Deutscher Estragon
Deutscher Estragon (Artemisia dracunculus) ist eine Pflanzenart in der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist relativ nahe mit dem Wermut verwandt. In Südeuropa findet man Estragon als Wildpflanze. Dorthin soll er jedoch schon vor langer Zeit aus dem Fernen Osten gelangt sein.
Handelsüblicher frischer oder getrockneter Estragon stammt aus landwirtschaftlichem Anbau, am deutschen Markt vorrangig aus den Balkanländern und den Niederlanden.
Es ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 60 bis 150 cm erreicht. Die zahlreichen schwach behaarten lanzettförmigen Blätter sind ungestielt, ganzrandig und schwach gesägt. Der selten blühende Estragon hat gelbe kleine Blüten, die in Rispen stehen.
Verwendung in der Heilkunde
Da eine medizinische Wirksamkeit nicht belegt ist und auf Grund der Risiken durch das enthaltene Estragol, kann eine therapeutische Anwendung von Estragon nicht vertreten werden.
Estragon wirkt verdauungs- und gallenflussfördernd sowie harntreibend und enthält viel Kalium. Im Vergleich beider Varietäten zeigt sich beim russischen Estragon ein etwa 4-5 mal höherer Natriumanteil. Es wurde als Heilpflanze bei Wassersucht, Nierenträgheit, bei Appetitlosigkeit, Magenschwäche und Blähungen gebraucht. Er galt sogar einst als ein Heilmittel, das vor Schlangenbissen schützen sollte. Als Hausmittel lindert Estragonöl Rheuma und Muskelkrämpfe.
Verwendung in der Küche
Da Estragon Estragol enthält, von dem vermutet wird, dass es für den Menschen cancerogen und erbgutschädigend ist, sollte sein Verzehr auf die Küchenzubereitung beschränkt bleiben. [2]
Traditionell verwendet man die jungen Triebe oder die Blätter zum Würzen, die mehrmals im Jahr geerntet werden können. Da der Gehalt an würzenden ätherischen Ölen kurz vor der Blüte am höchsten ist, werden die 20 bis 30 cm langen Triebspitzen zu diesem Zeitpunkt abgeschnitten. Allein der frisch geerntete Estragon besitzt das sehr geschätzte Aroma.
Der häufig angebaute „russische Estragon“ Artemisia dracunculus var. inodora (keine Art, sondern eine Varietät), der Samen produziert, überlebt bis -10 °C. Der „französische Estragon“ Artemisia dracunculus var. sativa, (Synonym „deutscher Estragon“), ist infertil und bildet keine Samen, und muss vegetativ vermehrt werden, außerdem ist er frostempfindlich. Meist wird der „russische Estragon“ in den meisten Gärtnereien angebaut. Er besitzt wegen des geringeren Gehalts an ätherischem Öl jedoch kaum Estragon-Aroma. Auch eine phytochemische Charakterisierung zeigt deutliche Unterschiede im Flavonoid-Fingerprint.
Estragon wird zur Aromatisierung von Essig und Senf verwendet und zum Würzen von eingelegten Gurken. Ansonsten zum Würzen von Geflügel, Reis oder gekochtem Fisch sowie bei der Soßenherstellung (z.B. Sauce Béarnaise). Estragon gehört neben Petersilie, Schnittlauch und Kerbel zu der klassischen französischen Kräutermischung Fines Herbes.[3]
Vermehrung: Durch Wurzelteilung im Frühjahr. Im Sommer Ableger nehmen.
Standort
Schutt- und Kiesplätze, Kiesgruben, Unkrautfluren, Ruderalstandorte
Verbreitung & Vorkommen
Die Heimat der Art ist Osteuropa, Asien und Nordamerika von Kanada bis Mexiko. In Osteuropa findet man Estragon als Wildpflanze. Dorthin soll er jedoch schon vor langer Zeit aus dem Fernen Osten gelangt sein. Die seltenen Vorkommen Österreichs beschränken sich auf Ruderalflächen im Burgenland und Wien.
Inhaltsstoffe
Ätherisches Öl (Estragol, Phellandren, Ocimen), Flavonoide, Gerbstoffe und Bitterstoffe.
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