäßige Früchte, robust, säuerlich-süß. Ideal für Einsteiger.
Clery
Sehr frühe italienische Sorte, große dunkelrote Früchte, intensives Aroma, wenig Ausläufer.
Mittel (Juni–Juli)
Senga Sengana
Der Klassiker — intensiv aromatisch, ideal zum Einmachen und Einfrieren. Etwas kleiner, aber unschlagbar im Geschmack.
Elsanta
Marktstandard: gleichmäßige Form, mittleres Aroma, sehr hoher Ertrag. Empfindlich gegenüber Trockenheit.
Korona
Süß-aromatisch, gute Lagerfähigkeit, robust. Bewährt in Hausgärten.
Spät (Juli–Aug)
Polka
Spät und ertragreich, große konische Früchte, sehr gutes Aroma, tolerant gegenüber Grauschimmel.
Florence
Englische Spätsorte, süßes Aroma, robust, besonders gut für feuchte Lagen geeignet.
Remontierend (Jun–Okt)
Ostara
Altbewährte remontierte Sorte, trägt von Juni bis Oktober, aromatische mittelgroße Früchte, kaum Ausläufer.
Albion
Amerikanische Top-Sorte, sehr großes süßes Aroma, hoher Ertrag durch die gesamte Saison.
Wald-Erdbeere
Klein aber intensivst aromatisch — trägt ununterbrochen von Mai bis Frost. Kaum Pflegeaufwand.

Pflanzen — richtig und zum richtigen Zeitpunkt

Das Herz muss frei bleiben!

Der Vegetationspunkt (die Wachstumsknospe im Zentrum der Pflanze) darf nicht von Erde bedeckt sein — sonst fault die Pflanze. Die Krone sitzt genau auf Bodenhöhe.

Pflanzzeit

Ideal: August–September. Herbstgepflanzte Erdbeeren blühen und tragen schon im nächsten Jahr voll. Frühjahrsplanzung (März–April) ist möglich — bringt aber im ersten Jahr deutlich weniger Ertrag.

Standort

Vollsonnig, windgeschützt, warm. Mindestens 6 Stunden Sonne täglich. Boden locker, humusreich, leicht sauer (pH 5,5–6,5). Kein Staunässe — Wurzelfäule ist der häufigste Todesfall.

Pflanzabstand

30 cm zwischen den Pflanzen, 60–80 cm zwischen den Reihen. Bei Hochbeeten oder Töpfen: 25 cm. Enger pflanzen = mehr Konkurrenz = kleinere Früchte und mehr Krankheitsdruck.

Fruchtfolge

Erdbeeren nie nach Erdbeeren, Tomaten, Kartoffeln oder Paprika pflanzen — Verticillium-Welke und Bodenmüdigkeit. Mindestens 4 Jahre Pause. Gute Vorfrüchte: Erbsen, Salat, Zwiebeln.

Standzeit & Erneuerung

Nach 3 Jahren deutlich nachlassender Ertrag. Beet räumen, Jungpflanzen aus Ausläufern des 1. Jahres nehmen und an neuer Stelle pflanzen.

Gießen, Düngen & Mulchen

Gießen

  • Gleichmäßig feucht halten — besonders beim Fruchtansatz
  • Morgens gießen, direkt an die Wurzel (kein Sprühen)
  • Mulch reduziert Gießbedarf deutlich
  • Nicht auf Früchte und Blätter gießen — Grauschimmel!
  • Keine Staunässe — lieber tropfenweise als zu viel auf einmal

Düngen

  • Frühjahr: Kompost einarbeiten (3 l/m²)
  • Vor Blüte: Brennnesseljauche 1:10 — Kalium fördert Fruchtqualität
  • Nach Ernte: Rückschnitt + Kompost = Kraft für nächstes Jahr
  • Zu viel Stickstoff → üppiges Laub, wenig Früchte, mehr Botrytis
  • Mineralischer Dünger in der Fruchtreife — macht Früchte wässrig

Mulchen

  • Stroh unter die Früchte (kein Bodenkontakt = kein Faulen)
  • Stroh hält Boden feucht und Unkraut nieder
  • Alternativ: schwarze Folie oder Jutevlies
  • Stroh im Herbst etwas über die Pflanzen — schützt vor Frost
  • Stroh erst nach Reife-Beginn auslegen — davor kühlt es den Boden

Ausläufer — Vermehrung & Kontrolle

1

Ausläufer erkennen

Lange, dünne Triebe, die die Mutterpflanze nach der Blüte aussendet. An ihren Enden bilden sich Tochterpflanzen (Rosetten), die sich beim Bodenkontakt verwurzeln.

2

Für Vermehrung nutzen

Die ersten 1–2 Ausläufer pro Mutterpflanze behalten und in einen kleinen Topf mit Erde leiten (mit Drahtklammer fixieren). Sobald gut verwurzelt (ca. 4–6 Wochen), Verbindung trennen.

3

Übrige abschneiden

Nicht benötigte Ausläufer konsequent abschneiden — sie kosten die Mutterpflanze Kraft, die in Früchte fließen soll. Remontierte Sorten produzieren ohnehin kaum Ausläufer.

4

Jungpflanzen einsetzen

Beste Jungpflanzen: aus dem ersten Ausläufer der Mutterpflanze (direkte Nachkömmlinge sind immer kräftiger als Enkel). Im August–September ins neue Beet pflanzen.

Nur Jungpflanzen aus gesunden, ertragreichen Mutterpflanzen verwenden — Krankheiten werden über Ausläufer weitergegeben.

Krankheiten & Schädlinge

🍄
Grauschimmel (Botrytis)
Pilzkrankheit

Grauer Schimmelbelag auf Früchten und Blättern — häufigste Erdbeerkrankheit. Begünstigt durch feuchtes Wetter und enges Pflanzen.

Vorbeugen: Mulchen, gute Luftzirkulation, nicht abends gießen, Stroh unter die Früchte, Polka-Sorten bevorzugen.
🕷
Spinnmilben
Schädling

Winzige Milben an der Blattunterseite — verursachen silbrig-bronzefarbene, trockene Blätter. Häufig bei Hitze und Trockenheit.

Bekämpfung: Regelmäßig mit Wasser abspritzen. Raubmilben (Phytoseiulus) als Nützlinge einsetzen. Schachtelhalm-Absud stärkt die Pflanze.
🪲
Erdbeerblütenstecher
Schädling

Kleiner Rüsselkäfer bohrt Knospen an und legt Eier hinein — abgeknickte Knospen fallen ab. Schaden vor allem im Mai.

Gegenmaßnahme: Befallene Knospen absammeln. Gelbe Leimfallen aufhängen. Tagetes als Begleitpflanze wirkt vorbeugend.
🐌
Schnecken
Schädling

Fressen reife Früchte, besonders bei Bodenberührung. Abend- und Morgenstunden sind die kritischen Zeiten.

Vorbeugen: Stroh mulchen hält Schnecken auf Abstand (raue Oberfläche). Schneckenkorn biologisch (Eisenphosphat). Igel als natürliche Helfer fördern.
🌿
Verticillium-Welke
Bodenpilz

Pflanzen welken trotz ausreichend Wasser, Blätter werden braun und hängen. Bodenpilz aus der Gattung Verticillium befällt die Wurzeln.

Einzige Lösung: Befallene Pflanzen entfernen, Beet räumen. Standortwechsel (mind. 4 Jahre Pause). Resistente Sorten wählen (Korona, Polka).
🦟
Erdbeer-Gallmilbe
Schädling

Winzig klein, mit bloßem Auge unsichtbar. Befallene Pflanzen bleiben klein, Blätter kräuseln sich, Früchte verkümmern.

Vorbeugen: Nur zertifiziertes virusfreies Pflanzgut kaufen. Befallene Pflanzen sofort entfernen und vernichten (nicht kompostieren).

Ernten & Haltbar machen

Reife erkennen

Erst ernten wenn vollständig rot — auch der Kelch muss rot sein. Unreife Erdbeeren werden nach der Ernte nicht süßer. Früchte, die in der Sonne warm wurden, sofort essen (verdirbt schnell).

Richtig pflücken

Immer mit Stiel und Kelch drehen — nie am Kelch ziehen (Pflanze beschädigt). Täglich ernten in der Hauptsaison. Am besten morgens, wenn die Früchte kühl sind.

Einfrieren

Gut waschen, trocknen, auf Tablett anfrieren (ca. 2 h) — dann in Beutel füllen. So kleben sie nicht zusammen. Eingefroren mindestens 12 Monate haltbar. Ideal für Smoothies, Marmelade, Desserts.

Marmelade & Sirup

Klassisch: 1 kg Erdbeeren + 500 g Gelierzucker 2:1 = ca. 1,5 l Marmelade. Für Sirup: Erdbeersaft + Zucker 1:1 aufkochen, heiß in Flaschen füllen. Im Kühlschrank 4–6 Wochen haltbar.

Tipps von Pflanzen in Deutschland

Knoblauch als Nachbar

Knoblauch zwischen den Erdbeerstauden pflanzen schützt nachweislich vor Grauschimmel (Botrytis) und Blattläusen. 1 Knoblauchzehe alle 50 cm in der Reihe reicht.

Nach der Ernte zurückschneiden

Direkt nach der Ernte alle alten Blätter ca. 10 cm über der Krone abschneiden. Kompostieren, nicht liegenlassen. Dann düngen — die Pflanze treibt frisch aus und geht kräftig in den Winter.

Frühstart mit Folie

Überwinternde Pflanzen im März mit klarer Folie oder Vlies abdecken — Ernte 2–3 Wochen früher. Folie bei 15 °C tagsüber lüften, damit keine Überhitzung und gute Bestäubung.

Hochbeet — ideal für Erdbeeren

Hochbeete wärmen sich schneller auf, haben gute Drainage und schützen vor Bodenpilzen. Erdbeeren profitieren besonders: frühere Ernte, weniger Schnecken, Früchte hängen frei über den Rand.