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Vielblütige Weißwurz

Polygonatum multiflorum (L.) All.

Die Vielblütige Weißwurz wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 60 (100) Zentimetern. Ihr aufrechter, übergebogener Stängel besitzt einen runden oder stumpfkantigen Querschnitt.

Dieser Geophyt bildet ein Rhizom als Überdauerungsorgan. Das auffällige, weiße Rhizom (daher der Name „Weißwurz“) besitzt einen Durchmesser von etwa 5 bis 9 mm. Es ist knotig verdickt (griechisch poly für „viel“ und gony für „Knoten“), wobei die Knoten jeweils einem Jahreszuwachs entsprechen. Sie entstehen als seitliche Verzweigungen aus der Achsel von schuppenförmigen Niederblättern, während sich die Rhizomspitze jeweils in den aufrechten Blütenspross verlängert. Das Rhizom stellt also ein Sympodium dar. Es wurden bis zu 17 Jahresabschnitte hintereinander gezählt. Die scheibenförmigen Vertiefungen auf der Oberseite der Knoten sind die Abnarbungsstellen der Blütensprosse. Mit den zahlreichen Leitbündelnarben erinnern die Knoten an ein Siegel (daher der Name „Salomonssiegel“).

Die wechselständig und zweizeilig angeordneten Laubblätter sind sitzend oder kurz gestielt und einfach. Die eiförmige bis länglich-elliptische Blattspreite ist am Grund verschmälert, 5 bis 17 cm lang und 2 bis 7,5 cm breit. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und die Blattunterseite graugrün bereift.

In den Blattachseln stehen traubige Blütenstände, die jeweils drei bis fünf Blüten enthalten. Die ungehaarten Stiele der Blütenstände sind 10 bis 12 mm und die der Blüten sind 6 bis 7 mm lang. Die hängenden und geruchlosen Blüten sind dreizählig. Die sechs gleichgestalteten Blütenhüllblätter (Perigon) sind röhrig verwachsen, weiß mit grünen Spitzen und 11 bis 15 (bis 18) mm lang. Die Staubblätter sind spärlich flaumig behaart. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni.

Die dunkelblauen bis schwarzen Beeren sind bereift und besitzen einen Durchmesser von etwa 7 bis 9 mm. Die Fruchtreife erfolgt zwischen August und September.

Die Vielblütige Weißwurz ist ein Geophyt. Die Blüten sind homogame „Glockenblumen mit klebrigem Pollen“. Der Nektar ist nur von langrüsseligen Hummeln erreichbar oder von Schmetterlingen, die aber nur selten die Blüten aufsuchen. Selbstbestäubung ist häufig. Die giftigen Früchte sind Beeren, die widerlich süß schmecken. Es findet Verdauungsausbreitung statt. Vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms.

Verwendung in der Heilkunde

Die Pflanze wird zur Wundheilung eingesetzt, besonders aufgrund der antibakteriellen Wirkung. Die Droge wird auch wegen ihrer schleimlösenden Wirkung verwendet.

Alle Pflanzenteile sind giftig, vor allem die Beeren, sie enthalten Saponine und andere Giftstoffe. Weißwurz enthält Glycoside, die denen des Maiglöckchen ähnlich sind. Ältere Angaben über das Vorkommen von herzwirksamen Digitalisglykosiden wurden nicht bestätigt. Vergiftungssymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen und Atemnot. Der Giftgehalt der vielblütigen Weißwurz ist geringer als bei der wohlriechenden Weißwurz. Es kommt meist nur zu leichten Vergiftungen.

Giftige Pflanzenteileganze Pflanze
Giftigstes PflanzenteilBeere
GiftstoffeSaponine

Folgesymptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), Augenkontakt: Augen mit Spritzflasche ausspülen

Standort

Man findet die Art recht häufig in krautreichen Buchen-, Eichen- und Nadel-Mischwaldgesellschaften. Sie liebt lockere, basenreiche, oft kalkhaltige Lehmböden in schattiger Lage. Nach Ellenberg ist sie intermediär-kontinental verbreitet, ein Frischezeiger, mäßig stickstoffreiche Standorte anzeigend und eine Charakterart der Edellaub-Mischwälder (pflanzensoziologsiche Ordnung Fagetalia sylvaticae).

Verbreitung & Vorkommen

Die Vielblütige Weißwurz ist in den gemäßigten Klimazonen Eurasiens und Nordamerikas weit verbreitet.

Inhaltsstoffe

Inhaltsstoffe sind steroidale Saponine und Flavonoide enthalten.

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