Die Röhricht-Brennnessel ist ein sommergrüner, rosettenloser, ausdauernder Hemikryptophyt. Die Pflanze ist einhäusig, erreicht Wuchshöhen von 60 bis 200 Zentimeter und bildet ein Rhizom aus. Neben den Brennhaaren sind verstreut Borstenhaare vorhanden. Der Stängel ist am Grund liegend und bildet reichlich Wurzeln oder ist aufsteigend. Er hat einen Durchmesser von 5 bis 8 Millimeter und ist kaum kantig. Die Blattstiele sind mindestens halb so lang wie die Blattspreite. Die Oberseite der Blattspreite ist hellgrün und glänzt stark. Die Nebenblätter sind breit eiförmig und am Grund bis zu 15 Millimeter breit. Die Nebenblätter der oberen Blätter sind paarig bis zur Mitte verwachsen. Die oberen Blütenstände sind weiblich, die unteren männlich. Die männlichen Blütenstände sind in der Regel kürzer als der Blütenstiel. Das Perigon der weiblichen Blüten ist bis 2/3 geteilt, ihre Zipfel sind in der Mitte am breitesten.
Die Blütezeit reicht von Juli bis August. Die Bestäubung findet durch den Wind statt, die Samen werden durch Stoßausbreitung verbreitet.
Standort
Die Röhricht-Brennnessel wächst in Staudenfluren, Röhrichten, Auenwiesen und Auengebüschen. Sie kommt im submeridionalen bis südtemperaten Europa vor. In Deutschland ist die Art selten im Nordosten Sachsen-Anhalts an der Havel, in Mittel- und West-Brandenburg im Havelgebiet, am Müggelsee und bei Baruth sowie in Mecklenburg-Vorpommern in Teterow und im Faulenroster Holz zu finden.
Verbreitung & Vorkommen
Die Röhricht-Brennnessel ist ein Florenelement des submeridionalen bis südtemperaten, kontinentalen Europas. Vorkommen sind aus folgenden floristischen Territorien bekannt: Deutschland, Dänemark, Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Weißrussland, Ukraine, Europäisches Zentral-, Ost- und Süd-Russland sowie Israel. Der östlichste Fundort liegt am Fluss Ural. Beim Vorkommen in der israelischen Hula-Ebene wird Einschleppung durch Zugvögel vermutet.
Die deutschen Vorkommen wurden erst 1936 durch eine Arbeit des ungarischen Botanikers Bálint Zólyomi (1908–1997) bekannt. Die Röhricht-Brennnessel kommt selten im Nordosten Sachsen-Anhalts an der Havel, in Mittel- und West-Brandenburg im Havelgebiet, am Müggelsee und bei Baruth sowie in Mecklenburg-Vorpommern in Teterow und im Faulenroster Holz vor. Sie gilt bundesweit als „ungefährdet“, wird jedoch in den Roten Listen für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf Länderebene als „potenziell gefährdet“ angesehen. In einer Ausgrabungsstätte bei Friesack im Havelland wurde sie anhand ihrer Früchte aus mesolithischen Schichten nachgewiesen und ihr Status als alteingesessene Art bestätigt.
In Österreich ist die Röhricht-Brennnessel auf die niederösterreichischen March- und Thaya-Auen beschränkt und wird als „gefährdet“ eingestuft.
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