Vegetative Merkmale
Der Gewöhnliche Natternkopf ist eine zweijährige oder mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 25 bis 100 Zentimetern. Er bildet als Speicherorgan manchmal eine Rübe aus. Der Stängel ist steif und mehr oder weniger stielrund. Der Gewöhnliche Natternkopf besitzt kurze, steife „Borsten“ an Stängeln und Blättern. Die Borstenhaare sind am Grund knotig verdickt. Die immergrünen Blätter sind lineal lanzettlich und erreichen Längen von bis zu 10 Zentimetern.
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober. Seine Blüten stehen in Thyrsen mit einfachen Wickeln. Die Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle und im Gegensatz zu den Blüten der meisten anderen Boraginaceen schwach zygomorph. Die Kronblätter sind 15 bis 22 Millimeter lang, zuerst rosafarben bis violett, später färben sie sich blau bis himmelblau. Charakteristisch ist die trichterförmige Kronröhre mit ungleichen Zipfeln. Die Staubblätter sind ungleich lang und ragen aus der Blüte heraus. Der Fruchtknoten ist tief vierspaltig. Der Griffel ist zweispaltig und zwischen den Klausen grundständig.
Pollen des Gewöhnlichen Natternkopfes (400×)
Die Klausenfrüchte (Spaltfrüchte) zerfallen in vier kleine, glatte Teilfrüchte, sogenannte Klausen.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.
Ein Mauerfuchs am Gewöhnlichen Natternkopf
Ökologie
Der Gewöhnliche Natternkopf ist eine Trockenpflanze und überdauert den Winter als Hemikryptophyt mit Hilfe ihrer Pfahlwurzel.
Blütenökologisch handelt es sich um vormännliche „Rachenblumen“; die herausragenden Griffel und Staubblätter dienen als Landeplatz für die Bestäuber. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, vor allem Bienen, Schwebfliegen und Falter; letztere besuchen die Blüten sehr gerne. Es wurden über 40 Schmetterlingsarten als Besucher festgestellt. Der Hauptbesuch der Insekten erfolgt gegen 15 Uhr. Die Blüten vollziehen einen Farbwechsel von rot nach blau. Bienen lernen, dass nur die rosa Blüten reich an Nektar sind. Der graublaue Pollen ist mit 0,01 mm sehr klein. Die Blüten sind zuerst männlich, dann weiblich (vormännlich).
Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Klausen, erfolgt durch Kleb- und Klettwirkung, vom Wind und durch den Menschen.
Verwendung in der Heilkunde
In geringen Dosen wurde die Pflanze in der Volksmedizin als Heilpflanze mit diuretischer, entzündungshemmender, schweißtreibender, adstringenter und antirheumatischer Wirkung verwendet, sie hat jedoch bei längerem Gebrauch eine leberschädigende und carcinogene Wirkung.[5
Die Pflanzenteile sind für kleinere Warmblütler durch den Gehalt an Allantoin und durch Pyrrolizidinalkaloide, z. B. Heliosupin, giftig. Beim Menschen besteht kaum Vergiftungsgefahr.
| Giftstoffe | Pyrolizidin-Alkaloide |
Folgesymptome
längerfristig Krebserregend (karzinogen)
Standort
Er gedeiht an trockenen bis halbtrockenen Ruderalstellen, auf steinigen Fluren, an sandigen Plätzen und auf Silikattrockenrasen. Er ist typisch für Pflanzengesellschaften der Sedo-Scleranthetea in der nördlich temperierten Breiten. Er ist eine Charakterart des Echio-Melilotetum. In den Allgäuer Alpen steigt er im Tiroler Teil am Häselgehrberg bei Häselgehr in Höhenlagen bis zu 1600 Metern auf.
Verbreitung & Vorkommen
Der Gewöhnliche Natternkopf ist in Europa und Westasien, beispielsweise ganz Deutschland verbreitet.
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