Der Alpen-Seidelbast ist eine ausdauernde, sommergrüne, verholzende Pflanze, die als Kleinstrauch (Nanophanerophyt) wächst und Wuchshöhen von 20 bis 50 (bis 100) Zentimeter erreicht. Die Rinde seiner Zweige ist behaart und die bogig aufsteigenden Äste sind vereinzelt mit Korkwarzen versehen.
Die Laubblätter stehen wechselständig angeordnet an den Zweigenden büschelig gehäuft. Die krautigen Blattspreiten sind bei einer Länge von 1 bis 4 Zentimeter und einer Breite von bis 2 Zentimeter lanzettlichen bis verkehrt-eiförmigen mit einem stumpfen oder in einem kleinen Spitzchen auslaufenden oberen End und einem glatten Blattrand. Die Blattoberseite ist graugrün und die Blattunterseite ist etwas heller, sie sind anfangs behaart.
Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Die sehr kurz gestielten Blüten stehen selten nur zu zweit, meist zu sechst bis zehnt büschelig in den oberen Blattachseln zusammen. Die angenehm nach Vanille duftenden, zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die vier weißen, kronblattartigen Kelchblätter sind außen dicht anliegend behaart und zu einer etwa 1 Zentimeter langen, innen behaarten Kelchröhre verwachsen. Die Kelchzipfel, deren Länge in etwa der der Kelchröhre entspricht, enden in einer Spitze. Kronblätter sind keine zu erkennen.
Die bei einer Länge von 4 bis 7 mm eiförmigen Steinfrüchte sind behaart; sie reifen ab August und färben sich rot-orange.
Der Alpen-Seidelbast wird selten als Zierpflanze für Steingärten genutzt. Er ist seit spätestens 1759 in Kultur.
Alpen-Seidelbast ist wie alle Seidelbast-Arten durch den Gehalt an vor allem Daphnetoxin stark giftig.
Symptome einer Vergiftung sind Erbrechen, Krämpfe, Blutungen und Brennen in der Kehle. Von diesem würgenden und brennenden Gefühl stammt auch der Name „Kellerhals“, vom mittelhochdeutschen "kellen" also quälen. Die enthaltenen Alkaloide wirken durchblutungsfördernd, weshalb bei Berührung der frischen Zweige Hautreizungen und blasige Geschwüre möglich sind. Das enthaltene Daphnin wirkt außerdem halluzinogen.
| Giftige Pflanzenteile | ganze Pflanze |
| Giftigstes Pflanzenteil | Beere, Rinde |
| Giftstoffe | Cumarine, Diterpenester |
Folgesymptome
Übelkeit, Fieber, Lähmungserscheinungen, Magen-Darm-Störungen, Krämpfe, verlangsamter Puls (Bradykardie), Nierenschädigung, Schock, Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis), Atemnot
Symptome bei Hautkontakt
Blasenbildung, Hautreizung, Rötung, Schleimhautreizung, Brennen auf der Haut
Sofortmaßnahmen
sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), Erbrechen lassen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser, viel warmen Tee trinken, Haut-Schleimhautkontakt: Haut mit Wasser spülen, Haut-Schleimhautkontakt: Blasen steril abdecken
Standort
Diese kalkstete Pflanze bevorzugt als Standort sonnige Felsflure, lichte Föhrenwälder und auch Felsschutthalden.
Verbreitung & Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet des Alpen-Seidelbast umfasst die europäischen Gebirge von den Pyrenäen bis ins Dinarische Gebirge. In den Alpen steigt der Alpen-Seidelbast bis auf Höhenlagen von 1900 Meter.
Der Alpen-Seidelbast ist in Österreich selten, nur in Süd-Kärnten (Karawanken, Dobratsch) verbreitet. Er fehlt in Deutschland. In der Schweiz besitzt er Standorte im Jura und in den Alpen. Er fehlt im Engadin, im Apennin und auf dem Balkan.
Inhaltsstoffe
Der Alpen-Seidelbast ist wie alle Seidelbastarten durch Daphnetoxin stark giftig.
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