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Wolliger Fingerhut

Digitalis lanata Ehrh.

Der Wollige Fingerhut ist eine zweijährige bis mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 90 cm erreicht. An den langen blau-purpurfarben überhauchten Stängeln trägt sie länglich lanzettliche Blätter. Der Blütenstand enthält viele kleine weiße bis cremegelbe Blüten mit brauner Aderung, die Tragblätter des Blütenstands sind wollig behaart, daher rührt der Name dieser Pflanzenart. Die Stomata sind anomozytisch, es sind keine Deckhaare vorhanden, Drüsenhaare sehr selten (wenn vorhanden, dann einzelliger Stiel und ein- oder zweizelliges Köpfchen, Epidermiszellen sind knotig verdickt) .

Verwendung in der Heilkunde

Er wird weltweit als Heilpflanze zur industriellen Gewinnung von herzwirksamen Digitalisglykosiden angebaut, die chemisch zu den Cardenolidglykosiden zählen. Der aus den getrockneten Laubblättern gewonnene Wirkstoff dient als Rohstoff für Arzneimittel zur Behandlung von Herzinsuffizienz. Ein optimaler Wirkstoffgehalt wird dabei im Herbst des ersten Anbaujahres erreicht.Die Art ist die am besten untersuchte Digitalis-Art.

Alle Pflanzenteile des Wolligen Fingerhuts sind hochgradig giftig.Die Giftwirkung entspricht der von Digitalis purpurea.Die Pflanze ist hochgradig giftig, bereits der Verzehr von zwei bis drei Fingerhutblättern kann für Erwachsene tödlich enden. Aufgrund des bitteren Geschmacks kommt es allerdings selten dazu. Iatrogene (= durch ärztliche Maßnahmen hervorgerufene) Vergiftungen können im Rahmen einer Therapie vorkommen, da die Wirkungsbreite der Digitalisglykoside gering ist. Die ersten Anzeichen einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindelanfälle. Hemmung der AV-Überleitung (Erregungsleitungssystem des Herzens). Dadurch verursachtes Sinken der Pulsfrequenz unter 50 (20) Schläge pro Minute.
Möglicher Tod durch systolischen Herzstillstand.

GiftstoffeHerzglykoside (Cardenolide), Digitalisglykoside

Erste Symptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Halluzinationen, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen, Ohrensausen

Folgesymptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Halluzinationen, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen, Delirium, Hörstörungen, Krämpfe, verlangsamter Puls (Bradykardie), erhöhter Harndrang, Müdigkeit, Gelbgrünsehen, Kammerflimmern, Kammerflattern, psychotische Zustände, neurologische Symptome, Extrasystolen

Symptome bei Hautkontakt

allergische Reaktion, Hautausschlag, Juckreiz, Rötung

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), viel Wasser trinken, Erbrechen lassen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser

Standort

Die Art ist insbesondere an sonnig-warmen Ruderalstandorten auf trockenen, meist kalkhaltigem, sandig-steinigen Böden anzutreffen.

Verbreitung & Vorkommen

Die Art kommt in Kulturen und Gärten vor und ist gelegentlich daraus verwildert. Die Heimat ist das pontische Klima- und Florengebiet Ungarns und Südosteuropas. In Österreich und Nordamerika ist diese Art ein Neophyt. Nur noch ein Betrieb in Deutschland baut den Wolligen Fingerhut in großem Stil an.

Inhaltsstoffe

Als wirkungsvoller Fraßschutz angesehen werden können die in den Blättern vorkommenden mehr als 70 bitteren, herzwirksamen Glykoside, die sich von den 5 Geninen Digitoxigenin, Gitoxigenin, Digoxigenin, Diginatigenin und Gitaloxigenin ableiten. Ihre Konzentration kann im Gewächshausanbau durch Wärme und erhöhte Kohlendioxidkonzentration (Kohlenstoffdioxid-Düngung) deutlich gesteigert werden.

Aus derselben Gattung (Digitalis)

Alle Pflanzen der Gattung Digitalis

Aus derselben Familie (Wegerichgewächse)

Alle Pflanzen der Familie Wegerichgewächse