Wald-Geißblatt
Lonicera periclymenum wächst als Liane bis zu 25 Meter lang empor.
Dabei teilt sich die Pflanze in mehrere Schlingen, die einen Baum regelrecht „einspinnen“ können und so viel Kraft haben, dass sie schraubige Vertiefungen rund um den Ast oder Stamm hinterlassen. An felsigen Küstenabschnitten liegen die Lianen ausgebreitet auf dem Untergrund.
Das Wald-Geißblatt blüht mit cremeweißen bis gelblichen Blüten, die einen süßen Duft verbreiten.
Es werden kleine, rote Beeren gebildet.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18, 36 oder 54.
Sehr stark giftig
Wahrscheinlich sind alle Geißblatt-Arten (Lonicera) giftig. Vergiftungszentralen werden häufig wegen der Früchte konsultiert, obwohl diese nach neueren Untersuchungen nur schwach giftig sind. Bei der hier beschriebenen Art wird aufgrund der nahen Verwandtschaft zur Roten Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) von der Möglichkeit der Giftwirkung der Roten Heckenkirsche ausgegangen, da genaue Daten und Erfahrungen zur hier aufgeführten Art nicht vorliegen.
Nach dem Verzehr von mehr als 20 Früchten wurden Vergiftungssymptome wie mindestens Brechdurchfälle und Reizungen des Verdauungssystems beobachtet. Die Wirkung geht eher auf Saponine als auf Alkaloide zurück. Nach älteren Angaben werden weit geringere Mengen (5 Beeren) für Vergiftungen verantwortlich gemacht.
| Giftige Pflanzenteile | Beere |
| Giftstoffe | Alkaloide, Saponine, cyanogene Glykoside |
Folgesymptome
Übelkeit, Bauchschmerzen, Schwindel, Unruhe / Erregung, Atmungsstörungen, Atemlähmung, Pupillenerweiterung, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Puls (Tachykardie), kalter Schweiß, Magen-Darm-Störungen, Zittern, Krämpfe, erhöhter Harndrang, Nierenschädigung, Gesichtsrötung, blutiger Durchfall, Temperaturerhöhung (Hyperthermie), bläuliche Verfärbung der Haut (Zyanose)
Sofortmaßnahmen
sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), Erbrechen lassen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser, viel warmen Tee trinken, Himbeersaft trinken
Verbreitung & Vorkommen
Diese Kletterpflanze ist über weite Teile Europas verbreitet. Ihre nördlichsten Verbreitungsgebiete liegen im südlichen Norwegen und im südwestlichen Schweden. Sie wächst wild in Wäldern und buschreichen Gegenden. Sie ist eine Charakterart des Verbands Pruno-Rubion, kommt aber auch in Gesellschaften des Unterverbands Quercenion roboris-petraeae oder seltener in bodensauren Gesellschaften der Ordnung Fagetalia vor.
Inhaltsstoffe
In der Pflanze sind die Alkaloide Xylostein, Xylostosidin, Saponine und cyanogene Glykoside gefunden worden. Ferner Flavonoide (phenolische Verbindungen).
Aus derselben Gattung (Lonicera)
Alle Pflanzen der Gattung Lonicera →
Krautfinder — Pflanzen bestimmen