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Gelber Fingerhut

Digitalis lutea L.
Giftpflanze Alpenpflanze Giftig ⚠️

Der Gelbe Fingerhut ist eine zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 30 und 70 Zentimeter. Der aufrechte, unverzweigte Stängel ist schwach rinnig und kahl, die wechselständig angeordneten, schmal- bis eiförmig-lanzettlichen Blätter sind einfach, am Rand fein gewimpert, sonst kahl und unregelmäßig gesägt. Eine bodenständige Rosette zur Blütezeit wie bei anderen Fingerhüten fehlt.

Der Blütenstand ist eine einseitswendige Traube aus vielen, dicht stehenden schwefelgelben, engröhrigen, zeichnungslosen Blüten, die 9–25 mm lang und innen behaart sind. Die Blüten sind kleiner und schmaler als die des Großblütigen Fingerhuts, dessen Blüten 28–40 mm lang, ockergelb und innen gezeichnet sind. Die Krone setzt sich aus fünf verwachsenen Kronblättern zusammen. Es gibt vier Staubblätter, der Fruchtknoten ist oberständig, die Frucht eine Kapsel. Den Blättern fehlen die Nebenblätter.

Man kann folgende Unterarten unterscheiden:

Digitalis lutea L. subsp. lutea: Sie kommt in Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien, in der Schweiz, in den Niederlanden, in Belgien und in Tschechien vor.
Digitalis lutea subsp. atlantica : Sie kommt in Marokko vor.
Digitalis lutea subsp. australis (Ten.) Arcang.: Sie kommt in Italien und Korsika vor.
Digitalis lutea subsp. cedretorum Emb.: Sie kommt in Marokko vor.
Digitalis lutea subsp. transiens (Maire) Emb. & Maire: Sie kommt in Marokko vor.

Die Giftwirkung entspricht der von Digitalis purpurea.Die Pflanze ist hochgradig giftig. Bereits der Verzehr von zwei bis drei Fingerhutblättern kann für Erwachsene tödlich enden. Aufgrund des bitteren Geschmacks kommt es allerdings selten dazu. Iatrogene (= durch ärztliche Maßnahmen hervorgerufene) Vergiftungen können im Rahmen einer Therapie vorkommen, da die Wirkungsbreite der Digitalisglykoside gering ist. Die ersten Anzeichen einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindelanfälle. Hemmung der AV-Überleitung (Erregungsleitungssystem des Herzens). Dadurch verursachtes Sinken der Pulsfrequenz unter 50 (20) Schläge pro Minute.
Möglicher Tod durch systolischen Herzstillstand.

GiftstoffeHerzglykoside (Cardenolide), Digitalisglykoside

Erste Symptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Halluzinationen, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen, Ohrensausen

Folgesymptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Schleimhautreizung, Halluzinationen, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen, Juckreiz, Sehstörungen, Delirium, Hörstörungen, Krämpfe, verlangsamter Puls (Bradykardie), erhöhter Harndrang, Müdigkeit, Gelbgrünsehen, Kammerflimmern, Kammerflattern, psychotische Zustände, neurologische Symptome, Hautirritationen

Symptome bei Hautkontakt

allergische Reaktion, Hautausschlag, Brennen auf der Haut

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), viel Wasser trinken, Erbrechen lassen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser

Standort

Sie schätzt trockene, kalkhaltige, steinige und warme Böden an hellem Standort wie Lichtungen oder die Ränder von Waldwegen.

Verbreitung & Vorkommen

Die Pflanze ist von Westeuropa bis Süditalien und Nordwestafrika verbreitet. Sie ist Kennart der Assoziation Atropo-Digitalietum luteae Oberd. 1957 (n.inv.) und gilt als ungefährdet, wird aber in Deutschland von der Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt“.

Inhaltsstoffe

Die Pflanze ist stark giftig. Hauptwirkstoffe sind Cardenolide mit relativ geringem Gesamtgehalt:
Lanatosid A 0,02 bis 0,10%
Acetyldigitoxin 0.01 bis 0,08%
Digitoxin 0,01 bis 0,02%
Gitoxin ca. 0,2%

Aus derselben Gattung (Digitalis)

Alle Pflanzen der Gattung Digitalis

Aus derselben Familie (Wegerichgewächse)

Alle Pflanzen der Familie Wegerichgewächse