Der Gelbe Eisenhut (Aconitum lycoctonum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Eisenhut (Aconitum).
Die mehrjährige, krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimetern und hat einen aufrechten Stängel. Die Blätter sind tief handförmig fünf- bis siebenteilig mit grob gesägten Abschnitten.
Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind hellgelb und stehen in einer locker- bis dichtblütigen Traube. Der Helm ist etwa doppelt so lang wie breit. Darunter befinden sich zwei Nektarblätter die schneckenförmig aufgerollt sind. Da diese etwa zwei Zentimeter lang sind, können nur langrüsselige Hummeln an den Nektar gelangen.
Die Wildformen sowohl des Gelben Eisenhuts als auch des Blauen Eisenhuts (Aconitum vulparia) sind in den ersten Jahren wenig konkurrenzstark. Die Zuchtform, die sich einfacher vermehren lässt, ist ausdauernd und leicht zu kultivieren. Beide Formen lieben einen lehmig-humosen Boden in halbschattiger Lage. Bei ausreichender Bodenfeuchte können der Gelbe Eisenhut und der Blaue Eisenhut auch vollsonnig stehen. In der Kultur ist darauf zu achten, dass die Samen eine Frostperiode erhalten müssen, um zu keimen. Dazu reicht es, sie z.B. mit feuchtem Sand vermischt in einer Plastiktüte für zwei Wochen in den Gefrierschrank zu stellen.
Die Giftigkeit ist dabei von der Eisenhutart, den Standortbedingungen sowie den genetischen Faktoren der einzelnen Pflanze abhängig. Das Aconitin wird rasch durch die unverletzte Haut aufgenommen, erst recht gilt dies für die Schleimhäute, so dass Kinder gefährdet sind, wenn sie beispielsweise mit den Blüten spielen. Bei zarthäutigen Personen kann bereits eine Berührung zu Nesselausschlägen führen. Der Verzehr einiger weniger Gramm der Pflanze führt in der Regel zu Herzversagen und Atemstillstand, ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt.
Der Pflanzenname Wolfswurz entstand aus der Verwendung des Eisenhuts als Wolfsgift. Alle Teile der Pflanze sind sehr giftig. Sie gilt als die giftigste Pflanze Europas. Die Knolle enthält zwischen 0,2 und 3 % Aconitin, je nach Jahreszeit und Größe. Das Gift öffnet die Natriumkanäle der Zellen und bewirkt eine unkontrollierte Dauererregung, die bis zur völligen Erschöpfung der Zellfunktion führt.
Bei kurzzeitigem Kontakt des Gifts mit der Haut werden die Nervenzellen erregt, sodass sich Wärmegefühl, Brennen und Prickeln einstellen. Bei längerer Exposition geht die Erregung in Taubheit und Lähmung über. Selbiges äußert sich bei oraler Aufnahme – Prickeln über Taubheit bis Lähmung der Zunge und Lippen. Bei Einnahme kommt es zu Kälteempfindlichkeit, Übelkeit, Darmkoliken, nervöser Erregung, Ohrensausen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen und Krämpfen (z. B. Schlingkrämpfen) sowie in schweren Fällen zu Lähmungen. Der Herzrhythmus beschleunigt sich und der Tod tritt meistens infolge einer Lähmung der oberen Atemmuskulatur ein. Verantwortlich ist eine Blockade der Muskelendplatten durch das Gift.
| Giftige Pflanzenteile | ganze Pflanze |
| Giftigstes Pflanzenteil | Samen, Wurzel oder Knolle |
| Giftstoffe | Alkaloide, Aminoalkohole, Isochinolin-Alkaloide |
Erste Symptome
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Mundtrockenheit, Brennen im Mund /Rachenraum, Schweißausbrüche, Empfindungsstörungen, Frösteln, Prickeln im Mund, kalter Schweiß, Kälteempfindlichkeit, Blutdruckerhöhung (Hypertonie)
Folgesymptome
Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit, Atemlähmung, Herzrhythmusstörungen, kalter Schweiß, Ohrensausen, Lähmungserscheinungen, Kribbeln in Fingern/Zehen, Hörstörungen, Krämpfe, verlangsamter Puls (Bradykardie), Blutdruckerhöhung (Hypertonie), erhöhter Harndrang, Gelbgrünsehen, Arrhythmien, Blutdruckabfall, Hypothermie
Symptome bei Hautkontakt
Nesselsucht, Taubheitsgefühle, Wärmegefühl, Erbrechen, Frösteln, kalter Schweiß, Lähmungserscheinungen, Mundtrockenheit, Schleimhautreizung, Schweißausbrüche, Übelkeit, Brennen auf der Haut
Sofortmaßnahmen
sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), Erbrechen auslösen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser
Standort
Die Art wächst in Auwäldern, Hochstauden- und Karfluren sowie feuchten Wiesen. Der Wolfs-Eisenhut gedeiht am besten auf feuchten, nährstoffreichen, gut durchsickerten, mull- oder humushaltigen Lehm- oder Tonböden, die auch im Sommer nicht zu sehr erwärmt werden.
Verbreitung & Vorkommen
Der Wolfs-Eisenhut ist in Süd- und Mitteleuropa sowie in Asien weitverbreitet. Er fehlt ganz im Tiefland Mitteleuropas, in den westlichen Mittelgebirgen fehlt er in größeren Gebieten, in den übrigen Mittelgebirgen Mitteleuropas, im Alpenvorland und in den Alpen fehlt er in kleineren Gebieten. Insgesamt ist er in Mitteleuropa selten; er kommt dort an seinen Standorten in kleineren Beständen vor.
In Deutschland ist der Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum subsp. lycoctonum) im mittleren und südlichen Teil zerstreut zu finden. Er fehlt in Norddeutschland und zum Teil in Sachsen. Der Fuchs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum subsp. vulparia) ist für Deutschland lediglich aus den Berchtesgadener Alpen bekannt. In Österreich kommen beide Unterarten häufig bis zerstreut von der collinen bis alpinen Höhenstufe vor.
Der Wolfs-Eisenhut gedeiht in Mitteleuropa in Auwäldern, Schluchtwäldern an feuchten Stellen in lichten Laubwäldern und in Hochstaudenfluren, Karfluren sowie feuchten Wiesen der Alpen und der höheren Mittelgebirge. Er wächst in tieferen Lagen in Gesellschaften der Verbände Tilio-Acerion, Fagion oder Alno-Ulmion, in Hochlagen in denen des Verbands Adenostylion.
In den Allgäuer Alpen steigt er am Himmeleck in Bayern bis zu 2000 m Meereshöhe auf.
Inhaltsstoffe
Eisenhut-Arten zählen zu den giftigsten Pflanzen der Erde. Der Blaue Eisenhut und seine nahen Verwandten sind Europas giftigste Pflanzen. Sie enthalten toxische Diterpen-Alkaloide, die sich in allen Pflanzenteilen finden. Im Wesentlichen handelt es sich um die Alkaloide, Benzoylnaponin, Hypaconitin, Lycoconitin, Lycoctonin,und Neopellin, die in unterschiedlichen Konzentrationen nachweisbar sind. Außerdem die Aminoalkohole Aconin(durch Zerfall in wässriger Lösung aus Aconitin), Napellin, Neolin und Lycoctonin. Daneben sind in manchen Arten noch Isochinolin-Alkaloide oder Katecholamine enthalten. Ferner Picroaconitin, Mesaconitin.
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