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Großblütiger Fingerhut

Digitalis grandiflora Mill.

Der Großblütige Fingerhut ist eine mehrjährige, krautige Pflanze und kann während der Blütezeit eine Wuchshöhe von 70 bis 120 cm erreichen. Der blütentragende Spross beginnt sich aus einer grundständigen Blattrosette im Mai zu entwickeln. Im Juni und Juli trägt die Pflanze zwanzig oder mehr gelbe Blüten in einem nach einer Seite gerichteten traubigen Blütenstand. Die Blüten sind drüsig behaart, sie werden 3 bis 4 cm lang und weisen innen eine braune, netzförmige Zeichnung auf. Es werden zweifächrige, vielsamige Kapselfrüchte gebildet.

Der Großblütige Fingerhut ist ein Hemikryptophyt und zählt zu den schönsten und auffallendsten Waldpflanzen Mitteleuropas. Die vormännlichen Blüten werden durch Hymenoptera (Hummeln, Bienen) bestäubt; auch Selbstbestäubung ist möglich.

Die Giftwirkung entspricht der von Digitalis purpurea.Die Pflanze ist hochgradig giftig. Bereits der Verzehr von zwei bis drei Fingerhutblättern kann für Erwachsene tödlich enden. Aufgrund des bitteren Geschmacks kommt es allerdings selten dazu. Iatrogene (= durch ärztliche Maßnahmen hervorgerufene) Vergiftungen können im Rahmen einer Therapie vorkommen, da die Wirkungsbreite der Digitalisglykoside gering ist. Die ersten Anzeichen einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindelanfälle. Hemmung der AV-Überleitung (Erregungsleitungssystem des Herzens). Dadurch verursachtes Sinken der Pulsfrequenz unter 50 (20) Schläge pro Minute.

Möglicher Tod durch systolischen Herzstillstand.

Giftige Pflanzenteileganze Pflanze
Giftigstes Pflanzenteilunreife Frucht, Frucht, Samen, Blüte, Blatt oder Stängel, Wurzel oder Knolle
GiftstoffeHerzglykoside (Cardenolide), Digitalisglykoside

Erste Symptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen, Ohrensausen, verlangsamter Puls (Bradykardie)

Folgesymptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Halluzinationen, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen, Delirium, Hörstörungen, Krämpfe, erhöhter Harndrang, Müdigkeit, Gelbgrünsehen, Kammerflimmern, Kammerflattern, psychotische Zustände, neurologische Symptome, Extrasystolen

Symptome bei Hautkontakt

allergische Reaktion, Hautausschlag, Rötung, Brennen auf der Haut

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), viel Wasser trinken, Erbrechen lassen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser

Standort

Man findet den Großblütigen Fingerhut zerstreut, aber gesellig in grasigen Staudenfluren, in Waldverlichtungen, Waldschlägen, an Waldrändern, in sonnigen Steinhalden. Er liebt mäßig basen-, mull- und stickstoffreichen Lehmboden. Nach ELLENBERG ist er eine Halblichtpflanze, subozeanisch verbreitet, ein Frischezeiger, ein Mäßigsäurezeiger, auf mäßig stickstoffreichen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart der Weidenröschen-Waldlichtungsfluren auf sauren Böden (Epilobion angustifolii).

Inhaltsstoffe

Die Pflanze ist in allen Teilen durch Cardenolide (ca. 100 Digitalis-Glykoside) giftig. In den Blättern sind 0,2% Glykoside vom Digitoxin-Typ und ca. 0,1% solche vom Digoxin-Typ enthalten. Trotzdem spielt die Pflanze keine Rolle bei der Gewinnung von Herz-Glykosiden.

Aus derselben Gattung (Digitalis)

Alle Pflanzen der Gattung Digitalis

Aus derselben Familie (Wegerichgewächse)

Alle Pflanzen der Familie Wegerichgewächse