Krautfinder Krautfinder — Pflanzen bestimmen Jetzt bei Google Play

Wald-Sanikel

Sanicula europaea L.

Der Wald-Sanikel wächst als überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimeter. Die grundständigen Laubblätter sind dunkelgrün und am Rand gesägt. Die Zähne des Blattrands besitzen eine grannenartige Spitze. Der Stängel besitzt nur wenige Laubblätter oder er ist ganz blattlos.

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni, die Fruchtreife von August bis Oktober. Es wird - für Doldenblütengewächse untypisch - ein nicht strikt doppeldoldiger, etwas unregelmäßiger Blütenstand gebildet. Sowohl die Dolde als auch die Döldchen sind mit Hochblättern versehen. Die Döldchen sind von mehr oder weniger halbkugeliger Gestalt. Die Blüten sind weiß (selten rosafarben). Die Doppelachänen sind etwa 4 bis 5 mm lang, braunschwarz und dicht mit hakig gekrümmten Stacheln besetzt.

Die Art hat die Chromosomenzahl 2n = 16.

Der Wald-Sanikel ist ein Hemikryptophyt.

Blütenökologisch handelt es sich um „Nektar führende Scheibenblumen“. Die Bestäubung des Wald-Sanikel erfolgt einerseits durch Insekten, andererseits kommt es auch oft zur Selbstbestäubung.

Die hakig bestachelten Doppelachänen zerfallen ohne die Fruchtträger in die beiden Teilfrüchte. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt als Klettfrüchte (Epizoochorie) oder durch den Wind. Die Früchte sind Wintersteher.

Im Kapitel „Von sanickel wasser“ seines Kleinen Destillierbuchs vom Jahre 1500 erwähnte Hieronymus Brunschwig erstmals das Buschwindröschen.[13][14][15][16]

Verwendung in der Heilkunde

Wie aus dem Namen Sanikel (von lateinisch sanare = heilen) hervorgeht, wird diese Art in der Volksmedizin schon lange als Heilpflanze genutzt. Als Heildroge dienen, die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten Grundblätter (Sanicula herba).

Der Wald-Sanikel wurde früher fast als „Allheilmittel“ angesehen. Heute nutzt man überwiegend nur noch die wegen der Saponine vorhandene Auswurf fördernde Wirkung der Pflanzeninhaltsstoffe bei leichten Katarrhen der Atemwege.

In den der Hildegard von Bingen zugeschriebenen Physica-Handschriften des 14. und 15. Jh. wurde der Wald-Sanikel - unter dem Namen sanicula - erstmals als Heilpflanze beschrieben. Entsprechend der Humoralpathologie wurde er als „warm“ eingestuft. Sein Saft wurde als angenehm schmeckend und heylsam sowie als wohltuend für den kranken Magen und die kranken Eingeweide beurteilt. Die grünende Pflanze sollte man mit der Wurzel ausreißen, in Wasser kochen und durchsieben. Zum Durchgesiebten sollten Honig und wenig Süßholz gegeben werden, sodass ein Honiggewürz entstehe. Um Schleim aus dem Magen zu entfernen und die kranken Eingeweide zu heilen, sollte dieser Trank oft nach dem Frühstück eingenommen werden. Langsam in der Sonne getrockneter und leicht pulverisierter Wald-Sanikel war für den Winter aufzuheben und wie der frisch bereitete zu verwenden. Wer durch Eisen verletzt wurde (Schnitt- und Stichverletzungen) sollte den frischen Saft der Pflanze oder das getrocknete Pulver in Wasser nach dem Frühstück einnehmen. Die Verletzungen würden so langsam von innen heraus heilen.

Standort

Sanicula europaea gedeiht einzeln an beschatteten, frischen bis mäßig trockenen, meist kalkreichen, basischen Standorten, meist auf Lehm-, seltener auch auf Schluffböden. Er wächst bevorzugt in Buchen- und Hainbuchenwäldern, seltener auch in (trockenen) Auenwäldern. Er ist in Mitteleuropa eine Fagetalia-Ordnungscharakterart.

Verbreitung & Vorkommen

Der Wald-Sanikel ist in Europa, Nordafrika, Kleinasien, Kaukasus, Iran und Sibirien weitverbreitet. Er ist in Europa vom Mittelmeergebiet bis Skandinavien beheimatet. In Mitteleuropa kommt er zerstreut vor.

Der Wald-Sanikel ist in Deutschland weitverbreitet, kommt aber eher zerstreut vor. Nur in Nordwestdeutschland und kalkarmen Mittelgebirgen ist er seltener anzutreffen oder fehlt ganz. In den Allgäuer Alpen steigt die Art in Tirol zwischen Elbigenalp und Bernhardseck bis zu 1500 m Meereshöhe auf.

Inhaltsstoffe

Triterpensaponine, Acylsaniculoside mit Barrigonolen als Aglyka, Laniaceen-Gerbstoffe, wie Rosmarinsäure und Chlorogensäure, Flavonoide und organische Säuren. Tannine und Allantoin konnten jedoch nicht gefunden werden, obwohl dies bisweilen noch behauptet wird.

Aus derselben Familie (Doldenblütler)

Alle Pflanzen der Familie Doldenblütler

Am selben Standort

Pflanzen der Auen →